, zog uns zueinander hin . Und das soll ein Verbrechen sein ! Ich schied von meinem Onkel , ohne mich zu einer Verteidigung meiner Handlungsweise herbeizulassen , wie er wohl gehofft hatte . Nur sagte ich ihm , daß ich die Scheidung beantragen und demzufolge mit meinem Anwalt schon morgen sprechen würde . Er stutzte einen Augenblick , und den Eklat fürchtend , schlug er mir eine längere Trennung von meiner Frau vor : sie könne unter dem Vorwande ihrer wankenden Gesundheit längere Zeit auf Reisen gehen , und die Gemüter würden sich dann vielleicht beruhigen . Später sei eine Versetzung in eine andere Garnison möglich , und Ruth werde mir die Täuschung vergeben und ruhiger werden . » Ich habe Ruth nicht getäuscht « , sagte ich , » sie hat mir gar nichts zu vergeben . Ich habe nichts dagegen , wenn sie verreist , kann aber leider den einmal gefaßten Entschluß der Scheidung nicht zurücknehmen , da ich in meiner Ehe zu der festen Überzeugung gelangt bin , daß unser Verhältnis nicht besser , wohl aber immer unglücklicher werden wird . Es ist also das beste für Ruth , das beste für mich , und ich tue , wie gesagt , morgen den ersten Schritt in dieser Angelegenheit . « » Gut « , sagte mein Onkel und verbeugte sich , aber er war leichenblaß dabei . » Ich will nicht hindernd in den Gang dieser traurigen Geschichte eingreifen . Ich werde veranlassen , daß meine Tochter abreist , und werde meinerseits ebenfalls meinen Rechtsanwalt beauftragen – und somit hätten wir uns für jetzt nichts mehr zu sagen , sollt ' ich meinen ? « – » Nichts , Onkel « , sagte ich , nahm meine Mütze und ging . Was nun folgt , kennst Du . Ich brachte Dir mein Kind , die Scheidung wurde eingeleitet , und an jenem Tage , vorgestern , als meine Tante Dir das Kind abnehmen wollte , hatten Ruth und ich morgens die letzten Termine , zuerst bei dem Prediger , der auch unser Kind getauft hatte , dann vor Gericht . Ich trat schweren Herzens in das Zimmer des alten Geistlichen . Es war zwar nur eine leere Formalität zu erfüllen , aber gerade diese formelle Notwendigkeit ist unter Umständen äußerst peinlich . – Kaum hatte ich Zeit gehabt , den würdigen Herrn zu begrüßen , als ein Wagen vorfuhr und gleich darauf die Frau v. Eberhardt hereinrauschte , so schön , so frisch und mit so strahlendem Lächeln , als ob sie einen freundschaftlichen Besuch machen wollte . » Ah , guten Tag , mein Freund ! « rief sie mir in vollkommen unbefangenem Tone zu , begrüßte den Geistlichen , sprach in seine wirklich ergreifende Rede hinein und klappte ihr Sonnenschirmchen auf und zu . Zuletzt gähnte sie ganz herzhaft , indem sie in echt wienerischem Dialekt , den sie manchmal bei besonders guter Laune annahm , bemerkte : » Ja , schaun ' s , Hochwürden , das ist alles recht schön , ' s hilft aber doch nicht , ' s bleibt alles beim alten . Wir haben halt beide keine Lust mehr zueinander – gelt , Eberhardt ? « » Und Ihr Sohn ? « fragte ganz entrüstet über diese leichtfertige Äußerung der Geistliche . » Wollen Sie das Kind , das Gott Ihnen anvertraut hat , nicht lieber unter dem Schutz beider Eltern aufwachsen sehen ? Soll das Kind den Segen eines geordneten Familienlebens entbehren ? Oh , überlegen Sie ! « » Ei , mein Sohn wird von seinem Vater mehr geliebt , als es zehn Mütter imstande wären . Höchstens kann ' s ihm schaden , wenn er sieht , daß von den Eltern eins nach hier strebt , das andere nach dort – es ist besser so . « Sie stand auf und legte ihre Hand auf den Arm des Geistlichen , der sie ganz entrüstet betrachtete . » Leben Sie wohl , Hochwürden ! Haben Sie Dank für Ihre Mühe ! Ich muß jetzt noch einige Besorgungen machen und nachher ist noch Termin – auf Wiedersehen , mein Freund ! « nickte sie mir zu , machte ihre graziöse Verbeugung und war aus der Tür . Der alte Mann stand da mit einem Gesicht , aus dem Ärger und Besorgnis zugleich sprachen . Er hatte gewiß schon manches Ehepaar in dieser Situation vor sich gehabt , hatte schon schmerzliche Reue und häßliche Verstocktheit dabei kennengelernt , aber diese Auffassung war ihm gewiß noch nicht vorgekommen . Er drückte mir nach ein paar Augenblicken des Schweigens die Hand und sagte leise : » Es ist besser so , mein Herr , sie hat recht . « – Vor Gericht ging es ungefähr ebenso . Mein Anwalt beanspruchte das Kind für mich , und sie war sofort bereit – doch das weißt Du ja . Als ich vorgestern nach minutenlanger , schweigender Fahrt neben meiner Tante durch den Korridor des Schlosses schritt , um in das Zimmer meines Onkels zu gelangen , hörten wir Klavierspiel – eine Masurka , so exakt , so schwungvoll , wie eben nur Ruth diesen reizenden polnischen Tanz zu spielen versteht . Ich sah sie im Geiste dasitzen mit blitzenden Augen und dem bezaubernden Lächeln um den kleinen Mund . Frau v. Bendeleben blieb unwillkürlich stehen und preßte die Hand gegen die Brust . Sie war leichenblaß , dann fragte sie den alten Johann , der uns entgegenkam , seit wann die junge Frau zurückgekehrt sei und ob Besuch im Saale wäre . Aber noch ehe der Diener antworten konnte , verstummte das Klavierspiel , und Ruths glockenhelle Stimme trällerte eines jener kleinen französischen leichtsinnigen Chansons , die in heiterer Gesellschaft aus dem Munde einer schönen Frau geradezu berauschend wirken , mit diesen Verhältnissen aber häßlich kontrastierten . Ein langer Triller , der wie schalkhaftes Lachen klang , beschloß den Gesang . Ich kannte dieses Lied zur Genüge , Ruth hatte es oft in