er einmal hochgeschätzt und innig geliebt hatte , nicht mehr die Hand zum Gruß reichen mochte , so konnte man versichert sein , daß in die Milch seiner Denkungsart ein sehr starkes Gift geträufelt war . Anastasius Bemperlein hatte Oswald Stein ganz vertraut . Er hatte ohne Furcht das Glück und das Leben geliebter Menschen in seiner Hand gesehen . Er hatte all ' seine schweren Bedenken gegen eine Verbindung , die so rasch geschlossen , die auf der so unsicheren Basis gänzlich verschiedener socialer Stellungen ruhte , bekämpft . Er hatte sich gesagt : das Alles sei ja eitel Tand im Vergleich mit dem unschätzbaren Werth wahrer Liebe . Ist doch die Liebe stärker als Glaube und Hoffnung ; wie sollte sie nicht mächtiger sein , als bornirte Vorurtheile ? - Er war schließlich dahin gelangt , in der Vereinigung Oswald ' s und Melitta ' s einen Sieg der reinen Menschlichkeit über die Barbarei der Civilisation , einen Triumph der Wahrheit über die Lüge zu erblicken . Aber auch nur auf dieser sittlichen Höhe war das Verhältniß gerechtfertigt und möglich . Sank Einer der Beiden unter das Niveau , so waren Beide verloren . Bemperlein kannte Frau von Berkow seit sieben Jahren ; er wußte , daß ihr Herz gut und treu war ; Bemperlein kannte Oswald seit eben so viel Wochen , und er glaubte , daß Oswald ihrer werth sei . Er glaubte es , weil - er mußte , weil ihm ein Zweifel an dem Geliebten seiner vielgeliebten Herrin ein Frevel schien . Und doch hatte sich dieser Zweifel an ihn herangeschlichen , langsam , leise , wie sich im Traum ein gräuliches Ungeheuer , dem wir vergebens zu entrinnen suchen , an uns heranwälzt . Er hatte diesen Zweifel bekämpft , bis er nicht länger möglich war . Melitta war von ihrer zweiten Reise nach Fichtenau , zu welcher Bemperlein vergeblich seine Begleitung angeboten hatte , zurückgekehrt ; aber , nachdem sie sich eine Stunde in Grünwald aufgehalten , sogleich mit Julius nach Berkow weiter gereist , ohne nach Bemperlein geschickt zu haben . Bemperlein erfuhr , daß sie dagewesen , erst durch den alten Baumann , der , Julius ' Sachen zu ordnen und andere Commissionen auszurichten , in der Stadt zurückgeblieben war . Bemperlein hatte mit dem alten Mann niemals über Oswald gesprochen . Diesmal fing jener selbst davon an . Er erzählte , daß Herr Stein zu gleicher Zeit mit ihnen in Fichtenau gewesen , aber , trotzdem er vom Kellner der gnädigen Frau Anwesenheit erfahren , ohne sich ihr vorzustellen , abgereist war . Hier schwieg er , augenscheinlich um zu hören , wie Bemperlein diese Nachricht aufnehmen würde . Als Bemperlein aber nichts weiter , als : so , so ! - in der That ! darauf erwiderte , vermochte der Alte nicht länger an sich zu halten und schüttete sein ganzes volles Herz und damit die volle Schale seines Zornes über Oswald aus . Er habe dem Musjö vom ersten Augenblicke an nicht über den Weg getraut , und nun sei es ja sonnenklar , daß der schlechte Mensch die arme gnädige Frau schändlich betrogen habe . Ueberdies habe er , Jakob Baumann , mit der gnädigen Frau gesprochen , in aller Ehrerbietung , denn er sei nur ein Dienstmann und kenne seine Stellung , aber auch mit allem Ernst , denn er habe sie als Kind auf den Armen getragen und sie immer väterlich geliebt , und sie habe ihm gebeichtet , wie sie ' s noch stets bei solchen und ähnlichen Gelegenheiten gethan , nicht ganz und nicht halb , aber für ihn , der sie so genau kenne , wie die Fläche seiner Hand , gerade genug . Und da habe er , Jakob Baumann , großes Verlangen gehabt , den Musjö , der seiner gnädigen Frau so mitgespielt , niederzuschießen , wie einen tollen Hund , und es habe wenig daran gefehlt , so hätte er es auch gethan , » einmal in der Nacht auf der Haide zwischen Grenwitz und Faschwitz . « Aber jetzt danke er doch Gott , der seinen Arm zurückgehalten und ihm dies Verbrechen erspart habe , um so mehr , » als er es nicht hat geschehen lassen , daß die Geschichte der armen gnädigen Frau das Herz brach , sondern ihr die Augen aufgethan und ihr den Weg gezeigt hat , auf dem allein für sie auf Erden Heil zu finden ist . « Welches dieser Weg sei , darüber hatte sich der alte Mann nicht weiter ausgelassen , sondern war aufgestanden und , als wolle er alle weiteren Fragen unmöglich machen , schnell zum Zimmer hinausmarschirt . Dies Gespräch , das seine schlimmsten Befürchtungen bestätigte , hatte Bemperlein tief ergriffen und es hatte den peinlichsten Eindruck auf ihn gemacht , als er noch voll von diesen Empfindungen zu Robrans kam und der Erste , der ihm dort entgegentrat , - Oswald war . Ja , diese Begegnung hatte ihn so peinlich berührt , und eine mögliche Wiederholung derselben dünkte ihn so abscheulich , daß er ganze acht Tage brauchte , sich von diesem Schrecken zu erholen , und wer weiß , wie lange er noch gebraucht haben würde , wenn Sophie nicht gekommen wäre und seiner Unentschlossenheit ein Ende gemacht hätte . Und doch hatte ihn in diesen acht Tagen so nach seiner Freundin verlangt ! Glücklicherweise traf er Sophie dieses Mal allein , als er nach einer Stunde im Wohnzimmer erschien . Franz war eben dagewesen und hatte versprochen , später wieder zu kommen . Es fiel Sophie auf , daß Bemperlein mehrmals fragte : aber wir werden doch sonst keinen Besuch haben ? und sie brachte diese Frage natürlich mit den Vermuthungen , die sie über Bemperleins Wegbleiben angestellt hatte , in Verbindung . So sagte sie denn , nachdem sie Bemperlein , der mit dem Schüreisen unablässig in den Kohlen rührte , eine Zeitlang schweigend beobachtet hatte : Nicht wahr , Bemperchen ,