, schnell die Thür des Schlafgemaches erreicht hatten , und in demselben Augenblicke der Sohn mit kaum verständlichen Lauten des Entzückens zu den Füßen des Vaters lag . » Holla , das ist mein Sohn ! « rief der alte Marschall , und das eiserne Feldbett fuhr rasselnd ineinander von der heftigen Bewegung , womit der riesige Greis den müden Körper aufraffte , das Kind seines Herzens , den einzigen noch warmen und lebendigen Punkt desselben zu ergreifen . Er hielt ihn jetzt an beiden Schultern wie ein Kind in die Höhe , und das alte braune und benarbte Gesicht , das weder vom Alter , noch von der Krankheit sich seine Energie hatte rauben lassen , lachte dem Liebling in die Augen mit dem vollen Sonnenglanze unverkümmerter Zärtlichkeit . » Ha , « fuhr er fort mit kurzem Lachen , indem ein Paar dicke Thränen ihren Weg über sein Gesicht nahmen - » ha , mein Junge , bist Du da , hast Du Dein altes Gesicht - Dein altes Herz mitgebracht ? « Aber die Antwort erdrückte er , indem er ihn fest an seine Brust schloß und ihn dann von sich stieß , bloß um ihn anzublicken . » Seht , Ihr Herren , « fuhr er fort , » da hab ' ich einen Sohn ! Nun könnt Ihr nur gehen , Doktor , mit Euren Pillen und Pflastern , jetzt hat der alte Marschall Anderes zu thun , als krank zu sein ! - Nicht , mein Junge ? hab ' ich nicht Recht ? « - » Gewiß habt Ihr das , theurer Vater ! Und immer habt Ihr mir gelobt , daß Ihr mich erwarten wollet , mir selbst die Sporen zu schenken bei meiner Rückkehr ! « » Ja , ja , der Junge hat ein gut Gedächtniß ! « lachte der alte Marschall . » Seht Ihr wohl - Der braucht mich noch ! Dem bin ich noch nöthig ! Dem muß ich noch die Leine halten , damit das junge Kampfroß den freien Lauf lernt ! « » So ist es , lieber , lieber Vater ! « rief Leonin mit überströmender Zärtlichkeit - » Aber sagt mir auch , wie es Euch geht , ob ich gewiß an Eure Genesung glauben darf . - Welche Angst hat mich auf meinem Wege verfolgt ! « » Was das für ein Sohn ist ! « rief der erschütterte Greis . - » Doch laß das , mein Kind , und glaub ' mir , es waren unnütze Schwätzereien von Deiner Frau Mutter und dem Herrn Doktor da - Dein Vater war gar nicht krank ; und hätten sie mich nicht all das Zeug verschlucken lassen , was der dort zusammen gehext , und meinen armen Körper in Ruhe gelassen , der ehrenvollere Wunden trägt , als ihre elenden Pflaster zogen - ich wäre längst gesund ! « » Gemach , Euer Gnaden ! « rief der angegriffene Arzt - » Die Genesung täuscht uns leicht über die überstandene Gefahr und macht uns ungerecht gegen die empfangene Hilfe . Es war dies Mal nicht in die Willkür Euer Gnaden gestellt , zu genesen . Verdächtigen der Herr Marschall unsere Kunst nicht bei dem jungen Herrn ! « » Du siehst , Leonin , « lachte der Marschall , dem Gekränkten versöhnend die Hand reichend , » er muß immer Recht behalten ; aber ich werde es ihm jetzt zeigen , wer Herr ist ! « - Und schnell warf er den Mantel zurück und stand völlig gekleidet , wie er fortwährend blieb , vor den Zurückweichenden . » Jetzt sagt mir , daß ich krank bin ! « rief er und richtete sich mit einer Kraft empor , die wirklich jede Befürchtung niederschlagen mußte . Leonin begrüßte nun den würdigen Kaplan , der zugleich sein religiöser Führer und Beichtvater war , während der Marschall , noch immer im Streite mit dem Alles verweigernden Arzte , Alles durchsetzte , was er beabsichtigte ; da sein natürlicher Starrsinn dies Mal von einem Jubel des Herzens unterstützt ward , der zu rührend und verständlich für alle seine ihn herzlich liebenden Diener war , um nicht jeden ausgesprochenen Befehl , trotz aller Gegenreden des eben so halb erweichten Arztes , aufs schnellste in Erfüllung zu bringen . » Denn - mein Junge , « schloß er den kurzen , raschen Befehl an seine Diener , die Abendtafel in seinem Zimmer anzurichten - » Du läßt wohl heute Deine Frau Mutter ihre Galla allein genießen und bleibst bei Deinem einfachen alten Vater , der wenigstens wie ein Mann lebt . « Zärtlich eilte Leonin in die Arme des geliebten Vaters , und seine Worte ließen immer neuen Sonnenglanz über das alte Heldenantlitz streifen . Bald fand sich Alles so eingerichtet , wie der Marschall es sich ausgedacht , und auf den hölzernen Feldstühlen saßen Alle um die Tafel , an der die Einfachheit des Marschalls ihre Grenze fand ; wie er überhaupt dieselbe nur als eine Laune für sich anerkannte und allen aristokratischen Aufwand zuließ und verlangte , seine launenhafte Einfachheit zu umgeben . Seine Tafel glänzte von Gold und Silber , seine zahlreichen Diener waren in Stickereien gehüllt und so steif frisirt , wie in dem Antichambre einer Dame . Im Vorzimmer befand sich , so wie die Tafel bereitet war , ein Musikkorps , welches mit den lärmendsten Instrumenten die Märsche und Tänze aus der früheren Lebensperiode des Marschalls spielen mußte , der es nicht ungern sah , daß man , sich die Stunde seines Diners merkend , ihm aufwartete , wenn er mit einigen Freunden oder auch ganz allein , da er nie mehr mit seiner Gemahlin speiste , zu Tische saß . Man mußte mit ihm gleichen Ranges oder aus den Umgebungen der Majestäten sein , wenn er den Wink gab , einen Sessel herbei zu holen ; im anderen Falle ließ er Alle um sich her stehen , während er mit der