bei seinem Anblick überrascht aufgesprungen war . » Kennen Sie mich noch , Manuel ? « hatte der Eintretende , langsam auf ihn zugehend , gefragt , aber nur ein zweifelndes Kopfschütteln war die Antwort gewesen . Da hatte sich Helmstedt neben ihn auf das Bett gesetzt und ihn an die Zeit erinnert , wo er ihn als kleinen Pedlar mit seinem zertrümmerten Krame am Broadway in New-York getroffen - hatte dem Knaben dann mitgetheilt , was dessen Oheim , der alte Isaak Hirsch , für ihn selbst gethan und wie er ihn bei seinem Tode zum Vormund Manuels eingesetzt - hatte diesem dann eine Uebersicht der Betrügereien gegeben , deren Opfer er geworden war , und ihm erzählt , wie jetzt die rächende Hand über seinen Entführer gekommen sei . - Der Knabe hatte mit großem , verständigen Auge der Erzählung zugehört , er hatte Helmstedt lange betrachtet und endlich gesagt , er erinnere sich seiner und auch dessen , was sein Oheim Isaak immer von Helmstedts Rechtschaffenheit gesprochen ; er habe schon längst Verdacht gegen Seifert gehegt , der ihn von einem Orte zum andern mitgenommen , immer unter dem Vorgeben , ihn dem alten Isaak , der ihn bei sich haben wolle , nachzuführen - ihn oft wochenlang an einem Ort unter Aufsicht anderer Leute gelassen , ihn aber immer gut behandelt habe und allen seinen Wünschen nachgekommen sei , so daß er sich endlich gar keinen rechten Grund für eine Unredlichkeit gegen ihn habe vorstellen können . Manuel hatte dann angelegentlich gefragt , wo und wie der alte Pedlar gestorben , und Helmstedt hatte von Allem , was er wußte , Bericht gegeben , wie auch dem Knaben versprochen , ihn die letzten Zeilen seines Oheims lesen zu lassen , sobald sie nach der Stadt kämen . Manuel hatte sichtlich bald volles Zutrauen zu ihm gewonnen und war mit ihm nach dem Wartezimmer des Wirthshauses gegangen ; und als in den Gesprächen und Ausrufen der von dem Schauplatz des Mordes zurückgekehrten Menschen sich jedes Wort bestätigte , was Helmstedt über die letzten Erlebnisse erzählt , als endlich der Koroner anlangte und Seiferts Reisetasche in Beschlag nahm , da rückte er , als komme eine plötzliche Furcht über ihn , dichter an Helmstedt heran und hatte sich , als Charley mit den Pferden angekommen war , bereitwillig hinter seinem Beschützer in den Sattel heben lassen . Die Sonne war eben untergegangen , als Helmstedt von seiner Wohnung aus , wo er seinen Mündel unter der Obhut Charley ' s gelassen , den Weg nach Mortons Hause einschlug . Er sehnte sich mit ganzem Herzen , dort zu sein . Als er am Morgen Little-Valley verlassen , hatte ihm der alte Doctor nur gesagt : » Sie liegt in gesundem , festen Schlaf , gehen Sie in Gottes Namen , ich stehe für Alles . Sobald sie erwacht , vielleicht am Mittag , werde ich sie nach Hause bringen lassen . « - Eine Art von Furcht beschlich ihn jetzt , wenn er an sein Wiederbegegnen mit Pauline dachte . Waren die nächtlichen Scenen noch in ihrem Gedächtniß , oder waren die süßen Worte , die immerfort in seinen Ohren klangen , schon im Paroxismus des Fiebers gesprochen ? Er scheute sich seinen Träumereien Raum zu geben , und ritt scharf vorwärts ; aber das letzte Tageslicht war schon eine Weile erstorben , als er mit stiller Befriedigung die erleuchteten Fenster von Mortons Haus erblickte . Sie war also wenigstens zurückgekehrt . - Auf dem Vorplatze des Hauses sah er in dem Lichtscheine den zerbrochenen Vorderwagen einer Kutsche liegen - eine Erinnerung an die unglückliche Fahrt . Das scheugewordene Thier hatte die Stücke jedenfalls nach Hause geschleift . Helmstedt band sein Pferd an und schritt nach dem Parlor , den er langsam öffnete . Doctor Ford lag dort bequem im Schaukelstuhle ausgestreckt und las in einer Broschüre . » Sind Sie endlich da ? « rief er , sich aufsetzend , als er den Eintretenden kannte , » entweder hat unser Kind Unrecht , oder Sie haben eine lange Jagd gehabt , Sir ! « » Wie befindet sich Mrs. Morton ? « fragte Helmstedt , dem Arzte die Hand reichend . » Danach mögen Sie selbst sehen , Sir ! « lachte der Gefragte ; » mit solchen Naturen hat unsereins nicht lange zu schaffen Sie sitzt in ihrem Zimmer und hat mir vordemonstrirt , daß sie nicht mehr krank sei und daß sie auf Sie warten müsse , da Sie jedenfalls hier sein würden , sobald Sie nur abkommen könnten . Das Warten ist etwas lang geworden , Sir , und jetzt mögen Sie sich verantworten . « Helmstedt drückte in einer seltsamen Gefühlsspannung die Augen in seine Hand und wandte sich nach dem Hinterzimmer . Es war dasselbe , in welchem er die letzte Unterredung mit Morton gehabt . Er klopfte an , und die Mulattin , noch immer mit verbundenem Kopf , öffnete ihm . Matt auf einen Divan , der Thür gegenüber , zurückgelehnt , saß Pauline und richtete sich bei seinem Eintritt mit einem hellen Lächeln der Befriedigung auf . » Hole noch ein Licht , Mary ! « sagte sie , und die Mulattin verschwand mit einer Miene voll Verständniß . Helmstedt ging auf die junge Frau zu , sah in ihre klaren Augen und fühlte seine Brust wie eingeschnürt . » Ich freue mich , Mrs. Morton , Sie so schnell hergestellt zu sehen ! « sagte er endlich . Sie blickte lächelnd zu ihm auf . » Wollen Sie sich einmal zu mir hersetzen , August ? « begann sie dann deutsch , und streckte ihm die Hand entgegen ; » wir müssen ein paar nothwendige Worte mit einander reden . « Helmstedt faßte die kleine , weiche Hand , küßte sie - mit mehr Innigkeit , als es wol die Convenienz erlaubt hätte - und zog dann einen der niedern weichen Sessel ohne Rücklehne heran , auf welchem