« , fing Emmrich wieder an , » ist dieser poetische Leichtsinn , der im ganzen Stücke vorherrscht , in der herrlichen Viola gezeichnet . Sie jammert um den Bruder , der nach ihrer Meinung ertrunken ist Ach armer Bruder ! - und unmittelbar darauf , heiter und lebensmutig Vielleicht entkam er doch ! - Sie erkennt Oliviens Leidenschaft zu ihr , indem sie beklagt , daß sie selbst den Herzog liebt , für den sie werben muß Wie soll das werden ? sagt sie - und gleich hernach O Zeit , du selbst entwirre dies , nicht ich ! - Der redliche , alte , erfahrene Antonio hat eine solche poetische Freundschaft für den jungen Burschen Sebastian gefaßt , daß er ihm in die feindliche Stadt mit Gefahr seines Lebens folgt , und erscheint hierin leichtsinnig , gleich den übrigen . Aber ein praktischer verständiger Mann sieht auf alles dies Getreibe mit Lebensweisheit und echter Ironie hinab , jeden benutzend , um zu erwerben und seinen Besitz zu vermehren , und dieser Gründliche , Erfahrene ist der Narr des Stocks , der freilich auch , weiß der Himmel aus welchem poetischen Gelüste , weggelaufen war und in Gefahr stand , seinen bequemen und einträglichen Dienst zu verlieren . « Nachdem man sich getrennt hatte , nahm der eifrige Emmrich den Schulmeister mit auf sein Zimmer , um ihm die Rolle des Fabio einzustudieren . Als ihm Elsheim nachher im Garten begegnete , und ihn , der nicht mehr jung war , mit seiner Unermüdlichkeit scherzend neckte , sagte der Professor : » Lieber Freund , brauche ich es Ihnen denn auseinanderzusetzen , daß man nichts im Leben mit solchem Ernst und Eifer treiben müsse , als die sogenannten Spiele ? Bei wahren Geschäften und Amtsverrichtungen , dem Richter und Geistlichen mag hie und da ein Nachlaß erlaubt sein , es kann selbst Wohltat werden , dies und jenes , was notwendig schien , fallenzulassen - aber was bleibt vom Spiel übrig , wenn wir es mit Leichtsinn und obenhin treiben und es dadurch zerstören ? Hier muß die Regel beobachtet werden , auch das Kleinste darf man nicht nachlassen , und fragt man erst : Wozu fruchtet ' s ? Welchen Schaden bringt die Vernachlässigung ? so ist es viel besser , die ganze Sache gleich aufzugeben . - Jetzt geh ich , dem Grafen und dem Baron Mannlich ihre Rollen beizubringen . « Elsheim begleitete ihn in den kleinen Saal , wo die beiden Herren schon seiner warteten . Elsheim setzte sich nieder , indem er sagte : » Ich will keine Störung machen , lieben Freunde , sondern auch bei dieser Gelegenheit von unserm Professor etwas lernen . « Mannlich und der Graf begannen ihre Rollen ; beide sprachen und gebärdeten sich , mit einigen Modifikationen , so wie sie es gewöhnlich im Leben taten , und Emmrich sagte : » Sie haben , Baron Mannlich , ganz meine Meinung gefaßt . Dieser Tobias ist ein wackerer Edelmann aus gutem Hause , er ist brav , mutig und kann den Cavalier nicht verleugnen . Nur hat er sich aus Bequemlichkeit gehen und dabei etwas sinken lassen , er ist in schlechte Gesellschaft geraten und war in dieser immer der Klügste und Anständigste . Im Hause seiner reichen Nichte hat er für nichts zu sorgen , und da er ohne Beschäftigung und ein alter Junggesell ist , so hat er sich dem Schlemmen , doch auf eine unschuldige Weise , ergeben . In den Anfällen seiner Trunkenheit ist er , wie die meisten Berauschten , kurz angebunden und grob ; aber zur Besinnung gekommen liebt er Witz und Heiterkeit so sehr , daß er aus Dankbarkeit für die Unterhaltung , welche ihm Maria mit Malvolio verschafft hat , dies Kammermädchen heiratet . Es wäre also unrecht und ganz falsch , wollte man aus diesem Mann eine Karikatur machen , oder ihn in das niedrige Element hinabziehen . Daß Sie , Baron , ihn nicht allzu würdig , oder gar tragisch nehmen werden , dafür bürgt mir Ihr gesunder Sinn . « Graf Bitterfeld sagte : » Nun , Professor , machen Sie mir das noch etwas deutlicher , was Sie mir neulich schon über meine Rolle auseinandergesetzt haben , die ich wahrlich bloß Ihnen und der Gesellschaft zuliebe übernommen habe . « Emmrich sagte : » Verehrter Herr Graf , ist es nicht die schönste Humanität und die feinste Urbanität , wenn man nicht nur die Scherze einer liebenswürdigen Gesellschaft ausführen hilft , sondern selbst etwas von seinem eigenen Wesen preisgibt , um über sich selbst auf eine gelinde Art spotten zu lassen ? Und so wünsche ich , daß Sie in dieser fein komischen Rolle nicht das Gebildete Ihres Standes , noch die Finesse Ihrer Persönlichkeit und die Gewandtheit Ihres geselligen Umgangs fallenlassen . Denn die sind eben die unerträglichen Malvolios in der Gesellschaft , die immer über sich wachen , sich bei jedem Scherz beleidigt wähnen , die sich immer in Positur setzen , um ihre Würde zu behaupten . Bleichenwang oder Fieberwange ist ein guter Mensch und auch von guter Familie , er kann schon über die dreißig sein ; sind die jungen Leute geschminkt und von lebhafter Farbe , ist Tobias vom vielen Trinken übermäßig rot , so deutet sein Name schon an , daß er ziemlich blaß , oder mit einem gelblichen Teint erscheint . Er ist schlank und wohlgebaut , neigt aber etwas zur Magerkeit hin , denn er beneidet den Narren um seine Waden . Dieser reiche , unabhängige Mann ist dadurch so liebenswürdig , daß er so unendlich bescheiden ist , was wohl die wenigsten in seiner Stellung sein würden . Wie der alte Antonio den jungen Sebastian fast vergöttert , so hängt er beinahe mit derselben Leidenschaft an seinem Freund Tobias ; dieser ist sein Vorbild , beinahe sein Ideal , wie man sich jetzt ausdrücken würde ; er hat kein Arg daraus , daß dieser ihn foppt und