passiert , sitzt ein alter guter Freund von uns , der sehr edle Junker Hennig von Lauen aus Krodebeck , der nun wiederum einige Jahre älter geworden ist , einiges in diesen Jahren erlebte , den wir als einen ganz verständigen Menschen kennenlernten , von dessen Weltverstande es bis jetzt jedoch ebenfalls heißen mag : Aus besondrer Konsideration Wollte man stilleschweigen davon , wobei das übrige im Examen des Kandidaten Hieronymus Jobs nachzulesen sein würde . Er kam von Krodebeck und wußte im letzten Grunde durchaus nicht , weshalb er es verlassen habe . Gesund und männlich genug sah er aus ; daß er klüger aussehe , konnte man gerade nicht behaupten , und was das schlimmste war , frei und leicht blickte er eben nicht in die sonnige Abendlandschaft hinein und nach den Kleinen Karpaten zu seiner Linken hinüber . Er trug einen schwarzen Flor um den Hut - es hatte sich manches in der Heimat verändert , seit Tonie Häußler den Lauenhof verlassen mußte . Der Junker war nicht umsonst einige Jahre älter geworden ; was aber auch geschehen sein mochte , nichts war aus dem gewöhnlichen Lauf der Dinge herausgefallen , und das ist unter allen Umständen wenigstens ein Trost für den wohlmeinenden und treuen Historiographen , selbst in einem Bericht wie der unsrige . Wir wissen , daß der Junker von Lauen um die Zeit , als der Edle Dietrich Häußler von Haußenbleib auf dem Lauenhofe erschien , gleichfalls im Begriff stand , den Hof für einige Zeit zu verlassen , um in Berlin die Landwirtschaft von einem höhern , geistigern Standpunkt auffassen zu lernen . Das war ausgeführt , wie es im Familienrat beschlossen wurde ; der Junker war ausgezogen gen Ahala - wie er sich jetzt auf dem Wege nach Ahaliba befand - , er war heimgekommen und mußte in der Tat sich sehr merkwürdigen und geheimnisvollen Studien hingegeben haben , denn der Lauenhof bemerkte von den Früchten derselben , weder im Guten noch im Schlimmen , das allergeringste . Fräulein Adelaide von Saint-Trouin behauptete natürlich ; sie habe doch recht gehabt ; der Ritter von Glaubigern zuckte kümmerlich die Achseln , und die gnädige Frau meinte : » Er hat wenigstens einmal frische Luft geschöpft ! « Was sie sich unter dieser frischen Luft eigentlich vorstellte , das mochte sie vor allen vier Winden Verantworten . Es war kein angenehmes Leben auf dem Lauenhofe . Der Ritter und das Fräulein schrieben viele Briefe nach Wien und erhielten viele Briefe von dort ; sonst aber kümmerten sie sich um nichts mehr und schlichen ohne Teilnahme umher oder saßen trübselig in ihren Stuben . » Ich würde einen Finger von meiner linken Hand darum geben , wenn ich ihnen dadurch ein neues Spielzeug verschaffen könnte ! « seufzte die gnädige Frau . » Es ist nicht auszuhalten ! « rief der Junker , und er hielt es auch nicht lange aus . Eines Morgens spielte er seine letzte Karte gegen diese Öde und Langeweile aus , setzte sich zu Pferde , ritt nach Halberstadt und trat als Einjähriger Freiwilliger Kürassier in das Regiment . So brachte er ein zweites Jahr nach dem Abschied Tonie Häußlers erträglich hin ; allein auch das ging vorüber , und als er dann wieder nach Hause kam , fand er daselbst das alte Leiden in derselben melancholischen Blüte und selbst seine alte brave Mutter müde , verdrießlich und verstimmt , und das war das schlimmste . » Ach , Hennig « , sprach die Gnädige , » jetzt erst sehe ich recht ein , welchen Trost und welche Hülfe ich vordem an dem Chevalier gehabt habe . Jetzt weiß niemand mehr , warum er lebt ; es ist , als habe jeder nur daran sein Vergnügen , daß er dem andern den Tag so sauer als möglich mache . Jede gute Stunde wird einem vor der Nase weggeschnappt , und allmählich kommt es doch auch mir vor , als ob in meiner Jugend alles besser gewesen sei , selbst das Wetter . In meinem ganzen Leben ist mir die Butter nicht so oft mißraten als jetzt . Mit den Leuten läßt sich auch nicht mehr wie früher verkehren ; - es ist alles anders geworden , ich verstehe die Welt nicht mehr , und so kann ich dir nicht helfen , mein Junge , du wirst die Zügel jetzt selbst in die Hand nehmen müssen , und ich werde mich hinter mein Spinnrad setzen und es wie die andern machen und den lieben Gott verlästern vom Abend bis zum Morgen und umgekehrt wie die andern . « Vergeblich hatte Hennig versucht , der Mutter diesen Vorsatz auszureden . Sie blieb fest , und der Ritter und Leutnant Karl Eustachius von Glaubigern hatte wirklich als gewissenhafter Chronist den Beginn einer neuen Regierung in das » Geschichtsbuch « derer von Lawen auf dem Lauenhofe einzutragen . Das geschah grade um die Zeit , als der Pastorenfranz nach abgelegtem altem Adam , ein ganz anderer Mensch und ein wohlbestallter , wirklicher Kandidat der Theologie , von Halle kam , um seinen Vater in der Führung seines Amtes zu unterstützen . Längere Zeit betrachtete der gottselige Jüngling den Jugendfreund und sprach sodann wehmütig-salbungsvoll und mit leisem Kopfschütteln : » Hennig , auch du hast den Weg zur Gnade noch nicht gefunden ! « Darüber ließ sich nun nicht streiten , und obgleich der Junker den frommen Freund ebenfalls eine ziemliche Weile mit einem etwas eigentümlichen Seitenblick von oben bis unten maß , so mußte er doch zugestehen , daß die Gnade freilich noch nicht bei ihm eingekehrt sei . » O Buschmann ! « seufzte Hennig fast ebenso kläglich wie der Kandidat ; allein der Ton war doch ein anderer und deutete nicht darauf hin , daß der Pastorenfranz viel dazu beitragen werde , daß das , was er die Gnade nannte , sehr bald bei diesem Sünder einkehren werde . - Der Kandidat Buschmann hatte es viel besser als der Junker von Lauen