Ohr : » Schaffranek ! « Es durchfährt ihn wie ein Blitz . Er murmelt etwas , streicht sich sinnend über die Stirn . » Verstehen Sie mich , Herr Schaffranek ? « Er nickt . » Passen Sie mal gut auf ! Ich möchte Sie etwas fragen , aus alter Zeit . Wenn Sie mir alles gut beantworten , bekommen Sie den Gulden , den ich hier auf den Tisch lege . « » Gulden « , wiederholt der Greis und fängt sofort an , wie ein Rasender auf seiner zirpenden Spieldose zu kurbeln . Ich halte seine Hand fest : » Denken Sie einmal nach ! - Haben Sie nicht vor etwa 33 Jahren einen Gemmenschneider namens Pernath gekannt ? « » Hadrbolletz ! Hosenschneider ! « - lallt er asthmatisch auf und lacht übers ganze Gesicht , in der Meinung , ich hätte ihm einen famosen Witz erzählt . » Nein , nicht Hadrbolletz : - - Pernath ! « » Pereles ? ! « - er jubelt förmlich . » Nein , auch nicht Pereies . - Per-nath ! « » Pascheies ? ! « - er kräht vor Freude . - - Ich gebe enttäuscht meinen Versuch auf . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - » Sie wollten mich sprechen , mein Herr ? « , - der Markör Ferri Athenstädt steht vor mir und verbeugt sich kühl . » Ja . Ganz richtig . - Wir können dabei eine Partie Billard spielen . « » Spielen Sie um Geld , mein Herr ? Ich gebe Ihnen 90 auf 100 vor . « » Also gut : um einen Gulden . Fangen Sie vielleicht an , Markör . « Seine Durchlaucht nimmt das Queue , zielt , gickst , macht ein ärgerliches Gesicht . Ich kenne das : er läßt mich bis 99 kommen , und dann macht er in einer Serie » aus « . Mir wird immer kurioser zumute . Ich gehe direkt auf mein Ziel los : » Entsinnen Sie sich , Herr Markör : vor langer Zeit , etwa in den Jahren , als die steinerne Brücke einstürzte , in der damaligen Judenstadt einen gewissen - Athanasius Pernath gekannt zu haben ? « Ein Mann in einer rotweißgestreiften Leinwandjacke , mit Schielaugen und kleinen goldenen Ohrringen , der auf einer Bank an der Wand sitzt und eine Zeitung liest , fährt auf , stiert mich an und bekreuzigt sich . » Pernath ? Pernath ? « wiederholt der Markör und denkt angestrengt nach - » Pernath ? - War er nicht groß , schlank ? Braunes Haar , melierten kurzgeschnittenen Spitzbart ? « » Ja . Ganz richtig . « » Etwa 40 Jahre alt damals ? Er sah aus wie - - « , Seine Durchlaucht starrt mich plötzlich überrascht an . - » Sie sind ein Verwandter von ihm , mein Herr ? ! « Der Schieläugige bekreuzigt sich . » Ich ? Ein Verwandter ? Komische Idee . - Nein . Ich interessiere mich nur für ihn . Wissen Sie noch mehr ? « , sage ich gelassen , fühle aber , daß mir eiskalt im Herzen wird . Ferri Athenstädt denkt wieder nach . » Wenn ich nicht irre , galt er seinerzeit für verrückt . - Einmal behauptete er , er hieße - warten Sie mal , - ja : Laponder ! Und dann wieder gab er sich für einen gewissen - Charousek aus . « » Kein Wort wahr ! « fährt der Schieläugige dazwischen . » Den Charousek hat ' s wirklich gegeben . Mein Vater hat doch mehrere 1000 fl . von ihm geerbt . « » Wer ist dieser Mann ? « , fragte ich den Markör halblaut . » Er ist Fährmann und heißt Tschamrda . - Was den Pernath betrifft , so erinnere ich mich nur , oder glaube es wenigstens - daß er in späteren Jahren eine sehr schöne , dunkelhäutige Jüdin geheiratet hat . « » Mirjam ! « sage ich mir und werde so aufgeregt , daß mir die Hände zittern und ich nicht mehr weiterspielen kann . Der Fährmann bekreuzigt sich . » Ja , was ist denn heute mit Ihnen los , Herr Tschamrda ? « , fragt der Markör erstaunt . » Der Pernath hat niemals nicht gelebt « , schreit der Schieläugige los . » Ich glaub ' s nicht . « Ich schenke dem Mann sofort einen Kognak ein , damit er gesprächiger wird . » Es gibt ja wohl Leut ' , die sagen , der Pernath lebt noch immer « , rückt der Fährmann endlich heraus , » er is , hör ' ich . Kammschneider und wohnt auf dem Hradschin . « » Wo auf dem Hradschin ? « Der Fährmann bekreuzigt sich : » Das ist es ja eben ! Er wohnt , wo kein lebender Mensch wohnen kann : an der Mauer zur letzten Latern . « » Kennen Sie sein Haus , Herr - Herr - Tschamrda ? « » Nicht um die Welt möcht ' ich dort hinaufgehen ! « , protestiert der Schieläugige . » Wofür halten Sie mich ? Jesus , Maria und Josef ! « » Aber den Weg hinauf könnten Sie mir doch von weitem zeigen , Herr Tschamrda ? « » Das schon « , brummte der Fährmann . » Wenn Sie warten wollen bis 6 Uhr früh ; dann geh ' ich zur Moldau hinunter . Aber ich rat Ihnen ab ! Sie stürzen in den Hirschgraben und brechen Hals und Knochen ! Heilige Muttergottes ! « - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Wir gehen zusammen durch den Morgen ; frischer Wind weht vom Flusse