blieb er lange weg , bis er eines Tages kam und mich von Charlotte und Madame Godin trennte ... Das ist alles , was ich Ihnen sagen kann . « » Es genügt vollkommen , « sagte Eckhof . » Herr Claudius mag schon früher in das Geheimnis eingeweiht gewesen sein und seine Frau Schwägerin zu Neffen und Nichte begleitet haben ... Die Prinzessin ging ja fast immer nach Paris , wenn der Herzog mit seinem Adjutanten verreiste . « Er schob seinen Arm unter den des jungen Offiziers . » Jetzt heißt es vorsichtig forschen und handeln , wenn wir unser gemeinsames Ziel erreichen wollen , « sagte er langsam mit Dagobert in den Wald hineinwandelnd . » Von der Fliedner , die allein um alles weiß , erfahren Sie natürlicherweise niemals ein Sterbenswort - eher ließe sie wohl Holz auf sich spalten ! ... Nicht wahr , wie unschuldig und harmlos sie thun kann , die - alte Katze ? ... Die Hofdame , der Reisemarschall und der Leibarzt , der damals auch in der Karolinenlust aus und ein ging , alle sind sie tot - « » Und Madame Godin auch - seit langen Jahren , « setzte Dagobert tonlos hinzu . » Nur Mut , die brauchen wir nicht ! Wir werden schon Mittel und Wege finden , « sagte Eckhof resolut - der Mann war während seiner Mitteilung völlig aus seinem biblischen Redeton gefallen . - » Aber wie gesagt , alle Hast muß streng vermieden werden , und sollten Jahre darüber hingehen . « Sie schritten weiter - Charlotte folgte ihnen nicht . Als sie sich allein sah , warf sie plötzlich die Arme hoch in die Luft und stieß mit zitternder Brust ein eigentümliches Lachen aus . Ich wußte nicht , waren es die unartikulierten Laute einer ausbrechenden , unbeschreiblichen Glückseligkeit , oder - des Wahnsinns . Genau so hatte ich meine Großmutter am Brunnen stehen sehen ... Erschrocken bog ich mich hinab - patsch , lag einer meiner Schuhe drunten im Dickicht - das kleine , benagelte Ungeheuer rasselte mit einer Vehemenz durch die Büsche , als sei es von einer Pistole abgeschossen . Charlotte stieß einen halberstickten Schrei aus . » Still , um Gottes willen ! « flüsterte ich , vom Stamm niedergleitend , und lief auf sie zu . » Unglückskind , Sie haben gehorcht ? « stießen ihre Lippen unter meiner Hand hervor - sie schüttelte diese Hand mit einer zornigen Gebärde von sich und maß mich mit entrüsteten Blicken . » Gehorcht ! « wiederholte ich tief beleidigt . » Kann ich ' s denn ändern , wenn ich auf dem Baume sitze , und Sie gehen drunten spazieren ? ... Kann ich denn schreien : Kommen Sie ja nicht hier vorüber , wenn Sie sich ein Geheimnis zu sagen haben , denn ich sitze da und will mich um keinen Preis vor dem alten Manne sehen lassen , der mich stets so zornig anschnaubt ? ... Und warum soll ich denn durch aus ein Unglückskind sein ? Glücklich bin ich , so glücklich und vergnügt , daß ich ' s nicht aussprechen kann , Fräulein Charlotte ! ... Nun ist ja alles gut ! Nun dürfen Sie stolz sein ! Denken Sie doch nur , die Prinzessin Margarete ist ja Ihre Tante ! « » Gott im Himmel , wollen Sie mich denn zu Tode martern ? « schrie sie auf und schüttelte mich so gewaltig an der Schulter , daß ich wie eine Flaumfeder hin und her flog . Dann ließ sie mich plötzlich los und ging wie vorhin mit starken Schritten auf und ab . » Glauben Sie nichts - ich glaube auch kein Wort ! « sagte sie nach einer langen Weile scheinbar ruhiger , wenn auch ihre Brust wogte und der Atem flog . » Der Alte dort ist kindisch geworden - sein Muckergehirn hat vor Zeiten schwer geträumt , und nun meint er , eine längst verstorbene Frau habe ihm das Märchen erzählt ... Einen leisen Anflug von Wahrscheinlichkeit erhält die Sache nur durch unsere Adoption von seiten des Onkels - niemand hat bisher begriffen , weshalb er sich unser angenommen , und ich füge in meinem Herzen stets nachdrücklich hinzu : Aus Barmherzigkeit ganz gewiß nicht ! ... Mich könnte nur eine Wanderung durch die Bel-Etage der Karolinenlust überzeugen , inwieweit die Erzählung des Alten auf Thatsachen beruht . Es ist mir unmöglich , zu denken , daß die stolze Prinzessin - einen stark ausgeprägten Fürstenstolz hat unser ganzes herzogliches Haus - heimlich vermählt in der Karolinenlust gelebt haben soll ... Ich will darauf schwören , wenn man heute die Siegel von den Thüren lösen dürfte , man fände nichts , nichts , als eine elegante Junggesellenwirtschaft , das Heim eines alleinlebenden jungen Herrn ! « - » Schwören Sie nicht , Fräulein Charlotte ! « unterbrach ich sie flüsternd - mir war zu Mute , als sei ich berauscht , als wirble mir das Gehirn durcheinander . - » In den Zimmern hängt ein seidener Frauenmantel , und auf dem Schreibtisch liegen Briefbogen , und Sidonie , Prinzessin von K. steht drauf - das muß sie selbst geschrieben haben , so fein schreibt mein Vater nicht und Herr Claudius auch nicht - ich glaube , so schreibt nur eine Frau . « Sie starrte mich an . » Sie sind drin gewesen ? ... Hinter den Siegeln ? « » Ja , ich bin drin gewesen , « versetzte ich rasch , wenn auch mit niedergeschlagenen Augen . » Ich weiß einen Weg , und ich will Sie hinaufführen in die Zimmer , aber erst - wenn Ilse fort ist . « In dem Augenblick , wo ich den Namen Ilse aussprach , überkam mich ein unaussprechliches Angstgefühl . Mir war , als stünde sie neben mir mit warnend gehobenem Zeigefinger , und als hätte ich Böses gethan , das nie , nie wieder auszulöschen sei ... Es tröstete