gibt ihr die Stigmata der Kreuzigung und auf ihnen ruht das Auge Gottes mit ewiger Liebe . Wer sie trägt , ist Gott wohlgefällig , denn er ist Christus ähnlich - und in dieser Liebesverbindung mit Gott führt der gläubigleidende Mensch schon hienieden mitten in seiner Trübsal ein seliges Leben , weil der Friede der Seligen in ihm ist . « Ernest sah ihn an , während er so sprach , und dachte , daß auf diesem zarten durchschmerzten Antlitz die Stigmata des Kreuzes nicht fehlten - aber auch nicht die balsamischen Tröstungen der Kreuzesliebe . Er sagte : » Kein Thron der Welt ist von so verschiedenen Seiten und so zu allen Zeiten von Stürmen umbraust worden , als der Stuhl des heiligen Petrus . Der liebe Gott läßt das zu , um zu zeigen , daß Er ihn halte . Päpste in der Verbannung durch - und auf der Flucht vor Faktionen , Päpste in der Gefangenschaft - sind ganz häufige Erscheinungen in der Geschichte , und nicht selten traf die ausgezeichnetsten das Loos . Leo III. floh vor häretischen Aufrührern nach Paderborn zu Karl dem Großen . Gregor VII. starb in der Fremde zu Salerno , von einem Gegenpapst , den ein deutscher Kaiser wählte und stützte , aus Rom verdrängt . Bonifatius VIII. starb an den Mißhandlungen , welche König Philipp der Schöne von Frankreich , in Verbindung mit einer Partei des römischen Adels , ihm zufügte . Dann gerieten die Päpste während siebenzig Jahren unter die königlichen französischen Kerkermeister , welche die Faktionen in Rom auszubeuten verstanden - und lebten im babylonischen Exil zu Avignon . Später ließ Kaiser Karl V. Papst Klemens VII. in Rom belagern . Unsere Tage haben Pius VI. von französischen Republikanern , die Rom als Republik proklamierten - gefangen nach Frankreich schleppen und in der Gefangenschaft zu Valence umkommen sehen . Und wie das vorige Jahrhundert schloß , so begann das jetzige ! Napoleon Bonaparte vereinigte den Kirchenstaat mit Frankreich und hielt während der letzten fünf Jahre seiner Zwingherrschaft Papst Pius VII. in der Gefangenschaft zu Savona und zu Fontainebleau . Dann wanderte er nach St. Helena und starb auf der Felseninsel im tropischen Meere - und Pius VII. , der gottselige unüberwindliche Greis , kehrte nach Rom zurück und beschloß auf dem Stuhle Petri sein heiliges , vielgeprüftes Leben . Die Signatur , unter welcher , nach jener uralten Prophezeiung , sein Leben stand , hat sich bewährt ; sie hieß Aquila rapax der raubgierige Adler . Aber die Taube hat den Adler besiegt . « » Ja , in Wahrheit besiegt ! « rief Levin . » Und viel mehr , als man geneigt ist , ihm zuzugestehen , zwischen den politischen und kriegerischen Ereignissen , die den korsikanischen Diktator stürzten . Ich erinnere mich lebhaft des ungeheuren Enthusiasmus , der in den katholischen Herzen aufflammte , als Pius VII. auf das berüchtigte napoleonische Dekret , das im Jahre 1809 den Kirchenstaat mit dem französischen Reich vereinigte und den Papst mit einer Rente von zwei Millionen Francs pensionierte - durch die Exkommunikationsbulle antwortete . Alle Monarchen Europas litten Vergewaltigung durch jene Gottesgeißel ; die einen zitterten vor ihm und die anderen schlossen Freundschaft mit ihm , und die zertretenen Völker zähneknirrschten in Blut und in Tränen gebadet . Europa erseufzte und erlahmte unter dem Alp , ohne ihn abzuschütteln . Da schleudert der machtlose , von französischen Soldaten in seiner eigenen Residenz umgebene und der Tat nach gefangene Greis die Exkommunikation über alle , welche Gewalttat im Kirchenstaat ausüben , und läßt die Bulle am hellen Tage , angesichts der französischen Truppen , an den drei Hauptkirchen Roms anheften . Der Blitz vom Vatikan hatte zu gut getroffen , als daß Napoleon ihn , ohne Rache zu nehmen , verschmerzt hätte . In der Nacht zum 6. Juli drang der General Radet mit Gewalt in den päpstlichen Palast und entführte den heiligen Vater samt dem Kardinal Pacca , dessen Simon von Cyrene , aus Rom und Italien . An diesem nämlichen 6. Juli besiegte Napoleon in der Schlacht von Wagram Österreich . Mehr denn je war Europa geknechtet , und hohnlachend des Bannes schrieb Napoleon spöttelnd an den Vizekönig von Italien , seinen Stiefsohn : Croitil que ses excommunications feront tomber les armes des mains de mes soldats ? 5 Nun , der Tag ließ nicht lange auf sich warten , wo der ewige Gott die Bulle seines irdischen Stellvertreters ratificierte ! Zwei Jahre darauf , im russischen Feldzug , geschah buchstäblich das , was Napoleon im blinden Wahn seiner Omnipotenz für unmöglich hielt : die Waffen fielen aus den erfrorenen Händen der französischen Soldaten und der Rückzug aus Rußland war eine der furchtbarsten Niederlagen einer Armee , welche die Weltgeschichte aufzuweisen hat . Mit ihr begann die Sonnenwende des Napoleonischen Glückes und sie war eine Tat Gottes - nicht menschlicher Weisheit und Kraft . Könnte der Felsen Petri pulverisiert werden , wie der Haß der Hölle es seit achtzehn Jahrhunderten begehrt und versucht : so wäre es längst geschehen . Statt dessen werden ihre Sendlinge pulverisiert . Die Dynastie des armen Fischers ist unsterblich ! Unser heiliger Vater gehört ihr an . Man kann ihn zu Tode quälen , aber sie lebt fort . « » Ist auch über ihn eine Prophezeihung gesprochen ? « fragte Corona . » Ja wohl ! « entgegnete Ernest . » Das Wort der Weissagung über ihn heißt : Crux de Cruce . Gewiß eine großartige , gewichtige Verheißung Kreuz vom Kreuze , die ein Übermaß der Leiden andeutet . « » Wer hat denn das alles prophezeit ? « fragte sie . » Ein Bischof Malachias zu Armagh in Irland , « erwiderte er . » Welche Rätsel gehen durch die Welt , « sagte Regina , » gleichsam Dissonanzen , welche erst spät ihre Auflösung finden , und doch so groß und mächtig in der Harmonie mitwirken . « » Ich würde wünschen , daß sich die Dissonanzen der