Die Mutter hörte ihn aufmerksam an . Sie konnte sich nicht alles zurecht legen und sah den Weg nicht klar vor sich , den er gehen wollte . Aber sein Eifer überzeugte sie , und sie ging daran , sich ein neues Bild von der Zukunft auszumalen . Im goldgestickten Gewande würde ihr Sylvester nicht vor dem Altar stehen , und in einem Pfarrhof würde er nicht sitzen . Das war vorbei . Aber einen großen Kaufladen würde er haben , einen größeren noch , als der Kramer Schießl in Nußbach . Bei dem es nach der Kirche immer gesteckt voll war , und der sich das Geld haufenweise verdiente . Und das war doch wahr . Bis einer Pfarrer würde , dauerte es lange , und als Kooperator hatte einer kaum genug zum Leben und mußte sich um sein Essen mit den Pfarrerköchinnen streiten . Wenn man alles betrachtete , hatte ihr Sylvester eigentlich das bessere Teil erwählt . So gewann ihre Vorstellung allmählich Form und Gestalt , und sie unterbrach den Eifrigen mit Fragen . Ob der Frankfurter Kramer ihn schon bald in ein Geschäft setzen würde ? Und an einen größeren Ort , vielleicht wie Nußbach oder Pfaffenhofen ? Und an einem schönen Platz neben der Kirche ? Weil solche Geschäfte den besten Besuch haben . Und zuletzt fragte sie : » Was is nacha dös für a Madel ? « » Welches Mädel ? « - » No dös , wo der Herr Kooperator g ' sagt hat , daß du heirat ' n sollst . « Sylvester wurde rot bis über die Ohren und lachte verlegen . » Geh , Mutter ! Was dir der g ' sagt hat ! « » Da Herr Stegmüller hat aber aa ' r amal a solchene Andeutung g ' macht . « Sylvester sah , daß seine Mutter ernsthaft an diese Sache gedacht hatte , und er meinte , sie habe es wohl verdient , daß er ihr alles Vertrauen schenke . Und er erzählte ihr , wie er das Mädchen kennen gelernt hatte , wie gut und brav es sei , wer die Eltern wären , und wie er in dem Hause aufgenommen wurde . Aber er habe nicht ans Heiraten gedacht , sagte er ; denn eine solche Hoffnung wäre ganz töricht . Die Mutter hörte zu und sagte nichts . Sie ergänzte im stillen ihr Bild . Und darin stand jetzt Sylvester im Kaufladen des reichen Herrn Sporner als Schwiegersohn und als der Mann der einzigen Tochter , der einmal alles erben und kriegen mußte . » Es wird no alles recht wer ' n , Bua ! « sagte sie . » Und jetzt gut ' Nacht ! « Achtzehntes Kapitel Am Gründonnerstag kamen drei lustige Soldaten ins Dorf . Der Zwerger Jackl und ein Knecht vom Lochmann und dem Schuller sein Ältester . Sie marschierten singend die Nußbacher Straße herein , und wenn ihnen ein Mädel in den Weg kam , schrien sie ihm kecke Worte zu , wie man sie beim Militär lernt . Beim Zwerger nahmen sie kurzen Abschied voneinander , und der Schuller Sepp ging im Gschwindschritt heim . Als er nahe am elterlichen Hause war , dachte er , es wäre ein guter Spaß , wenn er seine Leute überrasche . Er schlich um den Stadel herum und schaute zur Küche hinein . Die Mutter stand drinnen am Herd und färbte Ostereier , rote und gelbe . Sie nahm sie vorsichtig aus der Pfanne und legte sie in eine Schüssel . Da klopfte der Sepp ans Fenster , und sie fuhr erschrocken zusammen . » Jessas , aber du hoscht mi derschreckt ! « Er lachte , daß man alle Zähne sah . » Servus ! Da kumm i g ' rad recht zu die Osteroar . Gib no glei a paar her , Muatta ! « » Geh no z ' erscht ganz eina und sag mir Grüaß Gott ! « » Ja , was moanst denn , wia ' r i Kohldampf schiab ! « » Laß di amal o ' schaug ' n mit der Uniform ! Broater bischt wor ' n. « » Dös kimmt vom G ' wehr schmied ' n ; dös treibt oan ausanander . « Die Schullerin sah mit rechter Zufriedenheit auf ihren Sohn . Er war um ein weniges kleiner als der Vater , aber seine Schultern waren breiter , und wie ihm die blitzblaue Uniform prall ansaß , war er ein Bild von derber Kraft . Und das frische , kecke Wesen stand ihm gut . » Jetzt gib ma glei a paar Osteroar , weil i ' s so guat troffen hab ' , « wiederholte er . » Muaßt denn du g ' farbte hamm ? De g ' hören zu der Weich . « » So lang ' kann i net wart ' n. I friß de mein ung ' weicht . « » Da nimm da halt oa ! « Sie schob ihm die Schüssel hin , und er holte sich etliche heraus . » Wia lang ' hast denn Urlaub , Sepp ? « » Sieb ' n Tag . Am Mittwoch muaß i wieder ei ' passier ' n. « Er kaute mit vollen Backen . » Wo is denn der Vata ? « fragte er . » Er is it dahoam . « » Was ? Er werd do it arbet ' n an die Kartäg ? « » Na , er is zum Haberlschneider umi . Da Herr Mang is do g ' wen , und nacha san s ' mitanand furt . O mei , was da scho wieder geb ' n werd ! « setzte sie hinzu . Sepp überhörte ihren Seufzer . Er klopfte ein Ei an der Tischkante auf . » Und d ' Urschula ? Daß dir de it hilft ? « » Sie is beim Kind droben . « Sepp tauchte das Ei ins Salz