einem Dienstmanne beleidigt werde , wie man einem unverschämten Possenreisser zu thun pflegt . Redet : bin ich nicht hier mit Eurer Genehmigung , in Folge Eures Begehrs ? « - Unverwandten Blicks betrachteten die beiden Männer Wallraden , die , gleich einer verschämten Braut , die Augen niederschlug , und endlich zögernd begann : » Was uns bindet , was uns verknüpft , edler Montfort - gehört es wohl vor den Richterstuhl des harten Mannes , der ohne meine Zustimmung den Meister über mich zu spielen wagt ? Der Gewalt des Augenblicks unterthan , darf ich nicht reden , wie mein Herz es verlangt . Wenn Freiheit wieder mir geworden - nur dann fragt mich wieder . « - » Bei des Erlösers Geburt ! « antwortete Montfort , den Kopf schüttelnd : » Eure Reden sind mir dunkel wie die sybillinischen Bücher . Das Eine nur ersieht mein Verstand daraus , daß Ihr weniger ein Gast in dieser Burg seyd , denn eine Gefangene , und wenn ich mir alles zusammenreime ...... so steckt Lüzelburgsche List hier unter der Decke . Darum sollt ' ich gen Frankfurt reiten ? Höll ' und Teufel ! weiche aus dem Gemache , königlicher Kuppelknecht ! « Die schwere Beleidigung entrüstete den Wildmeister dermaßen , daß er wüthend nach der Klinge faßte , aber eine rasche Geberde Wallradens , die ihm über die Schulter des vertretenden Grafen ein Zeichen gab , denselben nicht zu schonen , bändigte das Gefühl gereizter Ehre , um nur der unbegränztesten Verachtung Raum zu lassen . Bilger hielt den Arm des streitlustigen Montfort auf , und sprach zu dem Staunenden : » Laßt die Waffen ruhen , Herr Graf , und scheltet mich nicht feige , ob solcher Aufforderung . Schön ist ' s , für die Ehre einer tugendhaften Frau das Leben auf das Spiel zu setzen ; aber allzukostbar ist das Blut zweier Biedermänner , wenn es dem Verrath zum Opfer fließen soll ! « - » Was bedeuten diese Worte ? « fuhr der Graf auf : » Hinter Euch lauscht der Verrath , der mich verderben soll , und meines einst ' gen Weibes Ehre . « - » Wünscht Euch das Ungeheuer nicht zum Weibe ! « brach Bilger los von Wallradens Trotz empört : » Nicht ich legte Euch Schlingen ; - die Gräßliche hat selbst Euch verlockt , und mich zu einem Henkerdienste aufgefordert , den ich ihr verweigerte . Verrathner ! Sie hintergeht Euch , den Königsecker , und ihren fürstlichen Buhler . Ihr Leben war nur eine Lüge . Nie hat diese stolze Felsenbrust das Gefühl gekannt ; nie noch Liebe empfunden . Blos das Feuer wilder Lust , oder des Hasses Glut entzündet ihr Herz . Die Bande des Blutes , wie der Neigung tritt sie zu Boden , und nimmer noch verzieh sie dem , der nur mit einem Blicke sie geschmäht . Glaubt mir , getäuschter Montfort ; ich kenne die in böser Leidenschaft Unersättliche . Verlaßt sie , folgt nicht ihrer Spur . Lächelnd mordet sie Euch , und spottet Eurer im Arme eines Andern , dem ihre Hinterlist ein Grab neben dem Eurigen gräbt . « Bilger schwieg erschöpft mit bebender und bleicher Lippe , und seine heftige Rede hatte ihre Wirkung auf Montfort ' s Gemüth nicht verfehlt . Der Graf stierte den Sprecher athemlos an , und trat scheu von Wallraden zurück . - » Welch ein Scheusal malt Ihr mir ! « sprach er endlich mit halb unterdrückter Stimme : » Diese gleisende Hülle wäre also wirklich nur der Balg einer giftigen Schlange ? Meine Ahnung , meine innerste Seele hätten mich also nicht hintergangen ? Ja , ja , Herr von der Rhön ! Ihr habt wahr geredet ; Wallradens stumme Lippe bezeugt es , die Todtenfarbe , die ihr Antlitz überzieht . Eure unerwartete Offenherzigkeit hat ihre Gestalt in Stein verwandelt , aber diese Hülflosigkeit der Sünde erregt nicht mein Mitgefühl ; sie reizt mich nur auf zur That , und ich will untersuchen , ob auch ihr Herzblut zu Eis geworden ist ! « - Mit einem durchdringenden Schrei flog Wallrade zum Fenster , da der blindwüthende heftige Mann mit dem Stahle in der Faust auf sie zustürzte . Bebend wie das Laub der Espe umklammerte sie den gehaßten Rudolph , der sich mit aller Mannskraft zwischen die Beiden geworfen hatte , und mit übermenschlichem Ringen den gereizten Tiger von seiner Beute abhielt . Nach heftigem Kampfe mußte der schwächere Graf von seinem blutigen Vorhaben ablassen , und ergab sich zähnknirschend in den Willen des Überwinders , der seine Pflicht , Wallraden nichts Leides geschehen zu lassen , als eine heilige behauptete , und den Bezwungnen ermahnte , augenblicklich das Schloß zu verlassen , und des Königs Frieden nicht länger zu stören , wolle er nicht Hand und Haupt verwürken . » Wohl ! « keuchte Montfort , mit seinen wilden Blicken Wallraden durchbohrend , die eine wundersame Mischung von Frechheit , Wuth , Furcht und drohender Schadenfreude in ihren Zügen trug : » Der Bann des Königs ist mir heilig ; des Königs Metze nicht . Zittre Weib , mir jemals wieder zu begegnen ! Zittre vor meiner Vergeltung . Montfort kennt nur eine Liebe , aber auch nur einen ewigen Haß ! « Mit furchtbaren Geberden ging er davon , schwang sich auf das Roß , das sein Leibknecht im Hofe hielt , und sprengte wie ein Rasender über die Schloßbrücke . Bilger hatte nach ihm Wallradens Zimmer verlassen wollen ; das Fräulein hielt ihn jedoch mit Riesenkraft zurück , obgleich ihre Pulse flogen , die Lippe zitterte , und der Busen sich so ungestüm hob , daß jedes Wort nur gebrochen und klanglos ihrem Munde entfliehen konnte . » Einen Augenblick noch ; « stammelte sie , während die Hölle in ihrem Auge aufflackerte : » hört mein letztes Wort zu Euch . Ihr habt mich entehrt und dem Feinde in tiefster Schmach gezeigt