, als er ruhig seinen Platz wieder einnahm , und gelassen sagte : doch müssen Sie selbst sehen und urtheilen . Es ist nur gut , setzte er lächelnd hinzu , daß hier der Egoismus einen ganzen Stand umfaßt , sonst könnten Ihnen meine Worte leicht verdächtig erscheinen . Was braucht es da viel langsamen Erwägens , fiel Rodrich ungeduldig ein , ich bin entschlossen , sagen Sie nur , wie es anzufangen sey , da mir jedes Mittel , wie überall jede äußere Bedingung fremd ist . Das wird sich alles ganz leicht fügen , erwiederte der Ritter , wenn Sie mir erlauben , meinen Oheim , bei dessen Regiment hier unser Freund Stephano dient , einigermaßen mit ihrer Geschichte bekannt zu machen , und Sie bei ihm einzuführen . Sie trauen mir zu , daß das Erstere auf eine Weise geschehen wird , die Sie vor jedem unbescheidenen Eindringen sichert , und daß ich überall den Mann als geprüft und erkannt ehre , dem ich Ihr Geheimniß übergebe . Ob ich gleich den Degen scheinbar zu einem anderen Zwecke trage , so gehöre ich dennoch zu dem edlen Stande , dem ich Sie mit recht brüderlichen Gesinnungen zuführe . Rodrich umarmte den liebenswürdigen Jüngling , und nahm dankbar einen Vorschlag an , der ihm so unerwartet die Kreise eines freien beweglichen Lebens eröffnete . Nach kurzen Verabredungen und dem Versprechen , den folgenden Mittag hier wieder zusammenzutreffen , trennten sich die neuen Freunde . Rodrich verweilte noch einige Augenblicke , während er die seltsamen Bilder seines Lebens überflog , als ihn der Wirth höflich erinnerte , einige Stunden dem Schlafe zu geben . Er blickte um sich , und sah wie die niedergebrannte Kerze dem hereinbrechenden Tage wich . Die geleerten Flaschen , der Wein in den halbgefüllten Gläsern , alle Gegenstände im Zimmer erschienen in dem Doppellichte so bleich und verstört , ihn selbst überfiel ein leichter Frost , der ihn unangenehm aus seinem Traume weckte . Mein Gott , sagte er verdrießlich , muß mich denn der junge Morgen so kalt , so widrig anfassen , da ihm doch so warme Herzen entgegenschlagen ! Er ging verstimmt auf sein Zimmer , und eröffnete sein Gepäck , um Florio ' s Bild , daß ihm in einer Stunde wehmüthiger Erinnerungen wohl gelungen war , unter andern Zeichnungen hervorzusuchen , als ihm die wenigen Goldstücke entgegenleuchteten , die er als Früchte seines Fleißes mit hieher brachte . Er übersah den kleinen Reichthum , und fühlte schmerzlich , daß er nicht zureichen werde , die ersten nothwendigsten Bedürfnisse seiner neuen Lage zu befriedigen . Daran hatte er bis jetzt nicht einen Augenblick gedacht , und nun zog es ihn plötzlich wie mit tausend Armen in die Dunkelheit zurück . Sollte er wie ein Bettler vor seinen Freunden erscheinen , oder alle freudige Erwartungen hingebend aus dem eröffneten Paradiese fliehen ? - Er saß , die starren Blicke auf das Geld gerichtet , da , und ließ es nachläßig durch die Finger gleiten , als müsse es sich unter seinen Händen vermehren . Plötzlich rief er aus : die Schlacken gehören der niedern Erde an , dein Feuer leuchtendes Metall erhebt mich zum Himmel ! ich will nicht betteln , ich will fordern , was ich einst mit Wucher zurück zugeben denke . Er beschloß , sich Stephano ohne Rückhalt zu entdecken und warf sich getröstet und von neuen Hoffnungen belebt auf sein Lager . Die innere Bewegung ließ ihn indeß hier keine Ruhe finden . Zukunft und Vergangenheit verwirrte sich in seltsamen Erscheinungen , die ihn halb wachend halb schlafend peinlich fortrissen . Zuweilen glaubte er wieder als Hirtenknabe unter einem großen schattigen Baume zu ruhen , und mit einem langen Stabe die kleine Heerde zu überzählen , dann waren es wieder die Goldstücke , die er zählte , und in kleine Säulen vor sich hinstellte , während der Berggeist zwischen den Klippen vorüberging ; Florio wollte ihn zu ihm führen , und wie sie gingen , öffnete sich der Berg zu einem langen , dunkeln Gange . Rodrich hatte das Gold noch immer in Händen , und zählte sehr ängstlich , doch unversehens fiel ein Stück auf den Boden , und in demselben Augenblick ergoß sich ein heller Glanz an den Wänden . Er warf nun alles Gold von sich , und die Hallen wurden immer weiter und strahlender , bis er in einen reich verzierten Saal trat , in dessen Mitte ihm Eusebio den glänzenden Mantel umhing , während der Ritter und Stephano ein goldenes Schwerdt zu seinen Füßen legten . Er wollte sie umarmen , da fühlte er sich ängstlich gehalten , und als er um sich sah , lag er mit Florio in einem engen Sarge ; der Mantel bedeckte beide , das Schwerdt war ein friedlicher Hirtenstab geworden , von welchem eine schöne bleiche Frau mit heißen Thränen einen Blutstropfen abzuwaschen bemühet war . Rodrich strebte vergebens sich frei zu machen . Florio ' s kalte Wange lag an seinem Herzen , und er konnte sich mit aller Gewalt nicht von ihm losreißen . In der entsetzlichsten Anstrengung fuhr er aus dem krankhaften Schlafe empor , und erkannte Stephano , der sich theilnehmend über ihn hinbeugte , und seine Hand auf die fliegende Brust legte , um ihn zu erwecken . Ums Himmels willen ermuntern Sie sich , rief er besorgt , solch ein Schlaf ist verzehrend , streifen Sie nur schnell die schweren Wolken ab , es ist schon hoch am Tage , Ihrer erwartet heut noch mancherlei , wozu Sie Besonnenheit und Klarheit bedürfen , ihre Angelegenheiten sind eingeleitet , und alles wird gut gehen . Ins Grab , sagte Rodrich ganz verstört , dahin also - - Mein Gott , was haben Sie denn , rief Stephano ungeduldig ! Kann ein Traum Sie so erschüttern ? wie werden des Lebens Wogen Sie dann hin und herwerfen . Des Lebens Wogen ? wiederholte Rodrich , ach ich lebte ja auch , wer