in ’ s Gesicht gelacht . “ Franziska wandte sich ab , um das verrätherische Zucken ihrer Mundwinkel zu verbergen , als sie sich ihren Gemahl in der eben geschilderten Situation vergegenwärtigte , wenn sie auch um keinen Preis zeigen wollte , wie unendlich komisch sie ihr vorkam . „ Du weißt nichts als spotten ! “ entgegnete sie ärgerlich . „ Und sogar der Landrichter sagt – “ „ Schweige mir von dem Landrichter ! Er vergilt die Gastfreundschaft , die er so oft hier in Dobra genießt , auf höchst abscheuliche Weise , indem er überall Verleumdungen , zumal über Dich , ausstreut . Er behauptet öffentlich , Du commandirtest ganz Dobra , mich mit eingerechnet . “ Franziska , die bei den ersten Worten sich sehr kampfbereit aufgerichtet hatte , ließ jetzt beruhigt den Kopf wieder sinken . „ So ? Das ist also die ganze Verleumdung ? “ „ Ich hoffe , Du bist äußerst entrüstet darüber . “ Die Gefragte stieß einen kläglichen Seufzer aus . „ Ich wollte , er hätte Recht ! Du lieber Himmel , ich einen Mann commandiren , der mit jedem Tage unserer Ehe den Despoten mehr herauskehrt ! Wenn ich sehe , wie Lucie diesen starren eigenwilligen Bruno mit einem einzigen Blicke lenkt – “ „ Ich finde , es wird wirklich Zeit , daß Lucie jetzt heirathet ! “ unterbrach sie Günther lächelnd . „ Bruno verdirbt mir sonst mit seiner überspannen Leidenschaft noch den ganzen Hausfrieden . Du ziehst fortwährend Vergleiche , und wenn es auch fraglos ist , daß dieselben stets zu meinem Vortheil ausfallen müssen , so sind sie doch bisweilen etwas unbequem . “ Frau Franziska schien diese letzte Bemerkung ihres Gatten überhören zu wollen . „ Ich habe es nie für möglich gehalten , daß Lucie sich so entwickeln könnte , wie es in diesen drei Jahren der Fall gewesen ist ! “ sagte sie ernster . „ Es ist kaum zu glauben , was er aus ihr gemacht hat und mit welcher Hingebung sie an diesem düstern Manne hängt . Freilich , sie vermag Alles über ihn , und er wird ja jetzt überall als etwas Großartiges und Unerreichbares gepriesen , aber – “ „ Aber Dein Geschmack wäre er nicht ! “ ergänzte Bernhard wieder neckend . „ Sehr begreiflich , da Du mich vorher kanntest . Also gönne ihn Lucien immerhin und tröste Dich mit der unumstößlichen Thatsache , daß Du jedenfalls den besten Mann von Euch Beiden besitzest . “ Das war für Franziska zu viel , sie sprang heftig auf . „ Bernhard , ich glaube , Du bist im Stande , Dir im vollen Ernste Dergleichen einzubilden ! Uebrigens wollte ich Dich bei Gelegenheit des morgenden Festes doch einmal fragen , wer von uns Beiden damals Recht hatte in Bezug auf Luciens sogenannte Liebe zu dem Grafen , die Du so bestimmt behauptetest und die ich so entschieden in Abrede stellte . “ „ Du hattest Recht , liebe Franziska , wie Du ja überhaupt immer Recht hast – wohin willst Du denn auf einmal ? “ „ Aus Deiner Nähe ! Wenn Du anfängst , Complimente zu machen , kann ich stets auf irgend eine kleine Bosheit gefaßt sein . Aber ich wiederhole es Dir , Bruno ist heute zu nichts Vernünftigem fähig ; also mache Dich fertig und fahre an seiner Statt nach E. hinüber . Ich kann nicht all die Last und Sorge auf mich allein nehmen ; Du kannst mir auch dabei helfen ! “ Mit diesen etwas dictatorischen Worten eilte Frau Franziska hinab in die Wirthschaftsräume , während Bernhard wirklich aufstand , seine Zeitungen im Stiche ließ und sich als gehorsamer Ehemann anschickte , den Anordnungen seiner Frau Gemahlin nachzukommen . – Es war am zweiten Tage nach der soeben geschilderten Scene , noch sehr früh am Morgen , als ein leichter offener Wagen auf dem Fahrwege hielt , der nach dem Gebirgsdorf N. hinaufführte . Die Insassen des Wagens waren ausgestiegen , um den Rest des Weges zu Fuße zurückzulegen und unbemerkt das Pfarrhaus zu erreichen , wo sie schon erwartet zu werden schienen , denn Pfarrer Clemens empfing sie bereits an der Thür . Der Greis war noch müder und hinfälliger geworden während dieser letzten Jahre , und sein ganzes Aussehen verrieth , daß ihm die fernere Lebensdauer nur auf Monate , vielleicht nur auf Wochen noch zugemessen war . Er hatte schon längst sein Amt in die Hände eines Caplans niederlegen müssen , und wenn man ihn dem Namen nach noch im Besitze seiner Pfarre ließ und ihm noch einige leichte Amtshandlungen gestattete , so verdankte er diese Vergünstigung nur seinem langjährigen Wirken und der Anhänglichkeit seiner Gemeinde , die von ihrem alten , treu bewährten Seelsorger nicht lassen wollte , vielleicht auch dem Umstande , daß es nicht Viele gab , die sich zu dieser dürftigen Stellung gedrängt hätten . Es war wohl nicht bloßer Zufall , daß dieser Besuch gerade jetzt stattfand , wo der Caplan auf einige Tage abwesend war . In dem Studirzimmer , wo sich sonst täglich die kleine , runde und wohlgenährte Figur dieses Herrn bewegte , dem gutes Essen und Trinken über Alles ging , und der jedesmal seufzte , wenn [ 271 ] irgend eine priesterliche Verrichtung ihn hinausrief , stand jetzt die hohe Gestalt seines Vorgängers . Bruno hatte sich wenig verändert , nur ernster , ruhiger war er geworden , die düstere Gluth des jungen Mönches , dessen Inneres sich so leidenschaftlich gegen die Fesseln seines Standes aufbäumte , war der Festigkeit des Mannes gewichen , der sich bereits im Kampfe mit dem Leben versucht hatte . Die dunklen Locken bedeckten dicht und üppig auch jene Stelle des Hauptes , die einst die Tonsur getragen , und damit schien auch der letzte Rest des Mönchthums abgestreift von der stolzen Erscheinung , der man es nicht mehr ansah , daß sie sich einst im Ordensgewande mit den vorgeschriebenen Zeichen äußerer