ihm gehen ; aber dann hatte er ' s doch gelassen . Als Vorwand war ihm die Geburt von Tonis Kind gerade recht . Er trieb den Kutscher zur Eile an . Jetzt auf einmal war es ihm , als könne er nicht schnell genug von der Heimat wegkommen . An bekannten Feldern ging ' s vorbei , an Bäumen , Steinen und Wasserläufen . Nun zog sich der Weg ein Stück durch den gräflichen Wald . Dann hatte man die Halbenauer Flur verlassen . Eine Stunde , darauf saßen sie eng zusammengepfercht in einem Wagen vierter Klasse , mit fremdem Volk , Sachsengänger gleich ihnen , die schon weither kamen aus dem Osten . Unheimliches Gesindel mit braunen Gesichtern , das untereinander eine unverständliche Sprache redete . Als Pauline mit einem dieser schmutzstarrenden , kraushaarigen Frauenzimmer den schmalen Sitz teilen mußte , verlor sie alle Fassung , nachdem sie vorher tapfer mit dem Heimweh gekämpft hatte . Sie nahm ihren Jungen dicht an sich und haschte nach Gustavs Hand . Das war fürwahr ein traurige Nachfeier ihrer Hochzeit ! VII. Der Termin zur Zwangsversteigerung war herangekommen . Subhastationen waren im Bezirke dieses Amtsgerichts nichts Seltenes gewesen in der letzten Zeit . » In diesen Zeitläufen fallen die Bauern wie Fliegen von der Decke , wenn es Winter wird , « hatte erst kürzlich ein Kenner geäußert . Man war im allgemeinen ziemlich abgestumpft gegen bäuerlichen Bankerott . Immerhin machte es einiges Aufsehen , als bekannt wurde , daß das Büttnersche Bauerngut unter den Hammer kommen solle . Einmal , weil es ein großes Grundstück war , das nicht , wie die meisten anderen seiner Art , heruntergewirtschaftet und ausgeraubt war . Dann gab es aber auch noch Nebenumstände , die den Fall interessant machten . Man wußte , daß die Herrschaft Saland um das Bauerngut gehandelt hatte und nachdem der Handel so gut wie abgeschlossen gewesen , davon zurückgetreten war . Das gab zu allerhand Vermutungen Anlaß . Die Herrschaft hatte sich bisher noch nie einen Bauern , der » wackelig « wurde , entgehen lassen und hatte , nach der Behauptung kleinerer Güterhändler , die Preise des Grund und Bodens auf diese Weise nicht wenig in die Höhe geschraubt . Es war auffällig , daß sich die Herrschaft bei diesem Bauerngute , welches ihr geradezu vor der Nase lag , so zurückhaltend benahm . - Ungewöhnlich wurde der Fall auch dadurch , daß der betreibende Gläubiger kein anderer war als der eigene Schwager des bankerotten Bauern . Was konnte der Mann für ein Interesse an dem Untergange seines Schwagers haben ? fragte man sich unwillkürlich . Wollte er das Gut aus der Subhastation billig erstehen ? Und wozu sollte er , als Besitzer einer großen Gastwirtschaft , sich mit so bedeutendem Grundbesitz belasten ? In der Gerichtsstube begannen sich von früh neun Uhr ab einzelne Leute einzufinden . Meist waren es Neugierige , Gerichtsbummler , die selten bei solchen Anlässen fehlen . Die eigentlichen Interessenten saßen drüben im Löwen . Der Gasthof lebte geradezu von den Gerichtsverhandlungen . Denn dort pflegten vor und nach den Terminen Freund und Feind einzukehren . Dort stärkten sich die Parteien zu schwerem Gange . Dort tranken Richter , Staatsanwalt , Verteidiger , Zeugen und Schöffen ihren Schoppen in derselben Stube und vom nämlichen Fasse , nachdem sie sich drüben vielleicht im Rechtsstreite bis aufs Messer befehdet hatten . Auch Samuel Harrassowitz trank hier sein Bier . Er saß wie gewöhnlich auf seinem Platze am Fenster , von dem aus er den schmalen Platz zwischen Gasthof und Gerichtsgebäude überblicken konnte . Edmund Schmeiß saß neben dem Händler . Er trug einen neuen Anzug von hauptstädtischem Schnitt zur Schau , den er sich bei seinem letzten Aufenthalt in Berlin hatte anfertigen lassen . Er bestellte sich einen Kognak , » aber fine champagne , garçon ! « fügte er näselnd hinzu . Jetzt traten zwei Herren ein . Der Bankier Isidor Schönberger , fett , mit weißem Gesicht und um so schwärzerem Haar . Bei ihm war Bruno Riesenthal , der junge Advokat , der sich kürzlich in dem Städtchen niedergelassen und seiner Fixigkeit wegen hier bereits eine namhafte Praxis gefunden hatte . Die Herren schienen einander sämtlich gut zu kennen . Zum Gruße zwinkerten sie einander nur mit den schlauen Augen zu . Schönberger setzte sich mit verdrossenem Gesicht . Riesenthal kramte in seiner Advokatenmappe . Die Unterhaltung wurde halblaut geführt , denn an den Nebentischen saßen Leute , deren man nicht sicher war . » Heute is der Kaphroh dran ! « sagte Schönberger . Harrassowitz nickte . » Machst du de Massematten ? « » Kairousche ! « » Bis jetzt ist keine Konkurrenz da , « damit mischte sich Edmund Schmeiß in das Zwiegespräch . » Konkurrenz ! « meinte Sam und nahm eine verächtliche Miene . » Konkurrenz gibt ' s nicht ! « » Wird der Graf sich ganz fern halten ? « fragte der Advokat halblaut . » Der Graf ist besorgt ! « flüsterte Schmeiß . » Dafür steh ' ich ! Und das andere sind alles Schnorrer ! « In diesem Augenblicke ertönte vom Pflaster draußen Pferdegeklapper und Wagenrasseln . Ein offener Jagdwagen mit zwei guten Pferden davor hielt vor dem » Löwen « . Die vier Männer machten lange Hälse . Sam stieß einen Fluch aus . Er erkannte in dem langen bärtigen Manne , der selbst die Zügel geführt hatte , den Güterdirektor des Grafen , Hauptmann Schroff . Der kleine Grauhaarige war wohl ebenfalls ein Beamter der Herrschaft Saland . Die » Konkurrenz « war also dennoch gekommen ! Sam stand auf , ohne sein Glas geleert zu haben . Jetzt galt ' s , die Ohren steifhalten ! So leichten Kaufes , wie er spekuliert hatte , würde er nun doch nicht zu dem Gute kommen . Aber Sam gab noch nichts verloren . Wann wäre er jemals in schwieriger Lage verzagt oder um Mittel und Wege verloren gewesen ! Er