aber über seine Lippen kam kein Wort , er deutete nur stumm auf den Verband am Arme . » Eine Kleinigkeit « , erwiderte sie , indem sie auf einen Stuhl wies , » nichts weiter als eine winzige Wunde , entstanden durch das Instrument des Arztes , der etwas Blut für die Herzogin brauchte . Kommen wir nun zur Sache , Baron ! « » Und das sagen Sie , als ob es so gar nichts wäre ? « rief er außer sich . » Wissen Sie , daß das gleichbedeutend sein kann mit dem Tode ? « » Sie vergessen , daß eine Autorität die Operation leitete , und – wenn auch – « » Sie haben freilich auch so gar niemand auf der Welt , dem Sie Schmerz bereiten würden , keinen , den Sie vorher fragen mußten : › Darf ich es tun ? Habe ich das Recht , meine Gesundheit , möglicherweise mein Leben , aufs Spiel zu setzen ? ‹ « » Doch « , erwiderte sie , » einen habe ich – Joachim – aber es war keine Zeit dazu . « » Joachim ! « wiederholte er mit der nämlichen Bitterkeit . » Ich , der ich eben um Ihr Leben gebeten hatte für mich , für mein Kind , ich war Ihnen keines Gedankens wert ! « Ihr war es plötzlich , als erfasse sie ein Schwindel , und sie ließ sich erschöpft in den Sessel nieder , neben dem sie gestanden hatte . » Ich wollte ja mit Ihnen darüber reden « , begann sie wieder und sah an ihm vorbei , » ich versprach es der Herzoginmutter . Es soll nicht lange dauern . Sie sind so unsagbar großmütig , Vetter – ich weiß in der Tat nicht , wie ich Ihnen danken soll . Ich könnte es eigentlich nur , indem ich Ihre Großmut zurückweise und – « Er stand unbeweglich und sah sie an . » Und das würde heißen « , fuhr sie fort , » ein Mittel zurückweisen , welches einer Schwerkranken das Leben etwas verlängern könnte . So sagt die Herzoginmutter . Ich darf es also nicht . Vergeben Sie mir ! Aber ich mache Ihnen einen Vorschlag : verlobt sein , heißt nicht verheiratet sein . Wenn die Herzogin genesen sollte , so – so gehen wir auseinander , wenn sie sterben sollte – natürlich ebenfalls , es gilt ja nur ein Beruhigungsmittel , es ist ein wenig gewaltsam , ich weiß , aber – eine Verlobung ist nur ein Versprechen , und bekanntlich werden nicht alle Versprechen gehalten . Gott weiß , wie oft es geschehen mag , daß zwei sich trennen vor der Ehe , es ist keine Schande – ich – ich – « Sie hatte rasch und immer rascher gesprochen . Jetzt lehnte der blonde Kopf schwach und mit geschlossenen Augen an den Polstern . Er war näher getreten , in seinem Gesichte zuckte es seltsam . » Ich « , begann sie wieder , » ich werde nicht fort können von hier , aber Sie , Lothar , Sie sind frei . Sie finden nach der leider nicht zu umgehenden Veröffentlichung der Verlobung leicht einen Grund , um in irgendeinen fernen Weltwinkel zu gehen , bis – « und sie richtete sich plötzlich empor – » ich spreche dies nicht für mich , bei Gott nicht ! Was liegt an mir ? Mein reines Gewissen genügt mir vollkommen – aber die Ärmste dort drüben – begreifen Sie , Lothar ? « » Wir sollen also ein wenig Komödie spielen ? « fragte er . » Nicht lange ! Nicht lange ! « flüsterte sie , während ihre Augen ihn , wie um Verzeihung bittend , ansahen . Er ergriff plötzlich ihre Rechte mit einer ungestümen leidenschaftlichen Bewegung . » Es sei « , sagte er , » aber Sie sind krank , und vor allem , ehe die Komödie beginnt – « » Lassen Sie sie gleich beginnen « , bat sie , » gehen Sie zur Herzoginmutter und melden Sie , daß ich Ihnen mein Jawort gab . Indessen rüste ich mich zur Heimfahrt . Ich bin so müde , so sterbensmüde . « » Ich werde gehen « , sagte er ruhig , » und Sie werden sich legen , Sie werden nicht nach Hause fahren . « » Ich werde es doch ! « rief sie heftig , » vergessen Sie nicht , daß es eben nur eine Komödie ist , daß Sie sowohl wie ich unseren eigenen Willen vollkommen behalten ! « Er bezwang sich und ging . Klaudine starrte ihm nach wie im Traume . Sie fühlte ihre Kräfte schwinden , fühlte sich so schwach und gedemütigt ! Am liebsten hätte sie sich den Verband vom Arme gerissen und ihr Leben mit dem Blute dahinfließen lassen . Es ward ihr so sonderbar mit einemmal vor Augen , so rot wie Blut , so schwebend und so wogend , als ob ihr Stuhl zu wanken beginne . Sie wollte sich an der Lehne festhalten und griff in die Luft . » Halt ein ! « flüsterte sie , aber in rasendem Wirbel drehte es sich um sie , sie fühlte sich wie hochgehoben , dann empfand sie nichts mehr . Die Schwester , die auf Befehl des Arztes hinübergeschlichen war , fand Klaudine bewußtlos . Mit der lautlosen Sorgfalt ihres Berufes holte sie Hilfe und legte die Ohnmächtige auf den Liegestuhl , wo sie bald wieder zu sich kam . » Es ist nur Erschöpfung , Herr Baron « , sagte der Medizinalrat , den Lothar geholt hatte . » Nichts weiter . Lassen Sie die Kranke ganz ungestört , morgen wird sie wohl und frisch sein . Ich bitte Sie , bei solcher Jugend und Kraft ! Fahren Sie ruhig nach Neuhaus , lieber Baron ! « Herr von Gerald schärfte der Kammerjungfer ein , die Schwester zu rufen , falls ihr bei