keine Ahnung haben ... Nicht ohne einen Anflug von Rührung ließ die ernstgestimmte Mutter die Liebkosungen ihres Kindes geschehen und folgte dann der Auffoderung , gemeinschaftlich zu berathen , wie dieser Mittag angeordnet , vor allen Dingen , welche Gäste noch und welche Kleider gewählt werden sollten . Indem Beide mit der inzwischen eingetretenen Jeannette in das Garderobezimmer traten , schritt Bartusch nachdenklich die Anhöhe herab dem Wirthshause von Plessen zu , genannt : die Krone . Ende des ersten Buches . Zweites Buch Erstes Capitel Ackermann , der Amerikaner Dankmar Wildungen befand sich an jenem Morgen wo ohne Zweifel er selbst für den Prinzen Egon gehalten wurde , in der That noch am Fuße des Schlosses Hohenberg . Seit der von dem Fremden in der blauen Blouse empfangenen Beruhigung über seinen Verlust , einer Versicherung , an deren Zuverlässigkeit er keinen Augenblick zweifelte , war sein Gemüth leicht geworden , der Freude zugänglich und auch der Freude bedürftig . Nach jeder großen abgenommenen Sorge will ja das erschöpfte Herz sich wieder füllen und stärken und wie in eine große Lücke und Leere stürzt das Leben dann nur mit so ungefesselterer Gewalt . Warum sollte er schon wieder nach der Residenz zurückkehren , jetzt , wo keine Last mehr auf seinem Gemüthe lag und sich so Manches begeben hatte , dessen nähere Entwickelung seine Neugier spannte ? Zuerst war es Hackert ' s plötzliches Verschwinden , über das er doch eine irgend zutreffende Aufklärung wünschen mußte . War ihm auch diese Bekanntschaft eine solche , von der er lieber gewollt hätte , er hätte sie nicht gemacht , so peinigte ihn doch jetzt die völlige Ungewißheit über das , was er von diesem oft aller Theilnahme würdigen und dann wieder so fremdartig abstoßenden , ja niedrig und geringfügig denkenden Menschen halten sollte . Stündlich erwartete er seine Wiederkehr . In dem Gasthause zur Krone glaubte er bestimmt , von ihm erfragt zu werden . Aber vergebens ! Jede Spur des abenteuerlichen jungen Mannes war verschwunden . In noch höherem Grade als die Enthüllung der Hackert ' schen Persönlichkeit , fesselte Dankmarn die Aussicht , hier irgendwo , wenn auch unter dem schützenden Deckmantel der ihm gelobten Unbekanntschaft , dem Prinzen wieder zu begegnen . Er konnte kaum daran zweifeln , daß der von seinem Vater so schmählich verkürzte Erbe der Hohenbergischen Besitzungen wirklich hierher gekommen war , entweder um einen Act der Pietät , ein Opfer des Herzens , zu vollziehen oder sich ungekannt von dem wahren Zustande dieser Besitzungen zu unterrichten . Die letzte Annahme schien ihm nach längerer Erwägung fast die richtigere und der Natur des Fremden entsprechendere . Denn so edel und männlich ihm Alles erschien , was der junge ihm an Jahren nur wenig vorangeschrittene Fremde in Worten und Benehmen geäußert hatte , so war doch Dankmar Wildungen schon Kenner der menschlichen Seele genug , um sich zu sagen , daß bei Egon von Hohenberg , wenn er es war , die Kräfte des Verstandes das vielleicht verstecktere oder unentwickeltere Gemüth überwogen . Wie wenig hatte er sich von dem Förster Heunisch auf dem gelben Hirsch über seine Mutter berichten lassen ! Weit mehr dagegen , besonders als sie beide vor die Thür des Wirthshauses gegangen waren und Dankmar ihr lautes Gespräch hören konnte , hatte er der gegenwärtigen Verfassung dieser seiner mehr als zweifelhaft gewordenen Besitzungen nachgeforscht . Dankmar griff in solchen Beurtheilungen nicht fehl . Wie sich eine seelenvolle , rein gemüthliche Natur äußert , konnte er durch keinen Vergleich sicherer treffen , als durch den mit seinem theuern , ältern Bruder Siegbert , der einen kindlichen Glauben an die Menschen besaß und die Jahre , die er vor Dankmarn voraus hatte , nur gewonnen zu haben schien , um immer wärmer , immer ergebener und nachsichtiger zu fühlen , während Dankmar dagegen schon an sich selbst gestehen mußte , daß er mit jedem Jahre , an dem sein Alter zunahm , im Gegentheil kälter zu denken lernte . Die Kälte des Fremden schien ihm nicht Kälte des Herzens , sondern gerade auch diese Kälte der Erfahrung , diese Kälte des Unglücks und des innersten Mismuthes . Aber auch von diesem Fremden sah Dankmar nichts mehr . Zu den Behörden zu gehen , seinen Verlust dort noch einmal anzuregen , schien ihm , nach dem tiefen moralischen Eindruck der Versicherung des angeblichen Egon , nicht mehr nothwendig . In der Schmiede , wo er vorsprach , hatte er einen stumpfsinnigen tauben jüngern Gesellen , den Zeck Sohn angetroffen , der keine einzige seiner Fragen beantworten konnte . Mit dem ältern , dem Zeck Vater , schien es ihm anfangs , als würde er , wenn er viel forschen müßte , noch schlimmern Stand haben ; denn dieser war stockblind . Die Unruhe , die den großen athletisch gebauten alten Mann ergriff , wie Dankmar sich als Eigenthümer des neulich geraubten Frachtgutes zu erkennen gab , fiel ihm allerdings auf . Allein einem Verdachte gab er keinen Raum und konnte es nicht , da die Aussagen des Blinden mit denen des Fuhrmanns stimmten . Kannte er doch auch hinlänglich diese , man möchte sie geistig halbwüchsige Menschen nennen , aus seiner eigenen juristischen Praxis ! Er wußte ja , wie selbst der Unschuldigste vor einem Richter zittert und sich verfärbt , wenn man ihn eines Verbrechens zeiht und mit allen in solchen Fällen üblichen Feierlichkeiten inquirirt . Hatte er nicht Fälle erlebt , wo diese beschränkten Menschen , besonders wenn sie in einer gewissen religiösen Dumpfheit lebten , unter den Fragen eines Richters so über sich in Unklarheit geriethen , daß es ihnen allmälig wurde , als hätten sie in der That , vielleicht in einem unzurechnungsfähigen , von bösen Geistern ihnen angezauberten Zustande , die Verbrechen begangen , deren sie verdächtig erscheinen sollten ! Des Menschen Seele ist ein schüchtern Ding , ein zitternd flimmerndes Beben . Nur darin erschien Dankmarn der alte Zeck wunderlich , daß er bei seiner Mittheilung , Zeck möchte