jenen Ritter deutend : » Kennt Ihr diesen da ? « » Das eben nicht ; ich weiß nur , daß er Eberhard von Streitberg heißt und dort mit dem Ritter von Weyspriach erst unterwegs mit seiner Begleitung zu uns gestoßen . « Ulrich sann eine Weile nach . Dann sagte er leise : » Ich kenne jenen Herrn als einen gefährlichen Wegelagerer , der auf den Landstraßen den harmlosen Kaufleuten auflauert und ehrbare Frauen überall verfolgt ; warnt die Nürnbergerinnen vor ihm , wenn Ihr den Nürnberger Rath nicht warnen wollt ! « » Das ist eine starke Anklage ! « sagte Willibald . » Ich kann sie aufrecht erhalten , wenn es sein muß ! « sagte Ulrich ; » aber Ihr wißt , wir freien Steinmetzen mengen uns nicht gern in profane Händel , und jetzt gebietet mir mein Beruf wohl eine Woche fern zu sein von Nürnberg . Kommt Ihr aber mit Frau Elisabeth Scheurl zu reden , so nennt Ihr nur im leichten Erzählerton die Namen der Ritter , die mit Euch kamen - dies thut als Gegendienst für die guten Nachrichten , die Ihr von mir empfinget . Und nun Glück auf den Weg und zur Heimkehr ! Ich denke , wir sehen uns in Nürnberg wieder ! « Als auch Willibald sich verabschiedet hatte und der ganze Zug verschwunden war , sagte Hieronymus : » Ich erkannte den Ritter auch , mit dem Du auf Tod und Leben gerungen , aber ich hatte wenig Lust mich noch einmal in einen solchen Händel zu mengen und verdenke Dir , daß Du es gethan . Frau Elisabeth mag sich von ihrem königlichen Anbeter vor einem zudringlichen Entführer beschützen lassen - das wird ihr lieber sein , als von den armen Baubrüdern , denen sie es doch keinen Dank weiß . Du aber hast einen kecken und hinterlistigen Feind , dem kein Mittel zu schlecht ist , zu seinem Ziele zu kommen , auf ' s Neue herausgefordert - denn er erkannte uns so gut , wie wir ihn erkannten . « Ulrich versetzte : » Hoffentlich erkannte er nur mich , und Du hast nichts für Dich zu befürchten . « » Das bliebe sich gleich , « antwortete Hieronymus ; » man kennt uns als unzertrennliche Gefährten . « » Wir müssen aufhören es zu sein , « antwortete Ulrich , » wenn Dir meine Handlungen Sorgen oder Verdrießlichkeiten bereiten . « » Zu diesem Vorschlag ist es zu spät ! « antwortete Hieronymus doppelsinnig . Beide gingen eine Weile schweigend nebeneinander . Da hob sich auf einem Hügel am Waldessaum das einsamstehende Kloster der Benediktiner vor ihnen empor . Das goldene Kreuz darauf flimmerte hell im Sonnenlicht , das auf den beschneiten Dächern spielte und mit seiner erwärmenden Kraft ihm einzelne Tropfen erpreßte , die sich zu funkelnden Eiszapfen gestalteten . Sie hatten nicht gar weit mehr zu gehen , da standen sie vor den Oeconomiegebäuden des Klosters , welche sich auch den Laien erschlossen - ja , als sie durch den Hof schreitend in ein hallenartiges Zimmer des Erdgeschosses kamen , saßen mehrere Wanderer darin , die hier nur eingekehrt waren , um auszuruhen und sich durch einen Trunk Meth oder Wein zu stärken . Es gehörte damals mit zu den Mißbräuchen , die am häufigsten eingerissen waren , daß , wenn auch nicht in den Klöstern selbst , doch in den ihnen zugehörigen Oeconomien Wein geschenkt ward - aus dem , was früher eine freie Gabe mildthätiger Gastfreundschaft , war eine gute Einnahmsquelle für die Klosterkasse geworden . Hier waren die Baubrüder nur eingetreten , als ein junger Novize , als solcher an seiner braunen Kleidung und dem kurz geschnittenen , aber doch nicht geschorenen Haar kenntlich , auf sie zukam und beiden nach einander die Hand drückte ; an der Art , wie es geschah , erkannten sie in ihm einen Bruder , einen freien Steinmetzen . » Gott grüße Euch und Gott leite Euch ! « rief er ; » Ich hoffte , daß Ihr diesen Morgen kommen würdet , und begab mich darum hierher Euch zu erwarten . Nun darf ich auch Euer Führer sein . Kommt mit hinüber in ' s Kloster und stärkt Euch dort erst mit Speise und Trank von der Wanderschaft - unter diesen Profanen und Laien hier ist nicht gut sein . « Eben so herzlich erwiederten die Ankömmlinge den Gruß und Ulrich sagte : » Das hätten wir nicht gedacht , hier plötzlich einen Bruder zu finden ; aber wie ist denn Dein Name ? « Und Hieronymus fragte : » Und was hat Dich vermocht , Dich aus der thätigen Mitte freier Steinmetzen hierher zurückzuziehen ? Willst Du wirklich unser lebensvolles Wirken mit der todten Ruhe hier vertauschen ? « » Mein Name ist Konrad , « antwortete der Novize , » Eure andern Fragen beantworte ich einmal später in einer ruhigen Stunde . Es ist eine traurige Geschichte - und mir blieb keine Wahl ! Einstweilen denkt daran , daß ich nicht Verachtung , sondern nur Mitleid verdiene . « Ulrich seufzte leise und betrachtete voll innigster Theilnahme den jungen Mann . Er sah blaß und abgehärmt aus . Seine dunklen Augen waren mit bläulichen Ringen umgeben , die ihren Glanz noch erhöhten . Seine ganze Haltung und sein fahles Ansehen , so wie seine heisere Stimme weckten die Befürchtung , daß er an einer verzehrenden Krankheit litt . Ulrich fühlte sich voll innigsten Mitgefühls zu ihm gezogen , indeß Hieronymus den Bruder mit einigem Mißtrauen betrachtete , der , sei es freiwillig oder gezwungen aus der Brüderschaft geschieden war , um aus einem fleißigen freien Steinmetzen ein fauler , eingesperrter Mönch zu werden - wie es Hieronymus nannte . Denn obwohl diese ganzen Brüderschaften einst aus den Klöstern und zumal aus denen der Benediktiner hervorgegangen waren , so sahen sie jetzt doch mit derselben Geringschätzung auf sie herab , wie auf weltliche Profane . Drinnen im innern Kloster ,