jedesmal unter vielen Worten die alten Historien von seinem schweren Amte , seinen vielen juristischen Einsichten und Büchern und seiner » zweiherrigen « Wirtschaft und seinen Zwillingssöhnen Abende lang vorsinge , ohne doch je in seinem Leben mehr dabei zu verzehren als einen Hering und seinen Krug - Es führe zwar , fuhr der Wirt fort , der Schulz sehr starke hochtrabende Worte , sei aber ein Hase , der seine Frau schickte bei handfesten Vorfällen , oder er reiche eine lange Schreiberei ein ; hab ' auch ein zu nobles Naturell und könne sich über eine krumme Miene zu Tagen kränken und habe noch unverdauete Nasen , die er im Winter von der Regierung bekommen , im Magen . Nur von der Hauptsache , beschloß er , von den Söhnen , wiss ' er nichts , als daß der eine , der Spitzbube , der Flötenpfeifer Vult , im 14 1 / 2 Jahre mit einem solchen Herrn - er zeigte auf Hrn . van der Harnisch - durchgegangen ; und vom andern , der der Erbe sei , könne gewiß der Herr unten mit den schwarzen Knopflöchern die beste Auskunft geben , denn es sei der Hr . Kandidat und Schulmeister Schomaker aus Elterlein , sein gewesener Präzeptor . Der Kandidat Schomaker hatte eben in einem Makulaturbogen einen Druckfehler mit Bleistift korrigiert , eh ' er ihn dick um ein halbes Lot Arsenik wickelte . Er antwortete nicht , sondern wickelte wieder weißes Papier über das bedruckte , siegelte es ein und schrieb an alle Ecken : Gift ! - darauf überwickelte und überschrieb er wieder und ließ nicht nach , bis ers siebenmal getan und ein dickes Oktav-Paket vor sich hatte . Jetzt stand er auf , ein breiter , starker Mann , und sagte sehr furchtsam , indem er Kommata und andere Interpunktionen so deutlich im Sprechen absetzte als jeder im Schreiben : » Ganz wahr , daß er mein Schüler , und hinlänglich , erstlich , daß er so ädel ist , zweitens , daß er treffliche Gedichte , nach einem neuen Metrum , machet , so er den Streckvers nennet , ich einen Polymeter . « Bei diesen Worten fing der Flöten-Virtuose van der Harnisch , der bisher kalt die Runde um die Stube gemacht , plötzlich Feuer . Wie andere Virtuosen hatt ' er aus großen Städten die Verachtung kleiner mitgebracht - ein Dorf schätzen sie wieder - , weil in kleinen das Rathaus kein Odeum , die Privathäuser keine Bilderkabinette , die Kirchen keine Antiken-Tempel sind . Er bat verbindlich den Kandidaten um Ausführlichkeit . » Fodert meine Pflicht schon « , versetzte dieser , » daß ich morgen , bei der Heimkunft , dem Erben selber , die Eröffnung eines Vermächtnisses noch nicht eröffne , weil es erst die Obrigkeit , am Sonnabend , tuet , wieviel mehr , daß ich die ganze Geschichte eines lebenden Menschen , nie ohne seine Erlaubnis , kundtue , wieviel mehr Aber Gott , wer von uns wird die Leiche sein ! « setzt ' er dazu , da er die Stundenglocke ins Gebetläuten tönen hörte ; und griff sogleich zu einer darnebenliegenden Schlacht in der Zeitung , um dreist zu werden , weil wohl nichts den Menschen so sehr zum kalten Waghalse gegen sein Totenbette macht als eine oder ein paar Quadratmeilen , worauf unzählige rote Glieder und ein Tod nach dem andern liegt . Über diesen religiösen Skrupel-Luxus zog der Flötenist ein sehr verächtliches Gesicht und sagte - indem er ein Prisma aus der Tasche holte und vier Lichter verlangte - verdrüßlich : » Ich könnte es bald wissen , wer die Leiche sein wird ; aber ich will Ihnen , Hr . Kandidat , lieber alles erzählen aus diesem Zauberprisma , was Sie mir nicht erzählen wollen . « Er sagte , das Prisma verschließe die viererlei Wasser , welche man aus den vier Weltecken sammle , man reib ' es am Herzen warm , fordere leise , was man in der Vergangenheit oder Zukunft zu sehen wünsche , und wenn man vorher etwas vorgenommen , was er ohne Todesgefahr nicht sagen dürfte - daher das Geheimnis immer nur von Sterbenden mitgeteilet werde oder auch von Selbstmördern - , alsdann entstehe in den viererlei Wassern ein Nebel , dieser ringe und arbeite , bis er sich in helle Menschengestalten zusammengezogen , welche nun ihre Vergangenheit wiederholen oder in ihrer Zukunft oder auch Gegenwart spielen , wie man es eben gefordert . Der Schulmeister Schomaker erhielt sich noch ziemlich gleichgültig und fest gegen das Prisma , weil er wußte , ihm habe , wenn er bete , kein Teufel viel an . Van der Harnisch zog seine Taufdecke aus der Tasche und sie sich über den Kopf und war darunter rege und leise ; endlich hörte man das Wort : Schomakers Stube . Jetzt warf er sie zurück , starrete erschrocken in das Prisma hinein und beschrieb laut und eintönig jede Kleinigkeit , die in dessen stillem Zölibats-Zimmer war , von einer Druckerpresse an bis auf die Vögel hinter dem Ofen , ja sogar bis auf die Maus , die eben darin umherlief . Noch immer stiegen dem Kandidaten wenig oder keine Haare zu Berge ; als aber der Seher sagte : » Irgendein Geister-Schatte in der leeren Stube hat Ihren Schlafrock an und spielt Sie nach und legt sich in Ihr Bette « - so überlief es ihn sehr kalt . » Das war etwas Gegenwart von Ihnen « , sagte der Virtuose ; » nun einige wenige Vergangenheit , und dann soviel Zukunft , als man braucht , um zu sehen , ob Sie etwan die diesjährige Leiche werden . « Umsonst stellte ihm der Kandidat das Unmoralische der Rück- und Vor-Seherei entgegen ; er versetzte , er halte sich ganz an die Geister , die es ausbaden möchten , und fing schon an , im Prisma zu sehen , daß der Kandidat als junger Mensch eine Frühpredigers-Stelle und eine Ehe