fahlen Stoppelbart : » Hätt ' ein Wörtel zu reden mit dem Herrn Pfarrer . « Der Pfarrer bietet ihm freundlich einen Stuhl . » Hätt ' ein kleines Anliegen , « sagt der Mann und bleibt auf seinem Flecken stehen , » bin der Branntweinbrenner vom Miesenbachwald , ein armer Teufel , der sich seinen Brotgroschen hart muß erwerben . Arbeiten mag ich gern , so lang ' mir altem Manne Gott das Leben noch schenkt , wiewohl mich die Leute schon niederdrucken möchten und mir die Kundschaften abzwicken . « » Setzet Euch , « sagt der Pfarrer , » Ihr seid erhitzt , seid etwan recht gelaufen ? « » Gar nicht . Hübsch stad bin ich gegangen und hab ' unterwegs gedacht bei mir selber , daß keine Gerechtigkeit mehr ist auf der Welt , und bei keinem Menschen mehr - bei gar keinem , er mag noch so heilig ausschauen . Was ist denn das für ein Pfarrer , der einem armen Familienvater seiner Gemeinde das letzt ' Stückel Brot aus der Hand und schlägt ? - Ist und trägt schon die ehrlich ' Arbeit nichts , recht , so muß einer halt stehlen , rauben ; wird wohl besser sein , als wenn ein armer , abgematteter so ein Tröpfel Branntwein in den Mund tut ; - ist ja der Höllbrunnen das ! « Der Mann schnauft sich aus ; der Pfarrer schweigt ; er weiß , daß er den Sturm vertoben lassen muß , will er bei ruhigem Wetter säen . » Und wer den Höllbrunnen braut , « fährt der Mann fort , » der muß wohl mit dem Teufel bekannt sein . Die Leut ' schauen mich auch richtig für so einen an . Sollen recht haben . Aber wenn ich schlecht bin , aus mir selber bin ich ' s nicht . Und wer mir mein Geschäft verdorben , der wird wohl anderweitig für mich sorgen , Herr Pfarrer , umsonst bin ich nicht da ! « Der Branntweiner vergißt ganz seine gewohnte Geschmeidigkeit und nimmt schier eine bedrohliche Stellung an . » Wenn Ihr der Branntweiner vom Miesenbachwald seid , « sagt der Pfarrer in seiner Gelassenheit , » so freut es mich , daß ich Euch sehe . Da Ihr so selten nach Winkelsteg herauskommt , so habe ich schon zu Euch gehen wollen . Wir müssen miteinander reden . Ihr gebt den Winkelwäldlern keinen Branntwein mehr , da seid Ihr ein Ehrenmann , ein großer Wohltäter der Gemeinde . Ich danke Euch , Freund ! - Und auch Euere Umsicht ist sehr zu loben . Es ist doch wahr , daß Ihr jetzt mit den Kräutern und Harzen und Wurzeln Arzneien , Öle und kostbaren Balsam bereitet und draußen im Lande dafür Abzugsquellen suchet . Ich gehe Euch nach meinen Kräften und Erfahrungen gerne dabei an die Hand . Ei gewiß , das ist ein guter Griff , den Ihr gemacht habt , und in wenig Jahren seid Ihr ein wohlhabender Mann . « Da weiß der Branntweiner gar nicht , wie ihm geschieht . Er hat gar keinen Griff gemacht , hat niemals an Balsam und Öl-Erzeugung gedacht ; aber die Sache kommt ihm auf der Stelle so vernünftig und faßlich vor , daß er dem Pfarrer nicht widerspricht und schmunzelnd als angehender Balsam-Erzeuger den Kopf wiegt . » Und solltet Ihr , lieber Freund , vorläufig etwas für Weib und Kind benötigen - mein Gott , zu Anfang behilft man sich , wie man kann - so mag ich gerne , gerne mit einer Kleinigkeit dienen . Ich bitt ' Euch recht , mich ganz als Euren Freund zu kennen ! « Der Hannes hat ein unverständliches Wort gebrummt , ist aus dem Hause gestolpert , hat seinen Knittel über den Rain geschleudert . In der Fastenzeit 1832 . Die kirchliche Behörde fängt wieder an . Ihr ist unser Pfarrer noch immer nicht rechtmäßig genug ; sie will ihm die Kirche verschließen . Die Kirche , die wir gebaut haben mit Mühe und Sorgen . Es ist still genug in unserer Kirche ; Vater Paul hält den Gottesdienst in den Krankenstuben und auf dem Friedhofe . Die Leute kommen nur mehr in den Särgen zur Pfarrkirche heraus . Die Seuche ist zur » Sterb « geworden . Die Schule ist schon seit Monaten geschlossen . Es geht die Sage , der Pfarrer wäre schuld an der Seuche , da er das Branntweintrinken abgesagt . Der Branntwein sei das allersicherste Mittel gegen Ansteckungen . Der Hannes lauert . Erst jetzt lehnt sich sein Stolz auf gegen den Pfarrer , dessen Schalkheit und Milde er vor wenigen Wochen unterlegen ist . Es ist ein immerwährender Kampf gegen das Geschick und gegen die Bosheit . Wer ausharrt im Ringen und in seiner inneren Überzeugung , der erlangt das Ziel . Das ist ein schönes Wort , aber ich habe es noch nicht recht erproben können . Am 22. März 1832 . Heute ist unser Pfarrer gestorben . Zwei Tage später . So hat sich noch keiner selbst erlöst , wie dieser Mann - dieser seltsame Mann , der an einem Fürstenhof regiert , in Indien gepredigt und in der Höhle des Felsentales gebüßt hat . Alle Irrpfade des Priestertums hat er durchwandeln müssen , bis er das Wahre gefunden : den Armen im Geiste ein Helfer und Freund zu sein . Er hat sich in den Häusern der Kranken seinen Tod geholt . Die Verlobung des Lazarus Schwarzhütter mit der Juliana Grassteiger hat er gesegnet . Ein kleines Unwohlsein hat ihn von der Feierlichkeit weg auf seine Stube gerufen . Er hat sie nicht mehr verlassen . Und ein guter , getreuer Hirt , hat er uns in seiner letzten Stunde noch das Bedeutsamste gelehrt , das Sterben . Wie ein lächelndes Kind ist er entschlummert . Wir , die wir es gesehen , fürchten keiner mehr das Sterben ; und wir haben uns gelobt , nach seinem