was sie anscheinend Freundliches sich nicht entbrechen konnten dem Brautpaar zu sagen , war augenscheinlich nur ein Opfer mit kalten Lippen , aus kaltem Herzen der Konvenienz gebracht . Es mag wunderlich scheinen , daß sie , die eine Verbindung Augustens mit ihrem Sohne zwar zuweilen fürchteten , aber nie wünschten , und gewiß nur gezwungen sie zugelassen haben würden , sich jetzt beleidigt fühlten , weil man es nicht in ihre Macht gestellt hatte , solche auszuschlagen . Sie bildeten sich ein , Augustens Verlobung als ein gegen Leo begangenes Unrecht ansehen zu müssen , eigentlich aber verstimmte sie nur die angeborene Unart mancher Naturen , welche nicht ohne heimlich-neidische Regung einen Andern im Besitz dessen glücklich sehen können , was sie selbst verschmähten . Unter dem Vorwande dringender Geschäfte , welche ihren Sohn schon gezwungen hätten , bei Tagesanbruch ohne Abschied fortzureisen , beurlaubten auch sie sich noch in der nehmlichen Stunde und eine allgemeine Erkältung , wie man sie vor weniger Zeit noch nimmer hätte vermuthen können , begleitete ihren Abschied . Der übrige Theil der Gesellschaft ließ sich gerne bewegen , noch einige Tage beisammen zu verweilen , um sich des neuen Ereignisses zu erfreuen , dessen unerwartetes und schnelles Entstehen zu mancher abgesonderten Unterhaltung den Stoff hergeben mußte . Adelberts und Augustens gegenseitiges Wohlgefallen hatte sich indessen weit früher als Andere und sogar sie selbst es vermutheten in eine herzliche , innige Neigung verwandelt . Verlassen , verrathen , an schweren Wunden geistig und körperlich erkrankt , war Adelbert früher nur durch seines Oheims väterliche Liebe über dem Abgrund der Verzweiflung gehalten worden , der jedem sich öffnet , welcher aus goldenen Jugendträumen plötzlich in einer Welt voll höhnender , treuloser , verächtlicher Larven zu erwachen glaubt . Herminiens Angedenken ließ nicht ab , ihn zu verfolgen , es war zu innig mit seinem Daseyn verwoben , er hatte nur sie gekannt , einzig sie . Zu Hause war sie die Sonne seines Frühlings gewesen , auf der Universität beflügelte die nahe Hoffnung auf ihren Besitz seinen Fleiß , im Kriege hatte diese Hoffnung ihm Elend , Wunden , tiefgefühlten Schmerz über sein zerrüttetes Vaterland ertragen helfen . Sie schwand und mit ihr der leitende Stern seines Lebens . Er blickte auf die kurze Laufbahn , die er zurückgelegt hatte . Ueberall , seit er ins thätige Leben trat , starrte mannichfaches Unrecht , Elend und Verrath ihm entgegen , seine Jugend fiel in eine sehr trostarme Zeit , in der auch die Zukunft sich immer düsterer verhüllte . Was blieb ihm daher anders , als jene ungemessene Sehnsucht , zu sterben , welche so leicht die Jugend zu ergreifen und in trübe Unthätigkeit zu versenken pflegt ! Da strahlte plötzlich Gabrielens mildes Licht in die trübe Nacht seiner Schwermuth , er sah , wie fromm , wie ergeben , wie freundlich sie einen großen Schmerz trug , dessen Daseyn zwar keine Klage verrieth , aber ihr ganzes Wesen bezeugte . Er blickte zu ihr auf , wie zu einem höhern Wesen , wie zu einer Heiligen , der man nur in demüthiger Ferne nachzustreben wagt . Ihr Mitleid , ihre Theilnahme an seinem Geschick nahm er als einen unverdienten Beweis ihrer Huld , bis sie ihm entschwand und Auguste an ihre Stelle trat . Auch diese war freundlich , mild , theilnehmend und voll zarter Schonung . Weniger überirrdisch als ihre Freundin , schien sie in ihrem fröhlichen Jugendglanz ihm näher zu stehen . Ihr anscheinendes Verhältniß zu Leo von Wallburg beunruhigte ihn nicht , er wähnte sich auf ewig von jedem Anspruch in Liebe und Glück ausgeschlossen ; um so getroster überließ er sich der süßen Gewohnheit , nur in Augustens Nähe zu leben . Tausend Zufälligkeiten banden mit unsichtbaren Fäden ihn immer fester an sie , jeder Tag brachte ihm neue Beweise ihrer zarten Theilnahme an allem , was ihn betraf , besonders rührte ihn ihr Bestreben , die Angst um Gabrielens Geschick , das er veranlaßt zu haben glaubte , von seiner Seele zu nehmen . So lebten beide über zwei Monate lang im wechselndem , aber stets freundlichem Verhältnisse neben einander . Auguste freute sich am Gelingen ihres Strebens , das verfinsterte Gemüth eines edlen Menschen zu erheitern , ihn der Welt und dem Leben wieder zu geben , die so viel Ansprüche an ihn hatten ; sie gewann ihn lieb , wie Frauen alles lieb gewinnen , dessen sie mit treuer Pflege sich annehmen . Jeder Tag lehrte sie Adelberts schönen , reinen Sinn besser kennen , und Leos wechselndes Benehmen fing an , sie immer weniger zu interessiren . So nahte die Zeit der Trennung , und Adelbert wie Auguste gewahrten erst jetzt , wie viel sie indessen einander geworden waren . Der General hatte , ohne es zu wollen , ihrer Unterredung nach dem Schauspiel zugehört ; längst bemerkte er mit innigem Wohlgefallen , aber ganz in der Stille , das Heranblühen der Erfüllung seines sehnlichsten Wunsches , und der jetzige Moment schien ihm günstig , durch sein Hinzutreten alles zu ordnen und mit klarem Sinn dem jungen Paare in der eignen Erkenntniß seiner selbst zurecht zu helfen . Und so geschah es denn bald , daß liebend und freudig Auguste ihre Hand abermals in Adelberts legte , um sie ihm nie zu entziehen . Entzückt drückte dieser das liebliche Wesen an seine Brust , das ihm zum Lohn für den Kampf um Vaterland und Ehre , die mit Rosen der Liebe durchflochtene Bürgerkrone häuslichen Glücks bot . Zwar fühlte er nicht die flammende Gluth , welche in einem ähnlichen Momente an Herminiens Seite ihn Sinnenverwirrend zu einer Zeit ergriffen hatte , von welcher er jetzt gern den Blick abwandte , ohne sie doch ganz vergessen zu können . Er fühlte sich aber um so glücklicher , je ruhiger er war , denn diese Ruhe nahm er als das Pfand einer heitern segensreichen Zukunft , die aus Augustens seelenvollem Auge ihm lächelnd winkte . Auguste war zu