zwischen den Arm von Apollonien geschoben wurde , die er dabei seitwärts durch die Tränen ganz freundlich ansah und sich dann mit dem Vater fortbewegte . Als der Vater den Knaben in die Ratsstube führte , ihm seinen Platz anwies und wie er die Schriften ordnen sollte , da mußte der Knabe wieder weinen . Als der Vater nach der Ursache fragte , antwortete der Knabe ; » Ich habe nun schon seit Jahren etwas zu tun vermeint , es war aber lauter Nichts und nur zu meiner Übung ; wenn nun das alles , was ich hier treiben soll , auch nur zu meiner Prüfung und an sich zu nichts dient ? « - » Vielleicht , lieber Sohn « , antwortete der Alte leise , » zuweilen überkommt mich so eine tiefere Einsicht und sie erschreckt mich nicht mehr wie sonst , du aber bist ein Kind , darum weine dich aus wie ein Kind , wirst immer noch früher wieder lachen als ich , wenn ich dich zum Schneidermeister Fingerling führe und dir das grüne Kleid anmessen lasse , was du mit deinem Schreiben dir verdienet hast . An dem Kleid magst du erkennen daß dennoch nichts vergebens ist , was der Mensch in gutem Willen tut . « Sie gingen zu Meister Fingerling und der kleine Berthold ward in der Werkstätte vom Meister nach allen Richtungen gemessen . Seltsam war es ihm , als er den Arm mußte heben und krümmen , wie er es sonst nie getan , er meinte in dem neuen Rocke künftig immer so stehen zu müssen . Während der Meister die Umrisse des Kleids auf das Tuch nach dem Maße kreidete und zuschnitt , sah der junge Berthold mit großer Aufmerksamkeit der Schere nach . » Ich sehe es wohl an deiner Neugierde « , sprach Fingerling , » daß du Lust zum Handwerk hast und daß du die spöttischen Reden der andern Gewerke über uns Schneider nicht achtest . « Der junge Berthold antwortete darauf : » Ich verstehe nichts von Eurem Gewerke , lieber Meister , aber unbarmherzig scheint es mir , wie Ihr mit der großen Schere das schön farbige Tuch zerfetzt , mir ist ' s , als zerschnittet Ihr mir die Haut , so lieb habe ich diese grüne Wiesenfläche ; ich hätte mir das Tuch bewahren sollen , statt es zerschneiden zu lassen , um das Geschenk der edlen Jungfrau mir auf immer zu bewahren . « - » Du mußt ein Tuchhändler werden « , sagte der fixfingrige Mann , ohne von der geheimnisvollen Bewegung seiner Schere aufzublicken , » wenn so ein Händler mit rechtem , eignen Wohlgefallen das Tuch aufrollt und mit der Hand sanft überfährt , als ob er des Käufers ganz vergessen , da gibt jeder einige Kreuzer mehr . Ich für mein Teil denke , das Tuch wird erst durch meinen Zuschnitt zu etwas , wie der Mensch durch die Erziehung , ja ich sehe dann schon im Geiste die goldne Ehrenkette in dem Wams verdienen und darauf prangen . « - » Ich würde lieber ein Tuchhändler « , sagte der junge Berthold und empfahl sich dem Meister mit besonderer Zuneigung Frau Hildegard ehrte den Knaben mit tausend Zärtlichkeiten und noch mehr Ermahnungen , als sie seine neue Würde vernahm , nur Martin schüttelte mit dem Kopfe und brummte vor sich : » Sie haben ihn ganz aufgegeben und vergessen . « Der junge Berthold wußte schon , daß er um solche Redensarten den alten Martin nicht befragen durfte , daher war auch alle Neugierde über dergleichen Äußerungen bei ihm verschwunden , er meinte , das gehöre so zu einem alten Kriegsmann , wie das Fluchen . Keiner verlor aber mehr bei dieser Änderung , als der Martin . Die Frau war jünger und konnte sich so nicht in seine Launen fügen , wenn sie ihn auch lieb hatte , und ihre Liebe selbst war doch nur seiner Anwartschaft zur Türmerstelle gewesen , was konnte da mit den Jahren viel übrig bleiben , außer der guten alltäglichen Gewohnheit , alles als gemeinschaftlich zu betrachten , ausgenommen das Herz und die Gedanken . Alle Morgen , wenn der junge Berthold vom Rathause kam , ging ihm Martin ungeduldig entgegen , sah ihn an und ließ sich berichten , was vorgefallen sei . Auf nichts mochte er sonst hören , jetzt hatte er mit dem Liebling wieder Auge und Ohr in die Welt gestreckt , und ärgerte sich an dem vielen Unrecht , was auf dem Rathause zur Sprache kam , und fluchte vom Jüngsten Tage . Der alte Berthold aber meinte » Das Gute bringen sie nicht zum Rathaus , so wenig sie ihr Brot auf die Straße werfen ; so wissen wir im Rathause nur von den Sünden , und auf der Straße nur von der Unreinlichkeit der Menschen . « Aber Martin wurde immer finsterer , seine Augen verdunkelten sich und es mochte wohl ein Jahr seit der Anstellung des jungen Berthold verflossen sein , als er einmal ungeduldig auf ihn wartete und endlich Frau Hildegard die Wacht anvertraute , um ihm entgegen zu gehen . Endlich kam der junge Berthold , aber nicht von der Seite des Rathauses , sondern von der Seite der wüsten Brandstätte . » Erst erkannte ich dich nicht « , rief ihm Martin entgegen , » ist mir doch jetzt beständig wie damals bei der Sonnenfinsternis , die Sonne hat einen Flecken und alles umher hat auch Flecken , nachdem ich hinein gesehen ; wie kannst du mich so lange warten lassen , ich bin so neugierig , wie sich der Streit wegen des alten Fundaments geendet hat , worauf der Nachbar übergebauet hatte . « Aber der junge Berthold hörte nicht auf ihn , sondern umarmte ihn voller Seligkeit und rief wiederholend : » Das Haus des Barbarossa ! « - » Was weißt du denn von dem ? « fragte Martin . » Hab ich nicht täglich davon an