Ludwig las . Dunkel fuhr ihm der Zorn ins Gesicht . » Ach , guck doch ! Die schöne Else rührt ihre weißen Muhmenhände ! Die will wohl meinen Mist auf ihres Bruders Acker fahren ? « Er warf das Pergament auf den Tisch und ging mit jagendem Schritt durch die Stube . » Da muß man zuvorkommen . « » Seid bedächtig , Herr ! Was der Brief da meldet , muß uns wachsam machen . Das geb ich zu . Aber schwören möcht ich , daß der Zollern von diesem Kunkelspiel in seiner Frauenstube keine Kenntnis hat . Seit dem Herbste ist er in seiner Brandenburger Mark - « » Die er von unserm Haus gerissen ! « » Nein , Herr ! Die der König ihm verliehen hat für treue Dienste . Der Zollern hat immer zum König gehalten und ans Reich gedacht - « » Reich ! Reich ! Was Reich ! Mir liegen Paris und Mailand näher als Prag und Wien . Ich bin Fürst auf meinem Boden , will ' s bleiben und wehre mich meiner Haut . « Weil Herr Ludwig die Stimme so zornig schraubte , fingen die kleinen grünen Papageien schrill zu kreischen an . Gleslin ging zum Erker und deckte die dunkelroten Tücher über die Käfige . Die starke Abendsonne , die durch das Fenster hereinfiel , umglänzte den blassen Greis . Immer heißer erregte sich der Herzog . » Meine Haut kann erzählen ! Sieh meinen Kopf an , meine Hände ! Ich will Sühne haben . Und Fritz von Zollern hindert sie mir . Hat er nicht das Gericht wider diesen fahrigen Mörder verzögert , der sich von Bayern nennt ? Hat er ihm nicht die Verzeihung des geldnotigen Königs erwirkt ? « » Solchen Vorschub um der Verschwägerung willen hab ich nie gebilligt . Aber zieht auch in Rechnung , gnädigster Herr , was Ihr ihm getan habt . « » Ich zähle , was mir in die Rechnung paßt . « » Ihr habt ihm vergangenes Jahr seine fränkischen Lande verwüstet , habt ihm die Stammburg seines Geschlechtes niedergeworfen . Und immer zögert Herr Friedrich noch , wider Euch in den Kampf zu treten . « » Weil er mich fürchtet . « » Nein , Herr ! Weil er im Reich der einzige ist , der auf die Friedensmahnung des deutschen Königs hört . Und sollte Frau Else , verhetzt von ihrem Bruder , Landshut wider Ingolstadt rüsten , so dürft ihr dessen versichert sein , daß ihr Gemahl solchen Anschlag vereiteln wird . « Nichts an diesen ruhigen Worten des Greises rechtfertigte den maßlosen Jähzorn , in dem Herr Ludwig aufbrauste : » Gleslin ! Bist du mein Rat ? Oder bist du bezahlt vom Fritz von Zollern ? « Dem alten Mann stieg eine dünne Röte ins Gesicht . » Wer und was ich bin , gnädigster Herr , das wißt Ihr so gut wie ich . Aber ich sehe wieder : Es ist ein fahrvolles Geschäft , einem Fürsten die Wahrheit zu sagen . « Rasch faßte Herr Ludwig den Greis an den Schultern und sagte herzlich : » Nimm ' s nicht übel ! Ich hab ' s nicht bös gemeint . Aber vieles brennt und wühlt in mir - « Der Herzog ging zum Erker und blieb in der schönen Sonne stehen . » Herr ! Nun dien ich Euch dreißig Jahre . Viel habt Ihr getan , wozu ich den Kopf habe schütteln müssen . Doch verstanden hab ich Euch stets . Ihr seid mir als Mensch und Fürst noch immer ein helles Gefäß gewesen . Aber sooft Ihr vom Zollern redet , seh ich etwas Dunkles in Euch , das ich nicht begreife . « » Dann schweig davon ! Es könnte auch sein , daß ich heut ein andrer bin als sonst . « Herr Ludwig sah über die Schulter zur Tür hinüber . » Heut ist mir eine Niedertracht des Lebens über das Herz getrampelt . « Er lachte hart . » Vielleicht war ' s auch eine Gerechtigkeit . Man sät , man erntet ! « Jetzt ein Lachen in Heiterkeit . » Guck nur , Gleslin , ich werde noch abergläubisch auf meine alten Tage ! « Nach kurzem Schweigen sagte Gleslin ernst : » Herr ! Soll ich Euch nützlich raten , so laßt mich die Wahrheit sehen ! Warum hasset Ihr diesen festen Mann , den Ihr klugerweise zu Eurem Freunde machen solltet ? « Mit jähem Schritt ging Herr Ludwig auf den Alten zu . » Jetzt bist du beim rechten Wort . Ja , Gleslin ! Diese Landshuter Laus will ich nur zertreten , weil sie für mich ein lästiges Ungeziefer ist . Aber den andern hasse ich . « » Warum ? « Die Stimme des Herzogs wurde rauh . » Ich kann es dir sagen . Aber du wirst es nicht begreifen . « » Warum hasset Ihr ihn ? « » Weil ich nur das Leben habe , in dem ich stehe - solang ich es vor meinen fernen und nahen Feinden zu wahren vermag . Der andre - den du einen festen Mann nennst - nicht mit Unrecht - dieser andre hat gesunde Söhne und hat die Zukunft . Darum hasse ich ihn . Fortleben ! Warum er ? Warum ich nicht ? « » Herr ! « Bekümmert sah der kleine , greise Mann zu seinem stattlichen Fürsten auf . » Solche Gedanken solltet Ihr dem Neid Eures Vetters Heinrich überlassen . Eurer Hoheit sind sie nicht würdig . « Der Herzog ging eine Weile stumm in der Stube auf und nieder . Dann sagte er mürrisch : » Lassen wir ' s gut sein ! Bäslein Else soll spinnen , was sie mag . Ich will ' s überschlafen . Heut hab ich Gift im Ohr und Essig im Herzen . Da ist man kluger Dinge nicht fähig . « Gleslin atmete auf .