. Übrigens hatte Eduard mit Charlotten allein weniger Stoff zur Unterhaltung , besonders seitdem er den Tadel ihrer Parkanlagen , der ihm so gerecht schien , auf dem Herzen fühlte . Lange verschwieg er , was ihm der Hauptmann vertraut hatte ; aber als er seine Gattin zuletzt beschäftigt sah , von der Mooshütte hinauf zur Anhöhe wieder mit Stüfchen und Pfädchen sich emporzuarbeiten , so hielt er nicht länger zurück , sondern machte sie nach einigen Umschweifen mit seinen neuen Einsichten bekannt . Charlotte stand betroffen . Sie war geistreich genug , um schnell einzusehen , daß jene recht hatten ; aber das Getane widersprach , es war nun einmal so gemacht ; sie hatte es recht , sie hatte es wünschenswert gefunden , selbst das Getadelte war ihr in jedem einzelnen Teile lieb ; sie widerstrebte der Überzeugung , sie verteidigte ihre kleine Schöpfung , sie schalt auf die Männer , die gleich ins Weite und Große gingen , aus einem Scherz , aus einer Unterhaltung gleich ein Werk machen wollten , nicht an die Kosten denken , die ein erweiterter Plan durchaus nach sich zieht . Sie war bewegt , verletzt , verdrießlich ; sie konnte das Alte nicht fahren lassen , das Neue nicht ganz abweisen ; aber entschlossen wie sie war , stellte sie sogleich die Arbeit ein und nahm sich Zeit , die Sache zu bedenken und bei sich reif werden zu lassen . Indem sie nun auch diese tätige Unterhaltung vermißte , da indes die Männer ihr Geschäft immer geselliger betrieben und besonders die Kunstgärten und Glashäuser mit Eifer besorgten , auch dazwischen die gewöhnlichen ritterlichen Übungen fortsetzten , als Jagen , Pferdekaufen , -tauschen , -bereiten und -einfahren , so fühlte sich Charlotte täglich einsamer . Sie führte ihren Briefwechsel auch um des Hauptmanns willen lebhafter , und doch gab es manche einsame Stunde . Desto angenehmer und unterhaltender waren ihr die Berichte , die sie aus der Pensionsanstalt erhielt . Einem weitläufigen Briefe der Vorsteherin , welcher sich wie gewöhnlich über der Tochter Fortschritte mit Behagen verbreitete , war eine kurze Nachschrift hinzugefügt nebst einer Beilage von der Hand eines männlichen Gehülfen am Institut , die wir beide mitteilen . Nachschrift der Vorsteherin » Von Ottilien , meine Gnädige , hätte ich eigentlich nur zu wiederholen , was in meinen vorigen Berichten enthalten ist . Ich wüßte sie nicht zu schelten , und doch kann ich nicht zufrieden mit ihr sein . Sie ist nach wie vor bescheiden und gefällig gegen andere ; aber dieses Zurücktreten , diese Dienstbarkeit will mir nicht gefallen . Euer Gnaden haben ihr neulich Geld und verschiedene Zeuge geschickt . Das erste hat sie nicht angegriffen , die andern liegen auch noch da , unberührt . Sie hält freilich ihre Sachen sehr reinlich und gut und scheint nur in diesem Sinn die Kleider zu wechseln . Auch kann ich ihre große Mäßigkeit im Essen und Trinken nicht loben . An unserm Tisch ist kein Überfluß ; doch sehe ich nichts lieber , als wenn die Kinder sich an schmackhaften und gesunden Speisen satt essen . Was mit Bedacht und Überzeugung aufgetragen und vorgelegt ist , soll auch aufgegessen werden . Dazu kann ich Ottilien niemals bringen . Ja , sie macht sich irgendein Geschäft , um eine Lücke auszufüllen , wo die Dienerinnen etwas versäumen , nur um eine Speise oder den Nachtisch zu übergehen . Bei diesem allen kommt jedoch in Betrachtung , daß sie manchmal , wie ich erst spät erfahren habe , Kopfweh auf der linken Seite hat , das zwar vorübergeht , aber schmerzlich und bedeutend sein mag . Soviel von diesem übrigens so schönen und lieben Kinde . « Beilage des Gehülfen » Unsere vortreffliche Vorsteherin läßt mich gewöhnlich die Briefe lesen , in welchen sie Beobachtungen über ihre Zöglinge den Eltern und Vorgesetzten mitteilt . Diejenigen , die an Euer Gnaden gerichtet sind , lese ich immer mit doppelter Aufmerksamkeit , mit doppeltem Vergnügen ; denn indem wir Ihnen zu einer Tochter Glück zu wünschen haben , die alle jene glänzenden Eigenschaften vereinigt , wodurch man in der Welt emporsteigt , so muß ich wenigstens Sie nicht minder glücklich preisen , daß Ihnen in Ihrer Pflegetochter ein Kind beschert ist , das zum Wohl , zur Zufriedenheit anderer und gewiß auch zu seinem eigenen Glück geboren ward . Ottilie ist fast unser einziger Zögling , über den ich mit unserer so verehrten Vorsteherin nicht einig werden kann . Ich verarge dieser tätigen Frau keinesweges , daß sie verlangt , man soll die Früchte ihrer Sorgfalt äußerlich und deutlich sehen ; aber es gibt auch verschlossene Früchte , die erst die rechten , kernhaften sind und die sich früher oder später zu einem schönen Leben entwickeln . Dergleichen ist gewiß Ihre Pflegetochter . Solange ich sie unterrichte , sehe ich sie immer gleichen Schrittes gehen , langsam , langsam vorwärts , nie zurück . Wenn es bei einem Kinde nötig ist , vom Anfange anzufangen , so ist es gewiß bei ihr . Was nicht aus dem Vorhergehenden folgt , begreift sie nicht . Sie steht unfähig , ja stöckisch vor einer leicht faßlichen Sache , die für sie mit nichts zusammenhängt . Kann man aber die Mittelglieder finden und ihr deutlich machen , so ist ihr das Schwerste begreiflich . Bei diesem langsamen Vorschreiten bleibt sie gegen ihre Mitschülerinnen zurück , die mit ganz andern Fähigkeiten immer vorwärtseilen , alles , auch das Unzusammenhängende , leicht fassen , leicht behalten und bequem wieder anwenden . So lernt sie , so vermag sie bei einem beschleunigten Lehrvortrage gar nichts ; wie es der Fall in einigen Stunden ist , welche von trefflichen , aber raschen und ungeduldigen Lehrern gegeben werden . Man hat über ihre Handschrift geklagt , über ihre Unfähigkeit , die Regeln der Grammatik zu fassen . Ich habe diese Beschwerde näher untersucht : es ist wahr , sie schreibt langsam und steif , wenn man so will ,