Herzogin entschuldigen zu helfen . Sechstes Kapitel Hermann wurde von der Fürstin mit unverstellter Freude empfangen . Er mußte berichten , wie es ihm ergangen sei , und beeilte sich , sein neues Verhältnis ihr zu entdecken . Sie fragte ihn , ob er schon die Einwilligung des Oheims habe ? Er versetzte , daß er , diese einzuholen , den Umweg über die Fabriken gemacht , dort jedoch vergebens einige Wochen auf den Oheim gewartet habe , welcher nach England verreist gewesen sei . Endlich habe ein Brief von diesem den Seinigen gemeldet , daß er den Rückweg über die Standesherrschaft nehmen wolle , weil er mit dem Herzoge über die streitige Angelegenheit selbst zu sprechen wünsche . » Darf ich « , sagte er , » wie unbescheidne Bitter zu tun pflegen , aus gewährter Gunst auf vermehrte hoffen , so bleibe ich unter dem Schirme Ihrer Huld , bis der Oheim hier eintrifft . « Sie sprach über verschiedne Dinge mit ihm , erzählte ihm von dem bevorstehenden Feste , und es fiel ihm auf , daß sie seiner Verlobung weiter mit keinem Worte gedachte . Der Herzog , welcher dazukam , begrüßte ihn ebenfalls in seiner herablassenden Weise und sagte dann , indem er ihn näher betrachtete : » Was ist mit Ihnen vorgegangen ? Sie haben einen Zug im Gesicht , den ich sonst nicht an Ihnen wahrgenommen habe , und den ich nur den Bräutigamszug nenne . « » Damit könnte es seine Richtigkeit haben « , versetzte Hermann . » Wirklich ! « rief der Herzog . » Siehst du , Ulrike , daß ich mich in diesem Punkte nie irre . Der Bräutigamszug besteht in einem gedankenvollen Senken der Mundwinkel , auch pflegt damit ein eigner Ausdruck der Lippen und Augen verbunden zu sein . « » Er ist in der Tat verlobt « , sagte die Herzogin . » Dann mag er sich nur Gewichte an Hände und Füße hängen , denn er sieht noch nicht danach aus , als ob er willens sei , Stich zu halten « ; fuhr ihr Gemahl in seinen Scherzen fort , die Hermann mit Verwundrung hörte , da er dergleichen von dem Herzoge nicht gewohnt war . Die Herzogin empfing in diesem Augenblicke die Nachricht von der unvermuteten Abreise des Domherrn . Sie erschrak , dann aber warf sie einen zuversichtlichen Blick auf unsern Freund , und ihr Gemahl sagte , da sie sich hierauf mit etwas andrem beschäftigte , ihm leise ins Ohr : » Sie erscheinen , wie der Spiritus familiaris , immer zur rechten Zeit ; wenn die Not am höchsten , sind Sie am nächsten . Meine Frau würde es ohne Sie nicht zustande gebracht haben , helfen Sie ihr recht treulich , Sie erwerben sich wirklich dadurch ein Verdienst um unsern Stand . « Kaum hatte er sich gefällig entfernt , als Hermann bereits mit einer Menge von Aufträgen für die Anordnung der Festlichkeiten versehen ward . Er mußte , als er sich darangab , dieselben auszurichten , mancher Reden Wilhelmis gedenken , und sagte zu sich selbst : » Sollte es denn wahr sein , daß das Erbübel der privilegierten Stände , der Egoismus , immer noch , wenngleich von angenehmen Formen bedeckt , in alter Stärke fortwuchert ? Um mein persönliches Geschick hat man sich kaum bekümmert , ja , der Herzog fragte nicht einmal nach dem Namen der Braut . « Waren diese Betrachtungen geeignet , in ihm eine verdrießliche Stimmung hervorzurufen , so mußte ihm dagegen die fröhliche Bewegung , welche unter den Arbeitern entstand , als er ihnen ankündigte , daße er nunmehr die Leitung des Ganzen übernehme , wohltun . Die Menschen leisten gern das Mögliche , wenn ihnen gehörig befohlen wird . Sein sichres anstelliges Wesen war den Leuten im Schlosse von sonst her bekannt , sie rühmten den fremden Werkmeistern diese Eigenschaften , und gleich war ein erhöhter Eifer überall sichtbar . Hermann ließ sich die Apparate vorweisen , und besuchte den Turnierplatz . Er fand bald , daß , obgleich vieles getan war , doch noch mehreres nachzuholen übrig blieb . Denn der Domherr hatte in seiner hastigen Manier oft das Nötigste vergessen . So waren unter andrem keine Treppen angebracht worden , auf welchen die Zuschauer zu den Tribünen emporsteigen konnten . Hermann mußte sich daher entschließen , einen Teil des Bretterwerks wieder abbrechen zu lassen , um die nötigen Zugänge zu öffnen . Unter den Hausbeamten , welche bei diesen Zurüstungen mitwirkten , bemerkte er einen Mann von unangenehmen Manieren , dessen Wesen etwas Aufdringliches hatte . Man nannte ihn nur den Amtmann vom Falkenstein . Hermann erfuhr , daß er Kammerdiener bei dem Großvater des jetzt regierenden Herrn gewesen sei , daß er bei jenem und bei dem Vater des Herzogs in Ansehn und Einfluß gestanden habe . Die jetzige Herrschaft , hieß es , dulde ihn , obgleich er ihr nicht genehm sei , weil er für den Mitwisser verfänglicher Geheimnisse gehalten werde , die jedoch der Herzog ihrem eigentlichen Inhalte nach selbst nicht kennen solle . Dieser Mensch , welcher über alles seine spöttischen Bemerkungen machte , faßte Hermann scharf ins Auge , und begegnete ihm darauf mit einer übertriebenen Höflichkeit . Er nannte ihn nur den gnädigen Herrn , und sagte zu den Leuten laut , so daß Hermann es hören mußte , sie möchten ja alles pünktlich tun , was der gnädige Herr befehle . Bei Tafel sah er sich vergebens nach Wilhelmi um . Er fragte seinen Nachbar nach diesem alten Freunde . Der Mann blickte verlegen vor sich hin , und gab ihm ein Zeichen , daß er es zu vermeiden wünsche , über jenen hier Auskunft zu erteilen . Mit dem Arzte hatte er über Flämmchen reden wollen , dieser vermied ihn sichtlich , und setzte sich ein paar Plätze weit von ihm weg . Das Gespräch berührte nur die gleichgültigsten Dinge ; alle schienen mit ihren Gedanken abwesend zu