mit einander , und dankten auch nicht meinem Gruße . O Bilder der Ausreise und der Rückreise , dachte ich bei diesen beiden Wagen ; jene , wie von einem Luftballe am hellsten Tage zu Regionen ewiger Sehnsucht getragen , sehen unter sich die ganze Welt offen liegen ; diese wie verwundete Gefangene mögen die bekannte Gegend nicht wiedersehen , die sie kürzlich in Siegeshoffnung fröhlich durchzogen . Den Grafen und die Gräfin verließen wir auf ihrer Rückreise nach der Stadt ; das gleichmäßige Stoßen des Wagens erweckte in der bekannten Gegend , in dem erregten Zustande , wie sich beide neben einander fanden , sehr verschiedene Nachgedanken und schläferte ihre Unterredung mit einander ein . Die Gräfin erfaßte am Schlusse dieser Nachgedanken eine innige Überzeugung , daß kein Landleben ihr Beruf sei , daß es allen ihren geselligen Talenten und Neigungen entgegengesetzt , im folgenden Jahre auch wegen der Erziehung des erwarteten Kindes notwendig abgekürzt werden müsse . Der Graf in seinem Nachdenken erschrak fast , daß er von den Arbeiten , die er sich auf der Hinfahrt zu beendigen vorgenommen hatte , nur den kleinsten Teil angefangen , und dagegen von tausend Nebensachen zerstreut worden sei . Er bemerkte mit einiger Kränkung , daß die fehlende Mitwürkung seiner Frau ihm einen wirklichen Mangel in aller Ausführung gelassen , den er durch keinen Besoldeten zu ersetzen vermocht ; er nahm sich vor , sie ernstlich zur Landwirtschaft zu ermahnen , und sie heimlich zu derselben zu führen . Hier verwunderte er sich , als er sich selbst auf einem klugen krummen Wege überraschte und fand , daß er in dem Laufe seiner Beschäftigungen von der geraden treuherzigen Überredung zum Gebrauche mancher Vorteile , Listen und Klugheiten übergegangen sei , doch mehr im Verhältnisse zu seinen Leuten , als zu seiner Frau . So wußte er schon recht gut , daß Leuten von geringer Bildung nichts so stark , als das Gedächtnis imponiert und in Betrügereien schüchtert ; so faßte er deswegen oft unbedeutende Kleinigkeiten auf , um den Leuten bei Gelegenheit als ein allwissendes Gewissen zu erscheinen ; so wußte er sein Vertrauen oft scheinbar einem Menschen zu schenken , um ihn kennen zu lernen ; so wußte er die Feindschaften der Leute nach seinem Willen zu benutzen ; kurz , er fand mit großem Erstaunen , daß seiner Einbildung ganz entgegen , die Bauern in die eignen edlen Gesinnungen hinüber zu überzeugen und zu erziehen , sie ihn in ihrer Klugheit und Umschauung erzogen hatten . Diese Klugheit und Umschauung sind auch Himmelsgaben , wenn gleich unter allen die geringsten , die sich am rohen Menschen zuerst entwickeln und darum von höher Gebildeten wie das Gedächtnis leicht zu sehr verachtet werden . - Der Graf sollte sie künftig nur mehr brauchen . Nachdem sich beide so wüste und müde in sich gedacht hatten , fielen sie einander in die Arme , und küßten sich , um ihr Gähnen zu verstecken ; niemand sollte sich einen solchen Kuß der Gewohnheit und der Langenweile erlauben , er nimmt allen lebendigen Küssen , die folgen , ihre überzeugende Kraft . Darüber dachten beide nicht nach , beide lebten , so wie sie sich der Stadt näherten , allmählich ganz hinüber , und kaum waren sie angekommen , so erfüllte die Freude des alten Bedienten , der die Aufsicht über Haus und Garten geführt hatte , seine gesammelten Schätze an Früchten des Gartens , die er alle in die Zimmer trug , der Andrang aller Bekannten , die Licht darin gesehen hatten , das ganze Haus . Jeder bemühte sich in der kürzesten Zeit alles Geschehene zu erzählen ; das liebe Geheimnis der Gräfin war gleich entdeckt , und es drängten sich viele Frauen mit klugen Mienen an sie , ihr Belehrung zu geben in diesen neuen Umständen . Den Grafen ärgerte etwas dies Geschwätz , dies Heimlichtun , das alle folgende Tage fortdauerte , er überraschte seine Frau sehr bald auf manchem Satze , der ihm in ihrem Munde ganz fremd klang ; er konnte nicht begreifen , wie sie daran Vergnügen finden könnte , zu hören , wie jene gesäugt , wie diese voraus wisse , ob es ein Knabe oder ein Mädchen sei ; doch sein Mitleid mit den Beschwerlichkeiten ihres Zustandes unterdrückte jeden Tadel . Lächelnd dachte er seines Ärgers über den Prediger Frank und dessen zeugende Blicke , weil wirklich übereinstimmend mit dessen erstem Besuche , der Ursprung des geliebten Kindes gesetzt werden konnte , das ihm unsichtbar entgegen pochte , wie ein neues Herz , und dem er mit Ungeduld entgegensah . Dem Prediger schrieb der Graf wirklich einen scherzhaften eifersüchtigen Brief deswegen , den Frank in gleicher Gesinnung recht artig beantwortete , und mit Leidwesen die Öde in dem Schlosse des Grafen beschrieb . Die Zeit der befürchteten und gehofften Niederkunft nahete mit dem Eintritt der stärksten Kälte ; mit Geschmack hatte er das Wochenzimmer verziert ; ein schönes altes Bild , das Christuskind auf dem Stroh in der Krippe , das mit beiden Händen lächelnd nach den Engeln greift , die in der Luft schweben , verzierte die Hauptwand . Die Freundinnen waren arbeitsam , eine große Zahl zierlich gestrickter Mützen , gestickter Kleiderchen und gestickten Wiegenzeuges zusammen zu bringen . Mitten in diesen Anordnungen überkam eine schnelle und leichte Geburt die Gräfin . Der Graf war ein paar Stunden in notwendigen Geschäften abwesend gewesen , doch behauptete er , einen durchdringenden Schrei in seinen Ohren gehört zu haben , weswegen er mit Besorgnis nach Hause geeilt sei , die aber von dem Anblicke des wohlgebildeten kleinen schreienden Buben , der reinlich auf einer Decke liegend , von allen Hausgenossen angestaunt wurde , zum höchsten Jubel überging . Die Gräfin sagte ihm leise , sie würde um keinen Preis der Welt je wieder in die Wochen kommen ; doch die andern Frauen erklärten gleich , daß diese Redensart eben nicht im strengen Sinne zu nehmen , vielmehr als ein Eid anzusehen sei , den