geschlossen ; wenn er gegen Mittag aus der Stadt zurückkehrte , stand der Geburtstagstisch gedeckt ; darauf Mutter Hannas Rosinenkuchen mit achtzehn brennenden Wachsstöckchen ringsherum und dem dicken Lebenslicht in der Mitte . Daneben die Briefe und kleinen Angebinde , die in den letzten Tagen von den sechs fernen Schwestern eingetroffen und sorgfältig verborgen worden waren . Und welch ein Prachtstück von Johanniskranz wird das liebe Röschen gewunden haben ! Und was mag es nur sein , was sie seit Wochen hinter seinem Rücken gekniffelt und hastig mit einem Tuche bedeckt hat , sobald er das Zimmer betrat ? Goldene Sternchen auf blauem Grund , soviel hat er herausgeblinzelt . Am Ende eine Tasche , um seine Kassenscheine darin auf der Brust zu bergen , da er durch das Werbensche Stipendium ja in Bälde ein Rentier werden wird . Oder gar eine Mappe , in welcher die teueren Heimatsbriefe für ewige Zeiten verwahrt werden sollen . Abend für Abend will ja das liebe Röschen schreiben , was am Tage vorgefallen oder ihr eingefallen ist , und jeden Sonnabend soll der Wochenbrief abgehen , um ihrem alten Dezem den Sonntag erst recht zu einem Festtage zu machen . Nach der Bescherung gab es dann ein Leibgericht . Ganz gewiß die ersten grünen Erbsen des Jahres und dazu Schwemmklöße und Schinken ; vor dem Abendsegen aber noch irgend etwas Lustiges , vom lieben Strudelköpfchen ausspintisiert . Heute würde die junge Schloßgesellschaft gekommen und gesungen und gesprungen worden sein , - wenn das Testament nicht gewesen wäre . Röschen hatte schon gestern ärgerlich gesagt : » Die alte Harfenkönigin hätte auch was Klügeres tun können , als sich gerade einen Monat vor deinem Geburtstage einmauern zu lassen . Ich sehe es kommen , Dezem , mein hübsches Plänchen fällt mir in den Born . « Als Dezimus im Trabe aus der Stadt zurückkehrte , begegnete ihm , nahe dem Schlosse , der Vater , der sich zur Testamentseröffnung begab . Er war im Ornat und tief bewegt . Sollte doch über das Wohl und Wehe einer Familie , an der er den innigsten Teil nahm , in dieser Stunde entschieden werden . » Du mußt dich mit der Bescherung gedulden , bis ich heimkomme , mein Sohn , « sagte er und ging in den Hof . Der Justitiarius überholte ihn : » Rüsten Sie sich mit starken Nerven , Freund , « rief er ihn an ; » ich wittere eine Tragikomödie , wie sie im Buche steht . « In der Nähe der Pfarre kamen die drei jüngsten Schloßkinder mit Röschen Dezimus entgegen . » Wir haben uns Ihre Schwester geholt , weil uns allein angst und bange wurde , « sagte Priszilla . » Kommen Sie auch mit auf die Terrasse , guter Dezimus . Die Eröffnung muß gleich vor sich gehen . « Naturgemäß hätte Dezimus Hunger spüren müssen , und er hatte ihn auf dem Wege auch weidlich gespürt . Aber die Spannung vertrieb ihn plötzlich ; er ging mit auf die Terrasse . » Ach , was für ein schrecklicher Tag , lieber Dezimus , « klagte das freundliche Backfischchen Phöbe , das sich an seinen Arm gehängt hatte . » Mama zerfließt in Tränen , Papa sieht aus wie der liebe Heiland am Kreuze , und sogar Lydia , die doch sonst immer so ruhig ist , zittert . Bei Tische haben nur der Herr Magister und Philipp ordentlich gegessen ; ich bloß ein kleines bißchen Mehlspeise . Max hielt es schon am Morgen nicht mehr aus ; er hat sich mit der Cousine vom Pächter in die Stadt fahren lassen . Sie sind aber schon wieder da . Sie haben die Verlobungsringe abgeholt , die gleich die Trauringe werden sollen , und jedem von uns etwas Nettes mitgebracht ; mir ein Korallenkreuzchen . Ich darf es freilich , solange wir Trauer tragen , nicht umhängen . Ach , es ist so hübsch in Werben , seitdem die Verwandten da sind . Glauben Sie , daß wir fortmüssen , lieber Dezimus ? « » Nein , das glaube ich nicht , Fräulein Phöbe , « antwortete Dezimus mit Überzeugung . » Ihre selige Tante wußte , wie wert Ihrer Frau Mutter dieser Aufenthalt war , und Ihre Tante hatte ein sehr gütiges Herz . « » Ein gütiges Herz ? Ach , wie mich das freut ! « rief die Kleine . » Höre nur , Priszilla , Dezimus behauptet , Tante Thusnelda habe ein gütiges Herz gehabt , und der Herr Magister hat doch gesagt , sie wäre eine Heidin gewesen . « » Gütig können auch Heiden sein , Fräulein Phöbe , « belehrte Dezimus mit Würde . Das erste Merkzeichen seines geistlichen Berufs . » Mir ist es ganz egal , ob wir hierbleiben , oder wo wir hinziehen , « fiel Bruder Philipp ein . » Wenn ich nur kein Pastor werden muß . Ich will Soldat wie mein Martin werden . « » Das darfst du ja nicht werden , Philipp . « » Ich will aber , und damit Punktum ! « rief Philipp , mit den Füßen stampfend . Sie hatten die Terrasse erreicht und drängten sich in eine Gruppe unter dem Ahnensaale zusammen . Eine Weile blieb noch alles still . Dann ertönte die Orgel . Ohne einen gewissen feierlichen Apparat durfte im pröpstlichen Hause kein irgend wichtiger Akt vor sich gehen . » Lydia spielt : Befiehl du deine Wege ! « flüsterte Priszilla . Die Fräulein falteten die Hände , und auch Dezimus betete das gute Lied im Herzen nach , bis die Orgel schwieg . Alle blickten gespannt in die Höhe . Max öffnete einen Fensterflügel , verschwand jedoch alsobald von ihm . Bei aller Zuversicht mochte ihm schwül geworden sein , während der Justitiar die Siegel des verhängnisvollen Schriftstückes löste . Auch Dezimus wurde schwül zumute . Seltsamerweise richteten seine Wünsche sich indessen lediglich auf Lydia , da doch sonst nichts reich und groß