mit den langen , weißen Händen übers Haar . » Eines Tages wird er dich bei mir attrappieren , mein Guter , - und dann muß die Situation noch anders gelöst werden . « Mehr und mehr empfand Werner den Unsegen dieser Leidenschaft , aber er fühlte sich gebannt , und seine Fluchtversuche endeten kläglich . Da kam Olga zurück nach Berlin . Als er ihr wieder gegenüber saß , in ihr tiefes Auge blickte , ihre reife Seele wieder fühlte , da war ihm zumute , wie jenem Peer Gynt , der sein Kaiserreich , das er verlassen hat , zu spät erkennt . Er kam wieder , öfter und öfter . Der Winter ging zu Ende , da stürzte er eines Abends zu ihr , wie ein Verzweifelter , der den letzten Versuch der Befreiung macht . Er erzählte ihr , daß er manchmal das Gefühl habe , in die Fänge eines abenteuerlichen Fabelwesens geraten zu sein , das mit ihm ein behexendes Spiel trieb . Er dächte schon an Opium oder an Haschisch , denn so ginge das nicht länger . Nur eine Rettung gäbe es für ihn : daß sie ihn wieder aufnähme ! Und nicht nur als Freundin , als teilnehmender Mensch , - nein , - wieder ganz an ihr Herz , - an ihr reines , großes Frauenherz . » Nur du bist meine Zuversicht « , sagte er mit beschwörender Stimme . Da war sie wieder in dem gefährlichen Wirbel , da rauschte und brauste es um sie herum , und sie fühlte , wie es zur Tiefe zog ... Sie beschloß , jede Entscheidung abzulehnen und ihn mit ihrer ganzen Kraft dazu zu bringen , diese Verbindung zu lösen , ohne sich wieder in neue Gefahren zu stürzen ; denn eine Gefahr war für ihn , das wußte sie nun , jede Hingabe an ein anderes , menschliches Ich . Dieser da hätte allein sein müssen . Sie saßen zusammen in ihrem Zimmer ; nebenan stand die Balkontür offen . Es war einer jener ersten , verfrühten Vorfrühlingstage im Februar , denen oft noch Schnee und Regen folgt . Plötzlich , gegen zehn Uhr , abends , hörten sie beide , unten vor dem Hause , - Werners Namen rufen . Eine Frauenstimme rief , gedämpft und doch deutlich , zu den erleuchteten Fenstern hinauf : » Werner ! « Und dann klang es noch einmal , stärker : » Werner ! « Er erschrak und wurde totenbleich . Olga trat hinaus auf den Balkon , der im Dunkel lag . Unten , in der einsamen , fast ländlich stillen Straße sah sie , im Schein der Straßenlaterne , die Baronin stehen . Sie trug einen langen Mantel , von weich fließendem , schwarzen Samet . Der weiße Hermelin des Kragens und der breiten Armstulpen leuchtete . Der Kopf war in einen schwarzen Schleier gehüllt , und ihr blasses , großes Heraantlitz schimmerte marmorweiß daraus hervor . Hoch aufgerichteten Hauptes , in befehlender Haltung stand sie unter der Laterne und rief immer wieder zu den erleuchteten Fenstern hinauf - » Werner ! Werner ! « Gebannt stand Olga auf dem finsteren Balkon und starrte hinunter . Dann hörte sie , wie unten das Haustor aufgeschlossen wurde . Die Männergestalt , die heraustrat , blieb im Dunkel stehen . Die Baronin wandte langsam den Kopf und streckte den Arm aus . Olga sah , wie der Mann danach griff und sie an sich riß , dann verschwanden sie beide im Dunkel . Und sie kehrte vom Balkon in ihr leeres Zimmer zurück . - - - Frau Edda , in Wien , rüstete zum Abbruch . Als sie die Katastrophe , die so plötzlich über sie gekommen war , begreifen lernte , - da faßte sie einen Entschluß : sie wollte vergessen . Nicht das Gehirn , nicht die wache Vernunft konnten solch letztes Vergessen üben ; aber in der abgründigsten Tiefe der Seele sollte versenkt und begraben sein , was ihr Leben zerstören mußte , wenn es gespenstig durch ihr Erinnern wandelte ... Sich zusammenraffen , frei von lähmendem Gedenken , - das war das einzige , was sie tun durfte , wollte sie nicht zugrunde gehen . Ihre Lage war schlimmer , als sie im ersten Augenblick ausgesehen hatte . Ihr letzter Rückhalt war ihr Vermögen , welches in der Fabrik ihres Bruders Vinzenz angelegt war . Vinzenz aber machte kein Hehl daraus , daß er in kritischer Lage sei . Eines Tages fuhr er » zur Auffrischung seiner Nerven « wieder einmal mit seinem Automobil davon . Er wollte in zwei bis drei Tagen zurück sein ; er kam nicht wieder . Dafür , an seiner Statt , nach einigen Wochen ein Brief aus Amerika , - wohin er sich » zurückgezogen « hatte . Fabrik und Villa wurden versteigert und der Konkurs über sein Vermögen verhängt . Eddas Geld war fort , wie das vieler anderer . Reisenleitners Frau , Eva , ging fürs erste mit ihrer kleinen Tochter zu ihrer Mutter , die wieder in Genf lebte . Edda sah nun keinen anderen Ausweg als den , zu dem ihr Stanislaus geraten hatte . Sie verkaufte ihre Möbel und den größten Teil ihres Schmuckes . Die Summe , die sie dadurch in die Hände bekam , war ihr einziger und letzter Besitz . Dann bereitete sie sich vor , nach Berlin zu fahren , um da » einen Beruf zu suchen « , wie sie ihren Bekannten erzählte , während sie hilflos und ungläubig den schönen Kopf schüttelte . Pankratius riet ab ; es sei ein hoffnungsloses Experiment . Sie solle hier abwarten , bei ihm und Kathi , bis sich ihr Schicksal - woran er nicht zweifle , - wieder günstig wende . Er hatte sich mit Kathi verlobt ; trotz ihres anfänglichen Sträubens war sie ihm , nach und nach , sanfter entgegengekommen . Sie war ihrer aufgedrungenen Mädchenschaft herzlich müde ... » Mein ganzes