, und ihres ganzen Zutrauens genießt , bald nach ihrer Geburt überlassen , weil sie damals ihrem Gemahl nachreisen mußte , der gefährlich verwundet war , und den sie keiner fremden Pflege überlassen wollte . Sie verließ ihn nun nicht wieder , begleitete ihn sowohl auf seinen Feldzügen , als auf seinen Reisen , da er an verschiedenen Höfen als Gesandter stand . Unterdessen erreichte Juliane beinahe ihr vierzehntes Jahr bei der Tante , und verehrt sie als Mutter . « - » Doch muß die Gräfin Clementina dem Bilde nach noch sehr jung sein , obgleich der Idee und dem Kostüm zufolge , sie älter sein müßte . « - » Sie haben recht , doch ist sie in der Tat nicht mehr jung , sie ist älter als die Gräfin Eleonora , dieses Bild aber ist eigentlich die Kopie eines Gemäldes , das in ihrer Jugend ist gemacht worden . Sie ward damals als heilige Cäcilia gemalt ; sowohl dieses Bild , das sie dem Grafen auf sein Bitten malen zu lassen erlaubte , um ein Denkmal der Zeit zu stiften , in der sie Julianens Lehrerin war , als das , welches unter den andern Familiengemälden in der Galerie hängt , und auch das Miniaturbild , das Juliane an ihrer Brust trägt , sind Kopien nach dieser Cäcilia , welche von einem schon verstorbenen fremden Künstler gemalt ward ; seinen Namen weiß ich nicht . Die Tante war nie dazu zu bewegen noch einmal einem Maler zu sitzen . Merkwürdig ist es , wie diese Bilder alle noch der Gräfin Clementina ähnlich sind , obgleich es schon vielleicht dreißig Jahre her sein mag , daß sie gemalt ward , und ein tiefer Gram in ihren Gesichtszügen gewütet hat . « - » Gut , daß mich Ihre gütige Ausführlichkeit warnte « , rief Florentin lachend ; » war ich doch in Gefahr mich in diese heilige Anna , und das in meinem Leben zum ersten Male ernstlich zu verlieben . Bald wäre ich ausgezogen , nach echter Rittersitte , das Original zu meinem Gemälde zu finden , und hätte es dann auch wirklich gefunden ... in einer ehrwürdigen Matrone . « - » Haben Sie wirklich noch nie ernstlich geliebt , so verdienen Sie ein solches Schicksal . Ich werde Sie bei den Frauen für diesen Frevel hart anklagen . « - » Wagen Sie es nicht . Sie könnten sich selbst eine Strafe für Ihre Verräterei zuziehen . « - » Ich wage nichts , man wird es Ihnen nie verzeihen , sich von einem Gemälde haben hinreißen zu lassen , da Sie die Gegenwart der schönen Frauen selbst so ruhig läßt . « - » Nun auch dafür müssen Sie nicht gut sagen ; doch im Ernst , das Gemälde hat mich bewegt , und ich stehe mit wahrer Andacht davor . Guter Eduard ! ich hoffe Sie fühlen es , wie glücklich Sie sind , und wie wenigen es vergönnt wird , eine solche Jugend zu haben ! « - Eduard schien bewegt , und sie gingen beide schweigend hinunter zur Gesellschaft . Viertes Kapitel So verstrich ein Tag nach dem andern . Man kann sich keine angenehmere Lebensweise denken , als die auf dem Schlosse geführt ward . Ein Vergnügen reihte sich an das andere ; Tanz , Musik , Jagd und Spiel wechselte lustig ab , und in der Einsamkeit suchte jeder nur die Ruhe , um sich zu neuen Ergötzlichkeiten zu bereiten . Die Liebenden erwarteten beide den Tag ihrer Vermählung sorglos und fröhlich , es stellte sich ja nichts ihren Wünschen entgegen ; doch mit ganz verschiedenen Empfindungen . Eduard hatte eine peinigende Ungeduld Julianen ganz die Seinige zu nennen ; er liebte sie mit der ungestümen Heftigkeit des Jünglings ; er dachte , er träumte nichts als den Augenblick , sich im ungeteilten ungestörten Besitz der schönen Geliebten zu sehen ; seine Phantasie lebte nur in jenem so heiß ersehnten Moment , alles Leben bis dahin würdigte er nur als Annäherung zu jener Zeit , wie der Gefangne , der der bestimmten Befreiung entgegensieht . Von dieser Ungeduld begriff Juliane nichts . Mit aller Innigkeit ihres reinen Herzens liebte sie ihn ; niemand war ihr jemals liebenswürdiger erschienen ; sie gab sich ihm gern , sie war von jeher schon mit der Idee vertraut , und hatte es als ihr Schicksal ansehen gelernt ihm anzugehören . Aber den Tag erwartete sie mit großer Ruhe ; klopfte auch ihr Herz stärker bei dem Gedanken , so war es mehr eine bängliche Ahndung , die furchtsame Scheu des sittsamen Mädchens , als die Erwartung eines größern Glücks ; sie ahndete kein größeres Glück , als daß es immer so bliebe , wie es war , es fehlte ihr so gar nichts . Sie nahm an allem den gewöhnlichen Anteil , hatte die immer gleiche , besonnene Aufmerksamkeit auf die Gesellschaft , Eduard mochte zugegen sein , oder nicht . Sie war also nicht so beschäftigt , daß sie nicht hätte wahrnehmen sollen , welchen Eindruck ihre Schönheit auf Florentin gemacht hatte . Er hatte die allgemeine Aufmerksamkeit erregt . Es schmeichelte der Eitelkeit des Mädchens , die seinige auf sich zu ziehen ; es interessierte sie kindisch , den stolzen Mann zu beherrschen . Ohne es sich bewußt zu sein , und sich ganz der fröhlichen Stimmung hingebend , zog sie ihn mit einer feinen , ihr natürlichen Koketterie an . Florentin fand sie immer schön , reizend , liebenswürdig , es ergötzte ihn , sie so eifrig bemüht und beschäftigt um ihn zu sehen , und die kleinen Schelmereien des jungen Herzens zu belauschen ! Daß er aber gleich am ersten Abend so mit sich zu Rate gegangen war , schützte ihn gegen jeden tiefern Eindruck . Auch war es ihm nicht entgangen , daß sie willens war , ihn zum Spiel ihrer Eitelkeit zu machen , und nichts konnte so seine Phantasie zügeln , als wenn er irgendeine Absicht