mir als bedingtes Glied in der Kette keinen einzigen , letzten , großen , absoluten Trost geben . Die Harpyen der nackten Wirklichkeit , der lebendigen Lebensverlockung , sitzen mir immer noch auf den Fersen . Ja ! Und hier finde ich den Muth und vor Allem , denke ich , das Wort , das mich erklärt und mich erlöst ! . Zu Vieles und zu Großes - zu Gewaltiges und schrankenlos Ueberirdisches , Uebermenschliches hab ' ich gewollt und in tausend glorreichen Visionen und Stimmungen geahnt und gedacht ... Aber daß mir die gemeine Welt mein Fühlen und Nachfühlen und feinstes Hineinfühlen in das Getriebe der Ideen plump verleiden mußte , indem sie mich zu dem Drange des Handwerkers erzog : das Übermenschliche , Unsagbare mit den kargen Elementen , mit den lächerlich nothdürftigen Werkzeugen , die wir besitzen , festhalten und bannen zu wollen ! Oh ! Wie noch in dieser meiner letzten , meiner heiligsten Stunde der Stachel der Weltreize in meine zusammenschauernde Seele sticht ! Fassen das Unfaßbare ! Oh ! Ich hatte eine Furcht vor der Uebermittelung meiner reinsten Seelenkräfte an die Strömungen freier , urgeborener Ideen ! Ich hatte eine Furcht - denn die Sclavenkette umschlotterte meine Füße , wenn ich in die Bezirke trat , wo die Freiheit athmete und mit kosmischen Reizen um mich warb . Durchschaut - so bis auf Kern und Axe hatte ich alles Irdische , alles irdisch Lockende und Blendende , Betäubende und Werbende durchschaut - und doch warf mich immer und immer wieder der Drang - die Selbsttäuschung in die Arme einer brutalen Selbstentfremdung . Wie habe ich - nun , da ich am Ende stehe , sehe ich Alles doppelt scharf und doppelt deutlich ! - wie habe ich von der ersten Stunde an , da ich die Flügel meines Geistes zu lüften versuchte , mich einengen und umdrängen lassen müssen von dem gemeinen , landläufigen , kalten , nüchternen Regelwerke der Welt ! Nun da ich frei wurde , schiebt die Vergangenheit ihre langen , tastenden Finger nach in die Gegenwart - in die Zukunft , die ich mir darum vorenthalten will . Ja ! Ich sterbe an der Fülle der Sünden , zu denen mich die Vergangenheit gezwungen hat . - Und diese Sünden verdunkeln und verqualmen mir die Gegenwart , und ihr schwarzes Nachtgewölk zieht mir nach in die Bezirke meiner Zukunft - zöge mir nach - ich verspüre es an der Schwere meines Athems ! - wollte ich mich eben sclavisch an eine neue Zukunft verkaufen . Aber ich habe es satt , gründlich satt , dieses Sichhinschleppen an dürren , nackten , morschen Spalieren . Ich habe es satt , immer weiter den Hymnus mitzugröhlen , der das Fragment der bedingten Zeitlichkeit apotheosirt ! Den großen , allmächtigen Ring schließen ! Schließen ! Soll meine Seele weiter Nichts sein , denn ein Heerd , darauf die Flammen der durchschauten Unzulänglichkeit tanzen ? Soll das der höchste Triumph des bohrenden Menschengeistes sein , daß er in letzter Instanz seine Unzurechnungsfähigkeit , seine Unzusammenfassungsfähigkeit constatirt ? Soll ich immer und immer wieder auf dem dürren , ausgedienten Droschkengaule einer nüchternen , verrosteten Logik an das Räthselwesen der letzten Dinge heranstolpern ? Aber erkenne ich denn mehr , wenn mich das schneeweiße Araberroß der Intuition an die Schranken heranträgt ? Ist Intuition mehr , als der gleichsam enthymematische Carrièreritt einer überwundenen und darum zwanglos-reflectorisch sich bethätigenden , also in gewissem Sinne einer wiedergeborenen Logik - ? Oh ! Müde bin ich der steten Selbstverblendung und Selbstentfremdung ! Ein Tropfen reiner Aethererkenntniß - und ein Ozean gemeiner , bedingter und bedingender Werkeltagsträumereien ! Ich erkenne , daß dieses Verhältniß ein unwürdiges ist . Und nicht duftet dieser Wahrheitstropfen fein und süß , wie köstliches Rosenöl und befeuchtet die Zunge meines Geistes wie Honigbalsam - : bitter vielmehr mundet er wie Chinin : denn selbst zu den Gipfeln hinauf tönt das verworrene Geräusch des Marktgetriebes in den Thälern ... Ich bin ein Wesen , das im Werden tiefste , bitterste Qual - das nur im Sein Stille und Andacht und Sabbathsgenugthuung findet . Denkend betasten darf ich wohl die Bundeslade des Seins . Aber nimmer soll ich sie schauen mit den Augen meiner befriedigten , in sich wahrheitsgesättigten Seele ... Ich habe nicht Lust , länger den irdischen Proceßhansl abzugeben . Das Spiel der Kräfte ist wohl ein fürtreffliches Ding - aber manch ' Einer findet es abgeschmackt , langweilig , dieweil es nur seine Arme und seine Beine wünscht , die Himmelsflügel aber seines Geistes zusammenschrumpfen und sich thatlos entfedern läßt . Kleinsein mit dem Gewürm - und sich behagen am Farbenspiel des Regenbogens mit einem kleinen Aufblick einer verschüchterten , verkümmerten Menschen seele : das ist der Lauf der Welt . Ich aber habe den Drang und die stolze Sehnsucht , auf den Brückenstufen dieses Regenbogens zu dem Reiche des ewiglich Unbedingten emporzuklimmen . Dahin stürmen die Wünsche meiner Seele . Und ich ging auf den Markt , und auf meine Freiheit war ich bedacht , indem ich mit dämonischer Zärtlichkeit das Bewußtsein meines Gegensatzes großsäugte . Oh ! Ich Culturbursche ! Ich pflückte die Orangen der Sünde , wie die Anderen ; ich spann die feinen und groben Fäden der Lüge wie die Anderen ; - und heimisch wurde ich im Alphabet der Hinterlist und Gemeinheit , wie kein Zweiter . Und es ekelte mich vor mir und ich ging in die Einsamkeit . Aber nachwirken spürte ich den Giftathem der Welt - ich war gemünzt - und ich besudelte die keusche Majestät der Einsamkeit . Ich ward ein tragischer Zwerg . Ich wollte mich über mich erheben , indem ich mich vor mir erniedrigte . Aber der Markt der verbogenen , verlogenen und befangenen Zeitlichkeit hatte schon das Brandmal in meine Schächerseele gedrückt , das Brandmal , das da verrieth : auch ich habe schon in seinem Solde gesündigt . Und ein Zweites offenbarte mir die Einsamkeit mit zermalmender Deutlichkeit : die