und verbarg mein Gesicht in die Kissen . Lange spielte ich so den Beleidigten , hoffend , sie würde mich durch irgend etwas zu versöhnen suchen ; aber als ich endlich wieder aufblickte , sah ich das Zimmer leer , und bald darauf , statt ihrer , Heinrich hereintreten . Sechstes Kapitel » Was willst du ? « - rief ich ihm ärgerlich entgegen - » doch wohl nicht den Krankenwärter machen ? « » In der That , das war meine Absicht ! « - sagte er , indem er mich mit seinen großen redlichen Augen unbeschreiblich theilnehmend ansah . » Du begreifst aber , « - fuhr ich ungeduldig fort - » daß das nicht angeht . - Sollen wir der guten Person zwey Menschen statt Einem aufbürden ? « Er . Sie hat mich aber selbst darum gebeten . Ich . Wer ? Er . Mlle. R. » Ich will nach Hause ! ich will nach Hause ! « - rief ich , von Fieberhitze glühend - und in dem Augenblicke trat Sophie herein . » Mein Gott ! was ist denn vorgefallen ? « - fragte sie erschrocken . » Ich will nach Hause ! « - rief ich abermals - » Sie haben keine Zeit , mich zu warten ! jetzt ist es auch einerley , ob ich genese ! « - Das Fieber nahm zu , und von nun an wußte ich nicht mehr , was mit mir vorgieng . Einst dünkte mich , ich erwache von einem langen schmerzhaften Traume . Da sah ich Sophien schlummernd an meiner Seite sitzen . Ihr Kopf hatte keinen Ruhepunkt und wollte so eben auf eine scharfe Ecke des Bettes sinken , als ich ihn leise mit meinem Arme auffing . Aber in dem Augenblicke fühlte ich einen so lebhaften Schmerz , daß ich nur mit der äußersten Anstrengung einen lauten Schrey zurückhalten konnte . Ich bemerkte Binden an meinen Armen , sah eine Menge Flaschen und Schachteln auf dem Tische , und fing an zu muthmaßen : daß das Alles wohl mehr als ein Traum seyn könnte . Die Uhr schlug zwey , das Nachtlicht brannte sehr dunkel ; aber ich konnte demohngeachtet eine große Veränderung in Sophiens Gesichte wahrnehmen . Die schöne Ruhe war aus ihren Zügen verschwunden , und ein leidenschaftlicher Gram schien an die Stelle derselben getreten zu seyn . » Große , liebenswürdige Seele ! « - dachte ich - » bin ich es ? - hast du um mich getrauert ? - Ach so war deine Ruhe auch nur Täuschung , und so vermag der Gram über dich , was er über uns alle vermag ! - Was werde ich hören müssen ! - Wie viel magst du für mich gelitten haben ! « - Siebentes Kapitel » Ah ! bin ich doch eingeschlummert ! « - sagte sie , als sie von einem Zucken meines Armes erwachte , und suchte ihre Verwirrung zu verbergen . » Aber , meine theure Sophie ! « - fiel ich ein , indem ich auf die Flaschen zeigte - bin ich denn wirklich so krank gewesen ? « Sie . Leider mehr , als Sie wissen und glauben werden . Ich . Aber sagen Sie mir doch .... Sie . Ihr Freund Heinrich wird Ihnen alles erzählen . Er ist hier im Nebenzimmer . Erlauben Sie , daß ich ihn rufe . Ich werde den Augenblick wieder bey Ihnen seyn . Jetzt nun sagte mir Heinrich , daß ich nicht die Masern , aber ein sehr heftiges Brustfieber gehabt , fortwährend phanthasirt , und Marien mit lauter Stimme gerufen hätte . Daß Sophie die Einzige gewesen sey , die sich mir habe nahen dürfen , und daß ihre Gesundheit von den vielen Nachtwachen außerordentlich gelitten habe . » Demohngeachtet , « - setzte er hinzu - ist sie mild und thätig geblieben . Marie hatte die Gestalt , diese hat das Herz eines Engels ! » Welche würdest du vorziehen ? « - rief ich , indem ich schnell seine Hand ergriff . Er . Sonderbare Frage ! was meynen Sie damit . Ich . Nun welche würdest du zur Gattin wählen ? Er . Sophie auf keinen Fall ! Ich . Was ! Er . Und darüber wundern Sie sich ? - Ich . Mit Recht . Sagtest du nicht eben : sie habe das Herz eines Engels ? und was findest du Tadelhaftes an ihrer Gestalt ? Er . Nichts . Sie vergessen aber , daß sie wenigstens zehn Jahr älter ist , als ich . Ich . Was macht das ? Er . Sehr viel ! - Alles ! - nach wenigen Jahren würden wir beyde elend seyn . » Geh ! Geh ! « - rief ich , und riß meine Hand aus der seinigen . - Laß mich ruhn ! ich will schlafen . Er ging . Wehmüthig sah ich ihm nach . » Ach , daß er immer Recht haben muß ! « - dachte ich , und sank auf mein Kissen . Achtes Kapitel Jetzt kam Sophie . Ich hatte nicht den Muth die Augen aufzuschlagen . Mich dünkte , sie könne in meiner Seele lesen . - Ach , wie ich mit mir selbst kämpfte ! - eine unwiderstehliche Kraft zog mich hin zu ihr , eine Andere stieß mich zurück . Ihre Stimme hatte etwas unbeschreiblich Rührendes ; und ich fragte nach verschiedenen Kleinigkeiten , blos um sie sprechen zu hören . Sie schien nicht ruhiger , als ich , und vermied absichtlich die Gelegenheit , mir näher zu kommen . » Aber , meine theure Sophie ! « - hub ich endlich an - » Soll mit meiner Krankheit denn mein ganzes Glück verschwinden ? - wollen Sie sich mir nun gar nicht mehr nahn ? « - Sie wollte antworten ; aber die Empfindung schloß ihr den Mund . Mit einer unterdrückten Thräne im Auge reichte sie mir die Hand . War sie