, nach Hause zu kommen ; denn seine Sulpiciola , wie er dich nennt , mangelt ihm überall . Auch mir mangelst du recht sehr . In mir ist eine Art von Veränderung vorgegangen , über die ich gern mit dir sprechen möchte . Es ist nicht mehr Alles , wie es war . Ich ärgere mich darüber , und kann doch nicht wünschen , daß es nicht geschehen seyn möchte . Ich bin jetzt manchmal sehr ernst , ich kann stundenlang über tiefsinnige Dinge recht tiefsinnig sprechen . Ich lache seltener , und finde sogar Vergnügen an manchen Ideen , die ich sonst , als ich noch ganz Calpurnia war , als excentrisch und überspannt verspottete . Das macht blos der Umgang . Man achte ja diese leise und langsame Gewalt , eben weil sie unbemerkt wirkt , nicht für gering ; man glaube nur ja nicht , sich vor ihrem stillen Einflusse bewahren zu können . Wie der Bewohner der einen Provinz , in eine andere verpflanzt , nach und nach , ohne es selbst zu wissen , seine Sitte , seine Tracht , sogar seine Sprache nach dem Gebrauche und Dialect dieses Landes modelt , und so unvermerkt mit den Eingebornen sich verschmelzt , so nehmen wir auch leicht und unmerklich die Gedankenreihe , die Ansichten , ja bis auf die Redensarten unserer Freunde an , und sehen erst nach einiger Zeit mit Erstaunen die Aenderung , die mit uns vorgegangen ist . Agathokles - wie komme ich eben jetzt auf ihn ? - ist recht viel bei mir . Wir plaudern recht oft - recht lange - recht anziehend mit einander , und meine Eitelkeit müßte mich ganz schrecklich irre führen , wenn ich nicht glauben sollte , er finde wenigstens eben so viel Vergnügen an meinem Umgang , als ich an dem seinen . Vielleicht eben des grellen Abstandes wegen , der im Anfange zwischen unsern Charakteren zu seyn schien ? Schien ! sage ich mit Vorbedacht ; denn es zeigt sich immer deutlicher , daß wir im Grunde über die meisten und wichtigsten Dinge , ziemlich gleich denken . Zuweilen entsteht wohl ein kleiner Streit , aber das dient nur , den Umtausch der Gedanken zu befördern , und die Unterhaltung zu beleben . Uebrigens schadet es unserer Einigkeit nicht . Agathokles ist , wenn er bei genauerer Bekanntschaft die spröde Außenseite ablegt , ein sehr angenehmer Gesellschafter . Unter andern lieset und declamirt er vortrefflich , und es ist einer meiner köstlichsten Genüsse , mir von ihm die besten Stellen , aus unsern Dichtern , die er fast alle auswendig weiß , vorsagen zu lassen . Zuweilen löse ich ihn auch wohl ab . Du weißt , es war von jeher eine Lieblingsübung von mir . Und dann , liebe Sulpicia , unter uns gesagt , geht meine Eitelkeit nicht leer aus . Ich sehe , oder eigentlich , ich fühle wohl , daß die Leserin ihn weit mehr anzieht , als der Dichter selbst : und je strenger der Mann gewöhnlich ist , je süßer , schmeichelt es , dieses . Eis am Strahle der Freundschaft schmelzen zu sehen . Freundschaft ! Merke das Wort wohl , liebe Sulpicia ! keine Liebe ; denn ich bin seine Vertraute , und weiß , daß sein Herz , wie es einem ächten Schwärmer geziemt , theils der ganzen Menschheit angehört , theils mit seinen , feineren Neigungen einem schönen Schattenbilds zugewandt ist , das noch aus den rosigen Tagen der Kindheit in himmlischem Lichte vor seiner Seele schwebt , und ihn für alle irdischen Reize unempfindlich macht . Du siehst , ich weiß schon Manches , und habe damit nicht auf deine Ankunft warten dürfen . Nein , ich habe ihm einen Theil seiner Geheimnisse mit freundlicher Herzlichkeit abgefragt , ich habe den Kummer bemerkt , der dies edle Herz drückt , und ihn zu erforschen gesucht , und er hat sich der ungeheuchelten Theilnahme wahrer Freundschaft nicht verschlossen . Seine Unzufriedenheit mit dem Zeitalter , seine Besorgnisse für die Zukunft , seine Trauer um die bessere Vergangenheit - ist jetzt nicht mehr Gegenstand unsers Streites , und die Zielscheibe meines Scherzes . Seit ich weiß , wie tiefen Antheil mein Freund an ihnen nimmt , wird über diese Materien ernst und würdig gesprochen , und mit Vergnügen sehe ich denn am Ende eines solchen Gesprächs die Gewitterwolken , die im Anfange seine Stirn umzogen , verschwunden , und seinen Blick mir freundlich und dankbar strahlen . Sogar sein gespanntes Verhältniß zu seinem Vater hat er - freilich nur leise - berührt , und ich achte seine Zurückhaltung in diesem Punkte , und dringe nicht weiter in ihn . Scheint es doch , er hätte willig Alles , worüber er Herr war , der Freundin mitgetheilt , und halte nur mit dem zurück , was er nicht ganz sein nennen kann ! Gekannt möchte ich das Mädchen wohl haben , das seine Kindheit und erste Jugend verschönerte . Schön ist sie nicht gewesen , das sagt er selbst , aber gut und höchst liebenswürdig . Nun das versteht sich von selbst , wenn ein Liebhaber , sie schildert . Bis in sein achtzehntes Jahr ist er mit ihr umgegangen , seitdem hat er sie nicht wieder gesehen . Ob nun gleich die folgenden acht Jahre für seine Entwickelung sicher die bedeutendsten waren , so ist doch ein Jüngling , wie Agathokles , mit achtzehn Jahren reif genug , um einen solchen Eindruck auf Zeitlebens fest zu halten . Das kann ihm bei der Wahl seiner künftigen Gattin immer schaden , oder auch nützen - wie du willst ; denn es wird ihn behutsam und ekel machen . Ich finde es nicht übel , wenn ein Jüngling ein idealisches Bild von Würde , Größe , Tugend in seiner Brust trägt , und die Welt um ihn her an diesem großen Maaßstabe mißt . Er und sie gewinnen dabei , denn er wird nichts Gemeines und