Namen deine Hand ! « Er stand auf , ich auch . Wir traten aufeinander zu und schüttelten uns die Hände . Er schien zu erwarten , daß ich mich nun in Versicherung unserer Dankbarkeit ergehen werde . Als ich das nicht tat , sagte er , indem sich nun auch seine Begleiter erhoben : » Ein solches Abkommen muß mit Salz und Brot bekräftigt werden . Bis jetzt haben wir noch nichts genossen . Willst du uns als deine Gäste betrachten , Effendi ? « » Wenn du es wünschest , unverweilt . Ich weiß , was Salz und Brot bedeuten . Wer dann zurücktritt , ist ein Schurke . Ueberlege also wohl , ob ich dies Beides kommen lassen soll ! « » Schicke nur ! Ich weiß genau , was ich tue ! « » So nehmen wir jetzt Salz und Brot , und dann erweist Ihr mir die Ehre , die Ghada44 bei uns einzunehmen ! « » Gern ! Und inzwischen reiten wir einmal hinüber nach Eurer Moschee , von welcher aus man eine wunderbare Aussicht haben soll . Ich hörte , daß du krank gewesen seist . Wirst du uns begleiten können ? « Es wäre ihm allerdings lieber gewesen , eine solche Begleitung nicht zu haben , doch antwortete ich : » Bis dort hinüber werde ich es im langsamen Schritte wagen können , weiter aber nicht . Dieser junge Mann wird mir satteln . Es ist Kara Ben Halef , der Sohn des Scheikes der Heddedihn vom Stamme der Schammar . « Kara verbeugte sich vor ihm , um dann zu den Pferden zu gehen . Ich rief ihm noch nach , für sich den Ghalib und für den Chodj-y-Dschuna den Bark zu nehmen . Die Gäste waren mit dem ungeahnt schnellen und skrupellosen Ausgange ihres Anliegens überaus einverstanden . Sie wollten sich das freilich nicht merken lassen , doch war es ihnen deutlich anzusehen . Um so ernster war das Gesicht des Pedehr . Er begriff mich nicht . Darum warf ich ihm unbemerkt die Worte zu : » Nur keine Sorge ! Es steht Alles gut . Sie haben nicht mich , sondern ich habe sie gefangen . Schnell Salz und Brot ! Dann reitest du mit . « » Auf welchem Pferde ? Die Sahm hat mir der Ustad einstweilen entzogen . Und ein gewöhnliches Pferd kann ich als Scheik doch wohl nicht nehmen . « » So bleibe hier , und besorge das Essen ! « Nach Kurzem brachte Tifl auf einer Platte ein Häufchen Salz und kleingeschnittenes persisches Brot . Wir traten zusammen . Jeder nahm eines der Stückchen und tauchte es in Salz . Der Mann mit dem großen Turban sprach : » Das Brot , welches wir essen , wird zum Leibe . Das Wort , welches man uns gibt , wird zur Seele . Es ist nie wieder von uns zu trennen ! « Hierauf aßen wir jeder seinen Bissen und drückten uns abermals gegenseitig die Hände . Das Uebereinkommen war abgeschlossen und besiegelt . Bald hierauf brachten Kara und der Chodj die Pferde . Wir stiegen auf und ritten den Berg hinab . Ich bemerkte , daß ich heut kräftiger war als bei dem ersten Ritte , doch gab ich mir nicht die geringste Mühe , als guter Reiter zu erscheinen . Die Herren glaubten , erreicht zu haben , was sie hatten erreichen wollen . Darum hielten sie es nicht für nötig , ihre Rücksicht auf mich so weit zu treiben , daß sie im Trauertempo mit mir ritten . Sie wollten vielmehr zeigen , was für Pferde sie besaßen , und jagten durch den Duar und dann die jenseitige Höhe hinauf . Mir war das eben recht . Ich winkte Kara und den Chodj , ihnen nachzueilen und trottelte allein und langsam hinterher . Ich hatte wohl kaum die Hälfte des Weges zurückgelegt , als ich den Hufschlag eines galoppierenden Pferdes hinter mir hörte . Mich umschauend , sah ich , daß es Tifl war . Er ritt die ungesattelte Sahm und jagte an mir vorüber , ohne anzuhalten und zu fragen , ob es ihm erlaubt sei , mit bei den Gästen zu sein . Er hätte das gewiß nicht gewagt , wenn er nicht von irgend Jemand aufgefordert worden wäre , unbedingt mit nach dem Beit-y-Chodeh zu kommen . An mir vorbeigeritten war er , weil er befürchtet hatte , von mir zurückgeschickt zu werden . Eigentlich war es richtig , dies nachträglich zu tun , und zwar vor aller Augen ; aber es lag ja in meiner Absicht , nicht für scharfsinnig und energisch zu gelten , und so hielt ich es für geraten , zu schweigen . Als ich oben ankam , stand der » Schreiber « mit Tifl an einer der Vordersäulen des Tempels . Der Letztere schien dem Ersteren die Gegend zu erklären ; sie schenkten mir keine Beachtung . Sonst sah ich von den Gästen keinen . Kara und der Chodj standen bei den Pferden . Ich ritt zu ihnen hin und fragte , wo die andern Perser seien . Der Chodj antwortete : » Der Heilige , der Selige und der Hauptpriester kriechen in den Rosen herum . Die beiden Generale fragten , ob es weiter oben eine schöne , freiere Aussicht gebe . Ich wies sie nach der großen Hochwaldlichtung ; sie sind dorthin . « Er deutete nach dem Waldwege , auf dem ich am Tage des Festes von Tifl zum Essen geführt worden war . » Gibt es noch andere Wege nach dieser Lichtung ? « erkundigte ich mich . » Ja . Es sind aber Umwege . Den besten sieht man von hier aus nicht . Man muß über diesen ganzen Platz hinüber und um die Buchenecke gehen . Dann führt er grad hinauf und unter den Tannen am obern Rande des freien Platzes hin . « » Kann man ihn reiten ? « » Er ist breit genug