auch er auf ihn ein . Dann wollte er ihn binden und wieder mitnehmen , aber Gesa sagte , das hülfe doch nichts : sie wolle ihn hier behalten : er solle in den Keller gesperrt werden , und sie wolle den Kahn nun wirklich verkaufen . Schweigend ließ Störtebeker sich nach dem Keller bringen . Da saß er im Gefängnis , denn das Fenster war vergittert . Er versuchte , den Kopf durch die Eisenstangen zu stecken , aber es ging nicht . Der Jäger , der gerade unter dem Fenster entlang ging , drohte ihm mit dem Flintenkolben und sagte grimmig : » Wi wöt di woll mörr kriegen , du Dickkupp ! « Als er weg war , setzte der Junge sich müde und hungrig auf eine Kartoffelkiepe und weinte bitterlich , denn er wußte sich nicht mehr zu helfen . » Hilp mi doch , Vadder ! « schluchzte er , » hilp mi doch ! Kumm doch wedder ! « Aber kein Klaus Mewes stieg aus der See , um seinem treuen Jungen beizustehen , ihn aus der Haft zu erlösen und ihn wieder mit an Bord , auf den Ewer und nach See zu nehmen . Kein Kap Horn tröstete ihn , und kein Seemann kam , ihm die Hände zu lecken . » Hilp mi doch , Vadder ! « ... Letzter Stremel . Jahre sind vergangen , seitdem Klaus Mewes mit seinem grünen Ewer geblieben ist . Wir kurren in der Gegenwart . * * * Herbst ist es , windstarker , wolkengewaltiger Herbst , der die Blätter von den Bäumen gerissen und die kleinen Segelschiffe von der See gefegt hat . Hinter der Alten Liebe zu Cuxhaven ( die nichts mit Liebe zu tun hat , sondern ihren Namen von der » Olive « bekommen hat , einem haverierten und abgeschlachteten Schiff , das zuerst den Anleger bildete ) liegt die Austernflotte und macht sich zum Auslaufen klar . Da liegen die neun Kutter , die Dohrmann , der große Austernhändler , für den Winterfang angenommen hat . Auf der Besan haben sie seine Charterflagge wehen , die hansischen Farben mit den hamburgischen Türmen , die am Finkenwärder Deich die Todesflagge genannt wird . Denn der Austernfang auf hoher See ist die allergefährlichste Fischerei , weil sie in die stürmischen Monate fällt , und weil die Austernbänke so weit draußen liegen , inmitten der Nordsee , meilenweit von Helgoland . Da ist keine Reede und kein Hafen zu erreichen , wenn das Wetterglas fällt : alle Stürme müssen draußen ausgeklüst werden . Nur die neuesten , größten und seetüchtigsten Kutter können sich des Austernkurrens unterfangen . Nur die verwegensten und mutigsten Seefischer , die jungen und starken , können diese Fischerei betreiben : aber auch sie würden sich nicht dazu hergeben , wenn sie nicht verdienen müßten , und wenn die Austern nicht so gut lohnten . Die Zeiten sind schwer geworden , seitdem die Fischdampfer groß geworden sind : Winter und Sommer muß der Fischermann kurren , wenn er noch bestehen will , die Notwendigkeit , die eiserne Not steht hinter ihm und jagt ihn in die Stürme hinein . Ein furchtbarer Ernst webt um die Masten der Fahrzeuge . Der Tod steht aufgerichtet an den Wanten und ist der heimliche Schiffer . Der erste der neun Kutter trägt den Steven am höchsten und ist der stärkste von ihnen . Noch flattern Reste des Taufkranzes am Großtopp , bunte Bänder und grüne Blätter , - so neu ist er . Und heißen seine Kameraden Präsident Herwig , Landrat Teßmar , Farewell , Senator von Melle , Süllberg , Fairplay und Providentia , so heißt er Klaus Störtebeker . In Goldbuchstaben leuchtet es am Heck : Klaus Störtebeker Finkenwärder . Und lassen die andern Dohrmanns Flagge im Winde flattern , so weht ihm eine deutsche Flagge von der Besan , denn der junge Fischer ist wie sein Vater und zieht keine fremde Fahne auf . Dohrmann muß ihn so fahren lassen . Der schöne , schmucke Kutter gehört dem jungen Klaus Mewes . Dem jungen Klaus Mewes ! Ja , Seele dem jungen Klaus Mewes gehört er , dem kleinen Klaus Störtebeker , aus dem sie einen Geestbauer , einen Schuster , einen Zimmermann und was nicht alles machen wollten , und aus dem doch nur eins werden konnte , in dem doch nur eins steckte : ein Seefischer ! Allen zum Trotz hat er den Weg nach dem Wasser gefunden und ist ein Fahrensmann geworden wie sein Vater . Der Störtebeker ist schon sein zweites Schiff . Mit dem ersten Kutter ist er bei Texel auf ein treibendes Wrack gestoßen und hat ihn dabei eingebüßt . Nun liegt er mit seinem neuen Fahrzeug zu Cuxhaven und will Austern fischen . Bewundernd bleiben sogar die Seelotsen , die doch manches Schiff unter den Füßen gehabt haben , vor dem großen , herrlichen Fischerkutter stehen , betrachten die glänzenden Masten , das blinkende Deck , den ragenden Bug , und loben den Baumeister , der ihn zusammengeklopft hat , und den Schiffer , dem er gehört und der mit ihm nach See gehen kann . * * * Die Kajüte ist groß und hoch , denn der junge Klaus Mewes fährt zu vieren und ist hochgewachsen . Drei Sprüche zieren sie . Unter der Schifferkoje leuchtet der schöne , goldene Spruch aus dem Ewer : Hilpt mi , Sünn un Wind , hilpt mi bit Fischen ! Ik heet Klaus Mees un bün van Finkwarder . Unter der Knechtenkoje aber steht einfach und bedeutungsvoll : Kap Horn - und die letzte Koje schmückt das trotzige Wort : Finkwarder blifft Finkenwarder un geiht ne van de See ! * * * Da kommt der junge Klaus Mewes . Er kommt vom Kriegshafen herüber , von den Torpedobooten her . Er hat seinen Leutnannt besucht . Sie waren zusammen in Ostafrika und halten noch jetzt viel voneinander . » Klaus Mewes , wenn ich