herbeigeschafft ; die Freude der beiden jüngern Damen war so ungekünstelt und wahr , daß sie die Uebrigen mit sich fortriß . Wie fröhliche Kinder betrachteten sie bewundernd die verschiedenen Gaben . Schäkernd steckte Eva einen Strauß künstlicher Orangenblüten in Agnes ' Haar , die Theophil dieser geschenkt , während sie sich ein Flacon an kleinem , goldenem Kettchen umhing und es , ohne daß es Jemand gewahrte , leise an ihre Lippen drückte . Der Präsident hatte es ihr gegeben . Mitten unter den Aufforderungen zu Lust und Scherz drängte sich aber heute ein Bild in Julian ' s Seele , das er nicht zu verscheuchen vermochte und das sich unheimlich vor sein Auge stellte , wenn es mit unendlicher Theilnahme an Agnes hing . Er hatte die spätern Stunden des vorigen Weihnachtsabends mit Sophie verlebt , sie war so glücklich gewesen , wie diese Frauen um ihn her - wie mochte es ihr heute wol ergehen ? Zum ersten Male seit langer Zeit dachte er ihrer mit lebhaftem Bedauern . Er besaß eben so wenig die Willenskraft , dem Begehren zu widerstehen , das ihn zu einer Frau zog , als es ihm möglich war , ein Verhältniß fortzusetzen , wenn es ihm keinen Genuß mehr bot . Er fühlte nicht die geringste Liebe für Sophie , nicht die mindeste Sehnsucht nach ihr , aber es schmerzte ihn , sie unglücklich zu wissen , sie , der er so viel Entzücken verdankt . Er hätte nichts für sie thun mögen , was zu erneuter Annäherung führen konnte , nur leidend , ohne einen Strahl der Freude , wollte er sie an dem Feste nicht wissen . Er stellte sich vor , wie sie einsam vergangener glücklicher Zeiten gedenken werde , und eilte mit einem gleichgültigen Vorgeben davon , und auf die Straße hinunter . Der Laden einer Blumenhändlerin war bald erreicht , ein Rosenstock von seltener Schönheit gewählt und ein Bote gefunden , ihn in Sophien ' s Wohnung zu tragen . Sie sollte und konnte nicht ahnen , woher ihr die Gabe käme , nur eine Freude sollte sie empfinden , und beruhigter durch das Bewußtsein , sie ihr bereitet zu haben , kehrte er in seine Behausung zurück , wo er über die lachende Gegenwart bald wieder der Vergangenheit vergaß , und wo die augenblickliche Wehmuth freudigern Gefühlen wich . Agnes , die sich seit einiger Zeit in ängstlicher Befangenheit von dem Präsidenten entfernt gehalten hatte , was sie ihm nur noch reizender machte , schien heute mit der Freude an dem Kinderfeste auch die alte Sorglosigkeit wiedergefunden zu haben . Sie sprach von der Art , in der das Fest in ihrem väterlichen Hause gefeiert werde , tausend lachende Erinnerungen aus der Kindheit schwebten ihr vor , und Eva überbot sie noch in lustigen Schwänken , so daß man in fröhlichster Stimmung beisammen var , als plötzlich bleich und verstört Alfred unter sie trat . Alle blickten ihn erschrocken an . Theophil trat an Thereen ' s Seite , als ob er sie damit vor der Erschütterung bewahren könne , aber Alfred beachtete es nicht . Er schritt auf Therese zu , bot ihr die Hand und sagte : Ich mußte Sie heute doch wenigstens noch sehen . Erschöpft sank er darauf in den Sessel neben Therese , die Andern standen schweigend umher , er sah so verstört aus , daß selbst der Präsident das rechte Wort , diesem unerwarteten Ereignisse gegenüber , nicht gleich fand , besonders da ein heftiger Schmerz in Kopf und Brust ihn plötzlich überfiel . Er hatte ihn schon leicht empfunden , als er von seinem Einkauf für Sophie zurückgekehrt war , den er in gewohnter Schnelle auszuführen geeilt , ohne sich gegen die empfindliche Kälte des Abends zu schützen . Jetzt , durch die Erschütterung schien das Uebel sich zu verdoppeln und nur mühsam brachte er die Worte hervor : Du hättest nicht kommen sollen , Alfred ! Zugleich preßte er die Hand gegen die Stirne und sagte : Beunruhigt Euch nicht , es wird vorübergehen , aber mir ist unwohl . Er wollte das Zimmer verlassen , konnte jedoch , von betäubendem Schwindel erfaßt , die Thüre nicht mehr erreichen und ließ sich bewußtlos auf das Sopha fallen , zu dem seine erschreckten Freunde ihn geleiteten . Man trug ihn mit Hilfe seines Dieners in sein Zimmer , Theophil eilte den Arzt herbeizuholen und dieser erklärte , daß irgend eine bedeutende Krankheit im Anzuge sei , daß man jedoch nicht bestimmen könne , was es werden würde . Vor der Unruhe , welche dies Ereigniß mit sich brachte , vor der ängstlichen Sorge um den Präsidenten trat das unerwartete Erscheinen Alfred ' s in den Hintergrund . Niemand dachte mehr daran . Alfred half mit Theophil mancherlei Vorkehrungen treffen , die für den Kranken nöthig waren , da man die Dienerschaft fortgesendet , um einen Chirurgen und die Mittel herbeizuschaffen , welche der Arzt schleunig anzuwenden verordnet hatte . Bei diesen Beschäftigungen kam er in Julian ' s Nähe , der seit einigen Augenblicken die Besinnung wiedergewonnen hatte ; er winkte Alfred zu sich heran , und sagte , trotz seines Leidens über sich selbst spöttelnd : Ich muß büßen , weil ich so schwach war , Reue zu empfinden . Aus Sentimentalität kaufte ich einen Blumenstock für Sophie , da packte mich der Nordwind in den Straßen - - Heftige Schmerzen schlossen ihm den Mund ; als sie nachließen , wendete er sich nochmals zu Alfred mit den Worten : Mache die Verwirrung nicht größer ; suche Dir und uns Frieden zu schaffen - und verlasse Sophie nicht - Dann fiel er in einen Zustand der Betäubung , aus dem ihn die angewendeten Mittel nicht zu reißen vermochten ; die Freunde entfernten sich und Therese blieb allein wachend an dem Lager des theuren Kranken zurück . Aengstlich auf seine ungleichen Athemzüge lauschend , schwanden ihr die Stunden hin . Von den traurigsten Bildern der Zukunft wendete sich