« rief ein andrer Soldat und kam heran . » Bist du des Teufels ? Du willst den Rebellen befreien ? « » Wir können ihn doch nicht so hilflos liegen lassen « - antwortete der mitleidige Soldat kleinlaut . Aber der andere stieß ihn rauh von mir weg und rief : » Auf der Stelle packe dich ins Boot ! « Nun gingen die beiden , und bald hörte ich , wie das Boot wieder zum Kahn zurückkehrte , und wie dann nach einem neuen Hornsignal der Kahn weiter fuhr . Immer ferner , dumpfer erschollen die Ruderschläge , bis ich hülflos allein lag . Auf einmal fiel ein Schuß , und ihm folgten mehrere Schüsse . Es mußte zwischen dem Kahn und einer feindlichen Partei ein Gefecht entstanden sein . Indessen war es bald gänzlich still . Ich suchte meine Fesseln zu zerreißen und wälzte mich im Sande . Der Knebel im Munde erschwerte das Atmen , so daß ich Gefahr lief zu ersticken , insonderheit wenn die Empörung über mich kam . Bald lag ich erschöpft zum Sterben . Einmal kam es mir vor , als trabe in der Nähe ein Pferd . Die Dunkelheit brach herein , und nun traten Gesichte vor meine Seele , als solle ich mein ganzes Leben in dieser letzten Nacht noch einmal durchleben . Böses , das ich getan , ängstete mich wie umherflatternder Spuk . Nicht los werden konnte ich den Wahn , ich müsse jetzo für das büßen , was ich dem kaiserischen Soldaten Wenzel angetan . Wie er am Strande des Saaleflusses hatte liegen und stöhnen müssen , verzweifelt , weil er seine Kameraden an mich verraten sollte , so lag ich nun hier am rauschenden Strom hilflos und gefesselt , dem unerbittlichen Gebot des Schicksals untertan . Wenzels anklagende Augen waren auf mich gerichtet , ich hörte ihn mit einem Fingerzeig auf mich sprechen : » Der da hat ' s getan . « Nun erfüllte sich der Fluch , den damals Wenzel im Herzen gen mich geschleudert hatte . Bittere Zähren erpreßte mir die Reue , und ich dachte an meines Vaters Lehre , die Hölle sei kein äußerer Ort , sondern der unselige Zustand unseres Herzens , den wir uns selbst durch Torheit und Sünde bereiten . Oh , daß es mir gelänge , meine guten Geister zu sammeln , daß sie mich beschützten vor den höllischen Dämonen ! Daß mich nur einmal noch das innere Himmelreich begnadete , sei es auch nur wie den Dürstenden Tautropfen laben ! Da kam mir ein tröstlich Bild : Hoch ob den Talen des Riesengebirges war ich auf einmal bei säuselnden Tannenwipfeln , auf die der blaue Himmel warmes Sonnengold herniedergoß . Hoch vom Felsen der Abendburg sah ich die blauen Wogen der Waldberge und die lichten Gefilde des fernen Tieflandes . Das alles war wie strahlende Augen und wie ein Jauchzen . Und ich flehte zum geheimnisvollen Born , aus dem alle Geschicke quellen : Oh , daß mich der verlorene Garten Eden noch einmal umfinge , und ich droben im Bergfrieden weilen dürfte ! Siehe , da stund mein Vater bei mir und sprach : » Gewährt ist dir dein Wunsch ! Wirst zur Abendburg gelangen . « Dann zerflatterte das tröstliche Gesicht , die Sehnsucht nach dem Bergfrieden ward verscheucht , mich schauderte . Ein wiehernd Geschrei vernahm ich , wie von einem geängsteten Pferde . Bald darauf stampfte es im Galopp hinweg , dann heulten Wölfe . So sollte mir denn wohl das elende Los beschieden sein , von Raubtieren zerrissen zu werden . Doch diese Sorge spornte meine Lebenskraft , von neuem wälzte ich mich auf dem Sande , an meinen Fesseln reißend . Auf einmal fühlte ich an der Hand , die mit der andern auf meinem Rücken zusammengebunden war , einen Schmerz , wie von einem Schnitte , und meines Vaters Stimme sprach : » Greif zu ! « Da hielt ich in den Fingern die Schale einer Muschel , wie sie häufig im Elbsande zu finden sind . Am Rande zerbrochen bildete sie eine Schneide , und mir kam der Gedanke , sie als Messer zu brauchen . Mühte mich nun , mit der einen Hand die scharfe Muschel an die Fessel zu bringen und daran zu sägen . Die halbe Nacht hatte ich so zu tun . Endlich nach einem verzweifelten Ruck sprengte ich den Rest der Fessel und konnte die Arme regen . Das erste war , daß ich mir den Knebel aus dem Munde nahm . Dann knüpfte ich die Fesseln auf , mit denen meine Füße gebunden waren , und war nun völlig frei . Halb abgestorben waren die Beine , und ich ward inne , wie bald ich des Todes gewesen wäre . Aber noch waren die Gefahren nicht vorüber . Von Zeit zu Zeit bellten und heulten die Wölfe ganz in der Nähe . Vielleicht , so sagte ich mir , liegt dort vom Gefechte her ein toter Schwede , und weil dann gewiß auch Waffen dabei sind , wird es das Ratsamste sein , die Leiche aufzusuchen . Mit diesem Vorsatz erwartete ich den Tag . Nachdem ich meinen Durst im Strome gelöscht und auch Sauerampfer gegessen hatte , suchte ich im Morgengrauen Waffen wider die Wölfe . In den linken Arm nahm ich ein paar faustgroße Steine und hielt eine harte Baumwurzel in Bereitschaft , die ich als Keule verwenden wollte . Nun beschlich ich die Wölfe , es waren zween , sie fraßen an einem menschlichen Leichnam . Ich warf einen Stein so gut , daß der eine aufheulend zur Seite sprang und mit eingezogenem Schwanz sich trollte . Der andere fletschte die Zähne und sträubte die Rückenborsten . Ohne Zaudern schritt ich auf ihn los , und wie er sich zum Sprunge duckte , traf ihn mein zweiter Stein , gleich darauf auch ein Keulenhieb . Davon brach die Vorderpfote , ihm blieb nichts übrig , als zu kämpfen .