Gelegenheiten des einstigen Schülers zu erinnern . Aber auch wenn wider Erwarten im Herbst nirgends eine Stellung für ihn sich fände , war er entschlossen , Wien zu verlassen , sich vorläufig in eine kleine Stadt oder aufs Land zurückzuziehen und in der Stille für sich weiter zu arbeiten . Wie sich unter diesen Umständen seine Beziehungen zu Anna weiter gestalten sollten , darüber gab er sich keine klare Rechenschaft ; er wußte nur , daß sie niemals enden durften . Es schwebte ihm vor , daß er und Anna einander besuchen und zu gelegener Zeit gemeinschaftliche Reisen unternehmen würden ; später übersiedelte sie wohl an den Ort , wo er lebte und wirkte . Doch schien es ihm nutzlos , all dem in die Tiefe nachzugrübeln , ehe die Stunde da war , da sich sein eigenes Schicksal , wenigstens für die Dauer der nächsten Jahre entschieden hatte . Der Sommerhaidenweg lief in den Wald , und Georg nahm den breiten Villenweg , der an dieser Stelle das Tal durchquerend nach abwärts bog . In wenigen Minuten befand er sich auf der Straße , an deren Ende waldesnah , neben bescheidenen , gelben Parterrehäuschen , nur durch die Balkonmansarde mit dem dreieckigen Holzgiebel über jene erhöht , die kleine Villa stand , in der Anna wohnte . Er durchschritt das Vorgärtchen , wo inmitten des Rasens zwischen Blumenbeeten , auf viereckigem Postament , der kleine blaue Tonengel ihn grüßte ; den schmalen Gang , neben dem die Küche lag , das kahle Mittelzimmer , auf dessen Boden durch die schadhaften grünen Jalousien Sonnenlinien hinspielten , und trat auf die Veranda . Er wandte sich nach links und warf einen Blick durchs offne Fenster in Annas Zimmer , das er leer fand . Nun ging er im Garten längs der Fliederbüsche und Johannisbeerstauden nach aufwärts , und schon von weitem sah er Anna unter dem Birnbaum auf der weißen Bank sitzen , in ihrem weiten blauen Kleide . Sie sah ihn nicht kommen , schien ganz in Gedanken versunken . Er näherte sich langsam . Noch immer blickte sie nicht auf . Er liebte sie sehr in solchen Augenblicken , da sie sich unbeobachtet wähnte und auf ihrer klaren Stirn unbeirrt die Gütigkeit und der Friede ihres Wesens ruhten . Sonnenkringel zitterten auf dem Kies zu ihren Füßen . Ihr gegenüber , auf dem Rasen , lag schlafend die fremde Bernhardinerhündin . Das Tier war es , das , erwachend , Georgs Kommen zuerst bemerkte . Es erhob sich , und schwerfällig trappelte es Georg entgegen . Jetzt sah Anna auf , und ein beglücktes Lächeln schwebte über ihre Züge . Warum bin ich so selten da , fuhr es Georg durch den Sinn . Warum wohn ich nicht heraußen und arbeite oben auf dem Balkon unter dem Giebel , wo man die hübsche Aussicht auf den Sommerhaidenweg hat ? Die Stirne war ihm feucht geworden , so heiß brannte noch immer die Spätnachmittagssonne . Er stand vor Anna , küßte sie auf Aug ' und Mund und setzte sich an ihre Seite . Das Tier war ihm nachgeschlichen und streckte sich zu seinen Füßen hin . » Wie gehts , mein Schatz ? « fragte er , indem er seinen Arm um ihren Nacken legte . Es ging ihr sehr gut , wie gewöhnlich , und heute war ein besonders schöner Tag gewesen . Seit dem Morgen schon war sie sich ganz selbst überlassen , denn Frau Golowski hatte wieder einmal in die Stadt fahren müssen , um nach den Ihren zu sehen . Es war wirklich nicht übel , manchmal so völlig allein mit sich zu bleiben . Da konnte man sich ungestört in seine Träume versenken . Es waren freilich immer dieselben , aber sie waren so hold , daß man ihrer nicht müde wurde . Von ihrem Kinde hatte sie sich träumen lassen . Wie sehr liebte sie es schon heute , noch ehe es geboren war . Nie hätte sie das für möglich gehalten . Ob Georg es denn auch verstünde ? ... und da er versonnen nickte , schüttelte sie den Kopf . Nein , nein ... ein Mann konnte das nicht verstehen , auch der beste , der gütigste nicht . Sie fühlte ja das kleine Wesen schon sich regen , spürte das Klopfen seines zarten Herzens , fühlte diese neue unbegreifliche Seele in ihrer atmen , geradeso wie sie den neuen jungen Leib in ihrem blühen und erwachen fühlte . Und Georg sah vor sich hin , wie beschämt , daß sie dem , was nahe war , mit so viel reinern Sinnen entgegenlebte als er . Denn daß hier , von ihm gezeugt , ein Wesen wurde wie er und selbst wieder bestimmt , neuen Wesen Leben zu verleihen ; daß in dem gesegneten Leib dieser Frau , nach dem ihm schon lange nicht mehr verlangte , nach ewigen Gesetzen ein Leben schwoll , das vor einem Jahre noch ein ungeahntes , ungewolltes , im Unendlichen verlorenes war und nun wie ein seit Urzeit vorherbestimmtes zum Licht empordrängte ; daß er selbst sich nun in der geschlossenen Kette von Urahnen zu Urenkeln gleichsam an beiden Händen gefaßt , unentweichbar einbezogen wußte , ... von diesem Wunder fühlte er sich nicht so mächtig aufgerufen , als es fordern durfte . Und ernsthafter , als sie es sonst zu tun pflegten , besprachen sie heute , was nach des Kindes Geburt zu geschehen hätte . In den ersten Wochen behielt Anna es natürlich bei sich , dann mußte man es wohl zu fremden Leuten geben ; jedenfalls aber sollte es ganz nahe wohnen , so daß Anna es zu jeder Zeit ohne Schwierigkeit sehen konnte . » Und du « , sagte sie mit einem Mal ganz leicht , » wirst du manchmal herkommen uns besuchen ? « Er sah ihr in das verschmitzt lächelnde Gesicht , nahm ihre beiden Hände und küßte sie . » Liebste , was soll ich tun ,