dessen hohes Alter bis in die graueste Vorzeit reicht , wenn es nicht das Andenken ihres wohlverdienten Ruhmes wäre , das sich noch den spätesten Enkeln warnend vor jede Handlung stellt , die da Gefahr brächte , ihren Namen nicht in voller Reinheit weiter zu vererben . Du , setzte er , immer heiterer werdend , hinzu , Du mit Deinen blonden Locken und Deinen blauen Augen , ein geborner Nottingham , in dessen jugendlichem Angesicht die Züge des ersten Ahnherrn liegen , als Gewähr für seine auf Dich verpflanzten Tugenden , Du solltest der Erste werden , der dem eben so glorreichen Geschlechte unserer Ahnmütter ein , wenn auch noch so schönes , doch ein namenloses , ein zweifelhaftes Mitglied zugesellte ? Sag , was Du willst , ich glaube diesen Worten nicht , ich glaube Deinem bessern Selbst und Deiner männlich festen Seele . Du wirst siegen ; denn es mag sein , daß die Gefühle des Herzens eine seltsame Tyrannei über uns ausüben , aber wo wäre die männliche Brust , die sich nicht gegen jede Gewalt aufgelehnt fühlte , die uns zu beherrschen droht ? Laß uns mit einander Alles wohl bedenken , entziehe Dich mir nicht . Richmond , erwiederte der Herzog , es ist dies das Einzige , was ich Dir versprechen kann , aber ich hege eben so fest die Hoffnung , Dich zu meiner Meinung überzuführen , wie Du jetzt von mir dasselbe hoffest ; ich sage Dir noch ein Mal , sieh sie nur erst ! - In ihrer Liebenswürdigkeit werde ich gewiß die Rechtfertigung Deines Gefühls finden , denn das Unedle und Gemeine konnte Dich nie verführen . Doch nie werde ich in ihr die Rechtfertigung eines Wunsches finden , der die Grenzen anerkennender Gerechtigkeit gegen sie überschreitet und Dich gegen Verpflichtungen blind macht , die Du in Wahrheit gegen die Familie Dorset eingegangen bist , und an deren Erfüllung Niemand mehr zweifelt . Du selbst , mein theurer Freund , hättest nicht zugegeben , daran zu zweifeln , bevor dies unglückliche junge Mädchen Dein natürliches Rechtsgefühl umwandelte . - Der Herzog schwieg und wendete sich in einem unbeschreiblichen Zustande von seinem Bruder . Es giebt vielleicht kein Gefühl der menschlichen Brust , welches so grausame Widersprüche zu erregen vermöchte , als dies eine der Liebe . Es theilt gleichsam unser Wesen in zwei streitende Personen , und während uns die Liebe mit ihren gesteigerten Anforderungen ein heiliges unbestreitbares Recht zu besitzen scheint , Alles umzustürzen , was ihr störend entgegen tritt : bleibt uns oft zu unserer größten Qual ein richtiges Wahrnehmungsvermögen für die Wichtigkeit solcher Schwierigkeiten . Der junge Herzog fühlte sich in dieser Lage . Er mußte sich gestehn , daß sein Bruder ihm nur in Erinnerung brachte , was er selbst einst mit Ueberzeugung anerkannt hatte ; aber das Verlangen seines Herzens , dem er sich so unbesonnen hingegeben , übte eine Gewalt über ihn , die er nicht anders als überwältigend nennen konnte . Richmond merkte den unstäten Bewegungen und Blicken des Herzogs diesen Zustand des unbehaglichsten Schwankens nur zu sehr an . Es war eben sowol Klugheit , als jenes liebevolle Vertrauen , welches edeln Menschen anräth , die Vollendung des Angeregten in der eigenen Entwickelung des Anderen zu erwarten , was Richmond abbrechen ließ . Beide Brüder gaben sich alsdann den äußeren Pflichten hin , welche die Ankunft der Gäste ihnen auferlegte . Zweiter Theil Wir sind geneigt , den Leser aus dem Familienkreise , in dem er sich bereits bekannt fühlen mag , auf einige Zeit zu entführen , um ihn an einem andern Orte für die Ereignisse vorzubereiten , von denen wir die Familie Nottingham später erreicht sehn werden , zugleich aber über das bereits von ihr Erlebte einen Aufschluß zu ertheilen , der ihr selbst erst am Ende der uns vorliegenden Zeit gegeben war . Da wir nicht beabsichtigen , die uns mitgetheilten Papiere und ihren einfachen Inhalt mit schlagenden romanhaften Hauptentwickelungsmomenten zu verzieren , so hoffen wir den Leser dadurch , daß wir ihm die Fäden in die Hände geben , die er später zu bedrohlichen Verwickelungen sich verwirren sieht , in die Stimmung eines besorgten Freundes zu versetzen , der die Gefahren kennt , wie sie zu vermeiden wären , weiß und doch außer Stand gesetzt ist , schützend oder warnend einzuschreiten . Diese Absicht auszuführen , müssen wir einige Zeit zurückgehn , und treffen mehrere Tage nach der Ankunft des Prinzen von Wales aus Spanien in dem alten Stadttheil von Westmünster , dem glänzendsten und prachtvollsten Theile Londons , ein . Es ward damals , wie jetzt , dieser dem alten Whitehall , der Wohnung des Königs , zunächst gelegene Stadttheil als ein privilegirter Wohnsitz des höhern Adels angesehen , der sich noch als ausschließlich geschaffen betrachtete , sowol die Person des Königs zu umgeben , als auch eine Vormauer zu bilden gegen das Volk . Wie wenig auch von der eigentlichen Veranlassung , die dieser Vorstellung in frühester Zeit einigen Rechtsgrund verliehen haben mochte , durch die Entwickelung , die sich über alle Stände nachgrade zu verbreiten begann , übrig geblieben war : die damit verknüpften Vorrechte und Auszeichnungen blieben ein ängstlich vom Adel bewachtes Gut , in dem Maaße vielleicht ängstlicher bewacht , als eine unlustige Wahrnehmung sich hin und wieder aufdringen mochte , wie das Volk zu einem festeren Verbande mit seinem Fürsten herangereift war . Der Adel war damals jeder Zügellosigkeit hingegeben , in seiner moralischen Kraft herabgekommen , untereinander entzweit und sich verfolgend bis an die Stufen des Thrones , und nur das alte Herkommen sicherte ihm noch seine Bevorrechtung . Auch fand diese noch wenig Widerstand in der allgemeinen Stimmung des Volkes , welches mit größerer Langmuth , als seiner Einsicht entsprechend schien , sich gegen diese Vorrechte bezeigte , denn es liegt in dem Geiste eines Volkes , das sich seiner Geschichte bewußt wird , eine rührende und unauslöschliche Dankbarkeit gegen Namen , an die sich vaterländische Erinnerungen und Triumphe