, und wer lebt , muß auf Wechsel gefaßt sein . Ich sprach nun mit meiner Mutter über die Angelegenheit , die mir so sehr am Herzen lag . Sie entdeckte mir darauf , wie schmerzlich Marien der Tod ihres Mannes gewesen und wie sie sich ganz allein durch den Gedanken , daß sie für das Kind leben müsse , wieder aufgerichtet habe . Meine Neigung war den Frauen nicht unbekannt geblieben , und schon hatte sich Marie an die Vorstellung gewöhnt , mit uns zu leben . Sie verweilte noch eine Zeitlang in der Nachbarschaft ; dann zog sie zu uns herauf , und wir lebten noch eine Weile in dem frömmsten und glücklichsten Brautstande . Endlich verbanden wir uns . Jenes erste Gefühl , das uns zusammengeführt hatte , verlor sich nicht . Die Pflichten und Freuden des Pflegevaters und Vaters vereinigten sich ; und so überschritt zwar unsere kleine Familie , indem sie sich vermehrte , ihr Vorbild an Zahl der Personen , aber die Tugenden jenes Musterbildes an Treue und Reinheit der Gesinnungen wurden von uns heilig bewahrt und geübt . Und so erhalten wir auch mit freundlicher Gewohnheit den äußern Schein , zu dem wir zufällig gelangt und der so gut zu unserm Innern paßt : denn ob wir gleich alle gute Fußgänger und rüstige Träger sind , so bleibt das lastbare Tier doch immer in unserer Gesellschaft , um eine oder die andere Bürde fortzubringen , wenn uns ein Geschäft oder Besuch durch diese Berge und Täler nötigt . Wie Ihr uns gestern angetroffen habt , so kennt uns die ganze Gegend , und wir sind stolz darauf , daß unser Wandel von der Art ist , um jenen heiligen Namen und Gestalten , zu deren Nachahmung wir uns bekennen , keine Schande zu machen . « Drittes Kapitel Wilhelm an Natalien Soeben schließe ich eine angenehme , halb wunderbare Geschichte , die ich für dich aus dem Munde eines gar wackern Mannes aufgeschrieben habe . Wenn es nicht ganz seine Worte sind , wenn ich hie und da meine Gesinnungen bei Gelegenheit der seinigen ausgedrückt habe , so war es bei der Verwandtschaft , die ich hier mit ihm fühlte , ganz natürlich . Jene Verehrung seines Weibes , gleicht sie nicht derjenigen , die ich für dich empfinde ? und hat nicht selbst das Zusammentreffen dieser beiden Liebenden etwas Ähnliches mit dem unsrigen ? Daß er aber glücklich genug ist , neben dem Tiere herzugehen , das die doppelt schöne Bürde trägt , daß er mit seinem Familienzug abends in das alte Klostertor eindringen kann , daß er unzertrennlich von seiner Geliebten , von den Seinigen ist , darüber darf ich ihn wohl im stillen beneiden . Dagegen darf ich nicht einmal mein Schicksal beklagen , weil ich dir zugesagt habe , zu schweigen und zu dulden , wie du es auch übernommen hast . Gar manchen schönen Zug des Zusammenseins dieser frommen und heitern Menschen muß ich übergehen : denn wie ließe sich alles schreiben ! Einige Tage sind mir angenehm vergangen , aber der dritte mahnt mich nun , auf meinen weitern Weg bedacht zu sein . Mit Felix hatte ich heut einen kleinen Handel : denn er wollte fast mich nötigen , einen meiner guten Vorsätze zu übertreten , die ich dir angelobt habe . Ein Fehler , ein Unglück , ein Schicksal ist mir ' s nun einmal , daß sich , ehe ich mich ' s versehe , die Gesellschaft um mich vermehrt , daß ich mir eine neue Bürde auflade , an der ich nachher zu tragen und zu schleppen habe . Nun soll auf meiner Wanderschaft kein Dritter uns ein beständiger Geselle werden . Wir wollen und sollen zu zwei sein und bleiben , und eben schien sich ein neues , eben nicht erfreuliches Verhältnis anknüpfen zu wollen . Zu den Kindern des Hauses , mit denen Felix sich spielend diese Tage her ergötzte , hatte sich ein kleiner , munterer , armer Junge gesellt , der sich eben brauchen und mißbrauchen ließ , wie es gerade das Spiel mit sich brachte , und sich sehr geschwind bei Felix in Gunst setzte . Und ich merkte schon an allerlei Äußerungen , daß dieser sich einen Gespielen für den nächsten Weg auserkoren hatte . Der Knabe ist hier in der Gegend bekannt , wird wegen seiner Munterkeit überall geduldet und empfängt gelegentlich ein Almosen . Mir aber gefiel er nicht , und ich ersuchte den Hausherrn , ihn zu entfernen . Das geschah auch , aber Felix war unwillig darüber , und es gab eine kleine Szene . Bei dieser Gelegenheit macht ' ich eine Entdeckung , die mir angenehm war . In der Ecke der Kapelle oder des Saals stand ein Kasten mit Steinen , welchen Felix , der seit unserer Wanderung durchs Gebirg eine gewaltsame Neigung zum Gestein bekommen , eifrig hervorzog und durchsuchte . Es waren schöne , in die Augen fallende Dinge darunter . Unser Wirt sagte , das Kind könne sich auslesen , was es wolle . Es sei dieses Gestein überblieben von einer großen Masse , die ein Fremder vor kurzem von hier weggesendet . Er nannte ihn Montan , und du kannst denken , daß ich mich freute , diesen Namen zu hören , unter dem einer von unsern besten Freunden reist , dem wir so manches schuldig sind . Indem ich nach Zeit und Umständen fragte , kann ich hoffen , ihn auf meiner Wanderung bald zu treffen . Die Nachricht , daß Montan sich in der Nähe befinde , hatte Wilhelmen nachdenklich gemacht . Er überlegte , daß es nicht bloß dem Zufall zu überlassen sei , ob er einen so werten Freund wiedersehen solle , und erkundigte sich daher bei seinem Wirte , ob man nicht wisse , wohin dieser Reisende seinen Weg gerichtet habe . Niemand hatte davon nähere Kenntnis , und schon war Wilhelm entschlossen , seine Wanderung nach dem ersten Plane fortzusetzen ,