sich nämlich in ihrer Abwesenheit niedergesetzt , um ein Waldhornecho zu dichten . Zum Unglück fiel es zu gleicher Zeit einem von Leontins Jägern ein , nicht weit davon wirklich auf dem Waldhorne zu blasen . Faber störte die nahe Musik , er rief daher ungeduldig dem Jäger zu , still zu sein . Dieser aber , der sich , wie fast alle Leute Leontins , über Herrn Faber von jeher ärgerte , weil er immer mit der Feder hinterm Ohre so erbärmlich aussah , gehorchte nicht . Da sprang Faber auf und überhäufte ihn mit Schimpfreden . Der Jäger , um ihn zu übertäuben , schüttelte nun statt aller Antwort einen ganzen Schwall von verworrenen und falschen Tönen aus seinem Horne , während Faber , im Gesichte überrot vor Zorn , vor ihm stand und gestikulierte . Als der Jäger jetzt seinen Herrn erblickte , endigte er seinen Spaß und ging fort . Faber aber hatte indes , so boshaft er auch aussah , schon längst der Zorn verlassen , denn es waren ihm mitten in der Wut eine Menge witziger Schimpfwörter und komischer Grobheiten in den Sinn gekommen , und er schimpfte tapfer fort , ohne mehr an den Jäger zu denken , und brach endlich in ein lautes Gelächter aus , in das Leontin und Friedrich von Herzen mit einstimmten . Am Abend saßen Leontin , Friedrich und Faber zusammen an einem Feldtische auf der Wiese am Jägerhause und aßen und tranken . Das Abendrot schaute glühend durch die Wipfel des Tannenwaldes , welcher die Wiese ringsumher einschloß . Der Wein erweiterte ihre Herzen und sie waren alle drei wie alte Bekannte miteinander . » Das ist wohl ein rechtes Dichterleben , Herr Faber « , sagte Friedrich vergnügt . - » Immer doch « , hub Faber ziemlich pathetisch an , » höre ich das Leben und Dichten verwechseln . « - » Aber , aber , bester Herr Faber « , fiel ihm Leontin schnell ins Wort , dem jeder ernsthafte Diskurs über Poesie die Kehle zusammenschnürte , weil er selber nie ein Urteil hatte . Er pflegte daher immer mit Witzen , Radottements , dazwischenzufahren und fuhr auch jetzt , geschwind unterbrechend , fort : » Ihr verwechselt mit euren Wortwechseleien alles so , daß man am Ende seiner selbst nicht sicher bleibt . Glaubte ich doch einmal in allem Ernste , ich sei die Weltseele und wüßte vor lauter Welt nicht , ob ich eine Seele hatte , oder umgekehrt . Das Leben aber , mein bester Herr Faber , mit seinen bunten Bildern , verhält sich zum Dichter , wie ein unübersehbar weitläufiges Hieroglyphenbuch von einer unbekannten , lange untergegangenen Ursprache zum Leser . Da sitzen von Ewigkeit zu Ewigkeit die redlichsten , gutmütigsten Weltnarren , die Dichter , und lesen und lesen . Aber die alten , wunderbaren Worte der Zeichen sind unbekannt und der Wind weht die Blätter des großen Buches so schnell und verworren durcheinander , daß einem die Augen übergehn . « - Friedrich sah Leontin groß an , es war etwas in seinen Worten , das ihn ernsthaft machte . Faber aber , dem Leontin zu schnell gesprochen zu haben schien , spann gelassen seinen vorigen Diskurs wieder an : » Ihr haltet das Dichten für eine gar so leichte Sache , weil es flüchtig aus der Feder fließt , aber keiner bedenkt , wie das Kind , vielleicht vor vielen Jahren schon in Lust empfangen , dann im Mutterleibe mit Freuden und Schmerzen ernährt und gebildet wird , ehe es aus seinem stillen Hause das fröhliche Licht des Tages begrüßt . « - » Das ist ein langweiliges Kind « , unterbrach ihn Leontin munter , » wäre ich so eine schwangere Frau , als Sie da sagen , da lacht ich mich gewiß , wie Philine , vor dem Spiegel über mich selber zu Tode , eh ich mit dem ersten Verse niederkäme . « - Hier erblickte er ein Paket Papiere , das aus Fabers Rocktasche hervorragte : eines davon war » An die Deutschen « überschrieben . Er bat ihn , es ihnen vorzulesen . Faber zog es heraus und las es . Das Gedicht enthielt die Herausforderung eines bis zum Tode verwundeten Ritters an alle Feinde der deutschen Ehre . Leontin sowohl als Friedrich erstaunten über die Gediegenheit und männliche Tiefe der Romanze und fühlten sich wahrhaft erbaut . » Wer sollte es glauben « , sagte Leontin , » daß Herr Faber diese Romanze zu ebender Zeit verfertiget hat , als er Reißaus nahm , um nicht mit gegen die Franzosen zu Felde ziehn zu dürfen . « Faber nahm darauf ein anderes Blatt zur Hand und las ihnen ein Gedicht vor , in welchem er sich selber mit höchst komischer Laune in diesem seinem feigherzigen Widerspruche darstellte , worin aber mitten durch die lustigen Scherze ein tiefer Ernst , wie mit großen , frommen Augen , ruhend und ergreifend hindurchschaute . Friedrich ging jedes Wort dieses Gedichtes schneidend durchs Herz . Jetzt wurde es ihm auf einmal klar , warum ihm so viele Stellungen und Einrichtungen in Fabers Schriften durchaus fremd blieben und mißfielen . - » Dem einen ist zu tun , zu schreiben mir gegeben « , sagte Faber , als er ausgelesen hatte . » Poetisch sein und Poet sein « , fuhr er fort , » das sind zwei verschiedene Dinge , man mag dagegen sagen , was man will . Bei dem letzteren ist , wie selbst unser großer Meister Goethe eingesteht , immer etwas Taschenspielerei , Seiltänzerei usw. mit im Spiele . « - » Das ist nicht so « , sagte Friedrich ernst und sicher , » und wäre es so , so möchte ich niemals dichten . Wie wollt Ihr , daß die Menschen Eure Werke hochachten , sich daran erquicken und erbauen sollen , wenn Ihr Euch Selber nicht glaubt , was Ihr schreibt und durch schöne Worte und künstliche Gedanken