ersetzen . » So bedank ' dich auch bei deiner Mutter dafür ! « sagte der Marschallik . Als es Sender tat , wurden die Augen der alten Frau starr vor Erstaunen und Bewunderung . » Reb Itzig « , rief sie , » warum hat Euch Gott nicht Minister werden lassen ? « » Weil er weiß « , erwiderte er , » daß dazu weniger Verstand gehört , als zu einem richtigen Marschallik . Also - morgen bringen wir die Sach ' mit dem Rabbi ins reine und nächsten Sonntag trittst du bei Dovidl ein . Frau Rosel , wenn Ihr glaubt , daß ich ' s verdient hab ' , so tät ' ich um ein Gläsele Met bitten ! « Achtzehntes Kapitel Es war mehrere Wochen nach dieser Unterredung , ein Junimorgen , aber schon um die zehnte Stunde brannte die Sonne versengend nieder . Die Gassen von Barnow lagen verödet ; auch jene lieblichen Vierfüßler , die sie sonst mit fröhlichem Gegrunz erfüllten , die Schweine , deren Mästung der Haupterwerbszweig der wenigen christlichen Bürger war , hatten sich in die Höfe zurückgezogen , wo es noch Pfützen gab ; die Schlammlachen auf den Straßen waren eingetrocknet . Vierzehn Tage hatte es kein Tröpfchen geregnet , jeder leichte Windhauch wirbelte Staubwolken auf . Aber er regte sich selten ; dumpf und schwer lag die heiße Luft über den schmutzigen Gäßchen , den verwahrlosten Häusern , und Düfte erfüllten sie , Düfte - kein Mensch konnte sie auf die Dauer ertragen , wenn er nicht ein geborener Barnower war . Das focht unseren Sender nicht an , er war ' s ja . Und erträglicher als in den meisten anderen Stuben von Barnow ließ sich noch in seinem » kaiserlich-königlichen Lacal « verweilen . Denn so lautete die Inschrift der Tafel über Dovidl Morgensterns neuem Gassenladen : » K.K. Lacal der Loto-Colectur für Barnow und der ganzen Umkegend ! « Den größten Raum dieser Tafel aber nahm ein großer , wenn auch etwas seltsam gemalter Doppeladler ein , und so war es nicht ganz überflüssig gewesen , daß Dovidl darunter in hebräischen Lettern hatte setzen lassen : » Kaiserlicher Adler ! Hier wird gewonnen ! Ein Terno macht jeder ! « Denn Adler hatte nun auch sein Konkurrent Luiser Wonnenblum an die Tür heften können , sogar deren drei , aber das waren nur die Wappen der Versicherungsgesellschaften , deren Vertretung ihm nach dem Hintritt des würdigen Koscielski zugefallen war . » Luisers Hühnerstall « , wie sie Dovidl nannte ; es lag eine Welt von Verachtung in diesem einen Wort . Unter den Fittichen des kaiserlichen Tiers also , an einem mächtigen Schreibtisch , der durch eine Barriere vom Raum für das Publikum getrennt war , saß Sender jenes Vormittags und blickte aus der Kühle auf die Straße hinaus . Er sah nun wohler aus als vor der Krankheit , seine Augen waren glänzender , die Bewegungen ruhiger . Auch die Kleidung bewies , daß aus dem geduldeten Uhrmacherlehrling nun ein wohlbestallter Lotterieschreiber geworden , noch mehr , eine Art von » Deutsch « . Der neue Kaftan hatte den üblichen Schnitt , aber er war doch etwas kürzer als früher , und ebenso schienen die Wangenlöckchen gestutzt . Kurz - alles hatte sich mit ihm zum Besseren gewandelt . Trotzdem nagte er in diesem Augenblick mißmutig an der Unterlippe und blickte ungeduldig nach der Tür . » Er kommt nicht « , murmelte er , » und wenn er kommt , so bringt er ' s nicht . « » Sender « , klang die Stimme seines Herrn und Meisters aus dem anstoßenden Gemach ; es war die » Prifat-Agentschaft « , wo Dovidl Morgenstern nach wie vor , » Rath in alle Sachen « erteilte . » Ich bin fertig ; schreib ' s ab . « Aber noch ehe sich der Schreiber erheben konnte , öffnete sich die Tür und Dovidl kam hereingestürzt . » Es eilt ! « rief er und legte zwei vollgeschriebene Foliobogen vor Sender hin . » Die Rubra ist : Chaim Fragezeichen und Naphtalie Ritterstolz contra Schlome Rosenthal wegen Verleumdung ... Eilt ! « wiederholte er . » Rubrum heißt es « , erwiderte Sender gleichmütig . » Aber warum eilt es ? Vielleicht wächst inzwischen Reb Schlomes Bart nach . Das kann doch für unsere Mandanten nur gut sein . « » Mandanten ! « rief Dovidl heftig . » Gebrauch keine Ausdrücke , die du nicht verstehst . Übrigens heißt es wirklich Mandanten . Aber warum wär ' das gut für sie ? Was kümmert das sie , ob dieser Schlome einen Bart hat oder nicht ? « » Freilich kümmert sie das eigentlich nichts ! Aber eben darum hätten sie ihn ihm nicht ausreißen sollen ! « » Ausreißen ? « rief Dovidl . » Wer hat ausgerissen ? Unsere Mandanten ? Und das sagst du , mein Schreiber ? Ich fahr ' aus der Haut . « » Aber sie sagen ' s doch selbst « , wendete Sender ein . Es war ein Pädagogenstreit gewesen , der die Gemüter der Barnower in großen Aufruhr versetzt . Sender freilich war unparteiisch geblieben ; » sie waren ja alle nacheinander meine Lehrer « , meinte er , » und ich hab ' sie alle gleich lieb . « Schlome Rosenthal war mit Naphtali Ritterstolz , dem Liebling des Rabbi , über die Auslegung einer schwierigen Talmudstelle in Streit geraten . Chaim Fragezeichen hatte Naphtali unterstützt , zunächst durch die Schärfe seiner gelehrten Gründe , dann , nachdem der Streit in Tätlichkeiten ausgeartet , durch die seiner Fingernägel ; Schlome hatte schließlich die Flucht ergriffen , aber sein halber Bart war auf der Wahlstatt - Naphtalis Studierstube - geblieben . Schlome hatte zunächst den Rabbi als Schiedsrichter angerufen , dann aber , als dieser für seinen Liebling entschieden , durch Morgenstern die Klage beim k.k. Bezirksamt angestrengt . » Sie sagen ' s selbst !