nur nicht sehen sollte , er trage Schuhe . - Es kam ihm so fremdartig vor , daß er sich ihrer ordentlich schämte . » Ich bin wirklich froh ! « sagte Adele lächelnd , als der alte Mann endlich über die Fenz gestiegen war und hinter den dichten Büschen der Waldung verschwand , » daß wir ihn so weit gebracht haben . In seinen Jahren ist es doch sicherlich gefährlich , dem Wetter auf solche Art zu trotzen . « » Mich wundert , daß er ' s that , « meinte Mrs. Lively , » das hab ' ich aber nur Ihnen zu verdanken , meine gute Miß - so gern er mich hat , mir zu Liebe hätte er sie im Leben nicht angezogen . Jetzt will ich aber auch sehen , ob ich ihn nicht dabei behalten kann , und wenn er mir eine Weile die Schuhe getragen hat , ei , dann schwatz ' ich ihm am Ende auch noch die wollenen Socken auf ! « Gute Mrs. Lively - wie Du in Deiner Unschuld da so freundliche Pläne auf rindslederne Schuhe und wollene Socken bautest ! - Hättest Du Deinen Alten in demselben Augenblick , wo Du Dich Deines Sieges freutest , gesehen , Deine kühnen Hoffnungen würden sich nicht zu solcher Höhe hinauf geschwungen haben . Und was that old man Lively ? Er schritt langsam und vorsichtig , als ob er auf Eiern ginge , in dem theils ungewohnten , theils verhaßten Schuhwerk wirklich in den Wald , wie es seine Frau von ihm verlangt . Kaum aber hatte er das düstere Dämmerlicht der Holzung betreten , da warf er den Blick zurück und schaute sich um , ob er die Heimath noch von da aus , wo er sich gerade befand , erkennen könne . Ja - er sah durch die Büsche den hellen Schein der Häuser schimmern . - Weiter wanderte er , noch etwa hundert Schritt , bis er zu einem kleinen Dickicht von Dogwoodbäumen kam , das tief versteckt im stillen Haine lag . Und was that old man Lively hier ? Er lehnte vorsichtig seine Büchse an einen Hickory , band sich dann beide Schuhbänder wieder eins nach dem andern auf , zog die Schuhe aus , hing sie sorgsam oben hinein in den laubigen Wipfel eines niedern Dogwoodbusches , streckte dann das linke und dann das rechte Bein , als ob er irgend ein lähmendes oder beengendes Gefühl hinausdehnen wollte , schulterte auf ' s Neue , aber diesmal viel rascher und freudiger , seine Büchse und zog nun mit so schnellen und lebhaften Schritten in dem leise rauschenden Walde hin , und lächelte dabei so stillvergnügt und selbstzufrieden in sich hinein , daß gewiß Jeder , der ihn so gesehen hätte , seine recht herzliche Freude an ihm gehabt haben müßte , ob er auch barfuß , mit den hornigen Sohlen durch gelbes Laub und dürre Aeste dahinschritt . Von dem Tage an weigerte sich Vater Lively nie , wenn seine Frau ernsthaft in ihn drang , die Schuhe anzuziehen . Sonderbar war es aber , daß er dann auch stets genau wieder an derselben Stelle aus dem Walde kam , wo er diesen zuerst betreten hatte . Seine Frau wußte nicht warum - er aber desto besser . Er mußte ja die aufgehangenen Schuhe erst wieder anziehen , ehe er sich vor dem Hause durfte blicken lassen . 17. Doctor Monrove und Sander . Die beiden Ladies hatten sich jetzt zum Aufbruch gerüstet , ihre Pferde waren vorgeführt , und nur Sander fehlte noch , sie zur Stadt zurück zu geleiten . Obgleich dieser aber recht gut fühlte , wie man auf ihn allein warte , ja es sogar für ganz in der Ordnung fand , daß er die Damen , die er herausgeführt , auch wieder zurückgeleite , so konnte und wollte er doch , aus den schon früher angegebenen Gründen , den Platz jetzt unter keiner Bedingung verlassen . Eine Ausrede mußte aber gefunden werden , und da ihn die in den Dornen zerrissenen Kleider nicht länger entschuldigen konnten , indem ihn Cook sehr bereitwillig mit einem von seinen eigenen Anzügen versah , so bat er Mrs. Danton um wenige Worte unter vier Augen . Hier erklärte er ihr , der Doctor Monrove sei ein verzweifelter Mensch , dem nur daran zu liegen scheine , die Leiche unter sein Scalpel zu bekommen . Er selbst aber habe Medicin studirt und fühle sich überzeugt , daß der unglückliche Verwundete durch sorgsame Behandlung noch gerettet werden könne ; verließe er ihn aber in diesem Augenblick , so sei er rettungslos verloren . Natürlich beschwor ihn Mrs. Danton , wie er das auch vorausgesehen hatte , nicht von des Armen Seite zu weichen , und dankte ihm zugleich für die Theilnahme , die er für einen , wenn auch verbrecherischen , doch immer unglücklichen Menschen zeige . Sie selbst hätten den Weg schon mehrere Male allein zurückgelegt und hofften nur , ihn bald , und zwar mit recht guten Nachrichten , wieder bei sich zu sehen . Sander versprach das auch und bat nun Miß Adele , der Mrs. Dayton mit wenigen Worten den Stand der Dinge erklärte , ihm nicht wegen seines jetzigen Mangels an Aufmerksamkeit zu zürnen . Er hoffe aber , vielleicht schon heut Abend , den Verwundeten so weit versorgt zu sehen , daß dieser wenigstens seiner Hülfe entbehren könne , und er würde dann augenblicklich nach Helena zurückkommen , um die junge Dame der Freundin zuzuführen . Adele konnte natürlich hiergegen nichts einwenden . Alle kannten ja auch den Doctor Monrove und fürchteten den entsetzlichen Menschen , von dem das Gerücht vielleicht noch schrecklichere Sachen erzählte , als verbürgt waren . Mißmuthig aber bestieg sie heut ihr kleines Pony und sprengte - nach allerdings herzlichem Abschied von den beiden gutmüthigen Frauen , und besonders gegen die alte Dame mit dem Versprechen recht baldiger Rückkehr - schweigend voran in den heimlichen