sich ein wenig stellen und ein Gespräch mit ihr anfangen wollten , wünschte sie nur einen guten Morgen , aber nicht aus übler Laune , sondern weil ihr einfiel , daß es schon vor einer Weile sieben geläutet hatte . Da durfte sie neben und unter ihr kein Gras mehr wachsen und keinen Reifen vergehen lassen , wenn sie noch in der Küche und überall rechtzeitig fertig sein wollte , so daß die Stigerin keine Veranlassung mehr zu neuem Tadel fand . Und das sollte sie nicht . Lange genug schon hatte Dorothee hier , wenigstens halb und halb , das Gnadenbrot gegessen . Jetzt aber mochte sie nichts mehr geschenkt . Nur Magd wollte sie sein , eine fleißige , ja eine unentbehrliche Magd für ein gehöriges Hauswesen , wie das auf dem Stighof war . Dann konnte dem Vater und ihr das Gerede nicht lange schaden , welches über sie in Umlauf kam und vielleicht von heute an sogar noch ein wenig ärger wurde . » Gott und gute Menschen haben mir zu einer Zeit geholfen , wo ich selber gar nichts war als ein armes , hilfloses Ding , für das niemand als sein Elend um Hilfe , um Erbarmen flehte . Gott und gute Menschen sind aber überall und helfen , wenn man redlich das Seine tut . « So tröstete sich das Mädchen , als allerlei trübe Gedanken kommen und ihm schwer , recht schwer machen wollten . Sie dachte daran , wie wunderbar Gott sie bisher geführt , wie ihr noch nie unbelohnt blieb , was sie tat , und wieviel sie der Stigerin zu verdanken habe . Dafür wollte sie nun doch auch etwas sein in der Stunde der Prüfung und ihrer Erzieherin Ehre machen . Als Jos gestürzt , aus seiner Bahn geworfen , scheinbar vernichtet zu Hause lag , bekam Hans aus der Unterredung des Doktors mit dem Vorsteher einen Respekt vor ihm , daß es eine Freude war . Das galt ihr für ein Muster und Beispiel , daß sie sich ' s gar nicht anders gewünscht hätte . Es war ihr ordentlich lieb , noch keinen Rauch ob dem hohen Hausdach zu sehen . Das Kochen war ja ihre Arbeit , und heute wollte sie zeigen , wie leicht sie auch eine versäumte halbe Stunde wieder einzubringen imstande sei . Fröhlich sprang sie die Treppe hinauf , und ohne vorher sich umgekleidet zu haben , eilte sie in die Küche , wo sie einstweilen Wasser zum Kaffee obs Feuer bringen wollte . Noch kein Verweis der zuweilen etwas strengen Stigerin hatte sie so erschreckt wie jetzt die Entdeckung , daß hier schon gekocht worden , und ihre Stimme war unsicher , als sie , in die Stube tretend , den am großen runden Tische sitzenden Hausgenossen einen guten Morgen wünschte . » Für heute « , bemerkte die Stigerin etwas rauh , » ist ' s mit dem guten Morgen schon fast zu spät . « » Ja « , stammelte Dorothee , » verspätet hab ' ich mich allerdings , und viel ärger , als ich selbst meinte ; aber - « » Aber ! « fiel die Stigerin hastig ein . » Wenn Weihnachten auf einen Freitag fällt , so hört das Fastengebot auf , und Fleisch darf essen , wer will und bis man genug hat . Du bringst wohl auch so ein Aber mit , welches die alte Hausordnung über den Haufen wirft ? Ist ' s nicht ein Ereignis wie das , welches am Heiligen Tage gefeiert und anpsalmiert wird , wenn einmal jedermann dich ansieht und etwas dabei denkt ? Das , wirst du gewähnt haben , sei schon wert , daß man von der Regel abgehe und eine halbe Stunde Dienst versäume ? « Dem armen Mädchen war das Wasser in die Augen gekommen , es schwieg . » Ja , du kannst mir nun wieder Augen machen « , eiferte die Bäuerin , » es gibt Flecken , welche die salzigste Träne nicht mehr aus dem Lebenswandel waschen kann . « Dorothee wollte nun auch reden , doch die Stigerin ließ ihr noch kein Wort . » Kurz und gut ! « rief sie , » heut ' machest du mich nicht mehr zum Narren wie vor Jahren einmal , als ich dich in einer bösen Stunde zum erstenmal sah . Wär ' ich da nicht gar zu gut gewesen und hätte dich an uns gebunden , so hätten wir heut ' auf dem Stighof einen besseren Morgen als den , welchen du uns hintennach noch wünschen kannst . Wir haben dich emporziehen wollen , und nun drückst du uns hinab . Der faule Apfel steckt nur die frischen an . Ich hätte wohl wissen sollen , daß es gar nie anders , nie umgekehrt gehen kann , aber ich bin immer viel zu gut . « So ging es noch lange fort , bis das Mädchen endlich erfuhr , daß die Stigerin schon alles wisse , was heute in der Kirche beobachtet wurde . Es gelte , so klagte die Mutter , schon überall für eine ausgemachte Sache , daß heute sich öffentlich bestätiget habe , was über Hansen und seine Magd schon seit länger in Umlauf gekommen sei . Man sage sogar schon , Hansen wäre wohl vor kurzem beim Beichten um kein Härlein besser als ihr gegangen , wenn er auch so redlich gewesen wäre wie sie oder so klug , um die Sache richtig beurteilen zu können . » Nun darüber « , schloß die Stigerin , » haben wir noch viel zu reden . Was man so sagt unter den Leuten , ist nicht wie Siegel und Brief , darum darf man sich nie gar zu viel kümmern , aber denn doch auch nie so wenig , daß man in deiner heutigen Lage noch die Stirn hat , den Leuten eine halbe Stunde lang ohne Not groß in den Augen zu sein und wie eine Schandtafel