, vollkommnen Behagen , mit sich selbst zufrieden und mit der Welt . Ja , hätte man eins von beiden am letzten Ende der Wohnung festgehalten , das andere hätte sich nach und nach von selbst , ohne Vorsatz , zu ihm hinbewegt . Das Leben war ihnen ein Rätsel , dessen Auflösung sie nur miteinander fanden . Ottilie war durchaus heiter und gelassen , so daß man sich über sie völlig beruhigen konnte . Sie entfernte sich wenig aus der Gesellschaft , nur hatte sie es erlangt , allein zu speisen . Niemand als Nanny bediente sie . Was einem jeden Menschen gewöhnlich begegnet , wiederholt sich mehr , als man glaubt , weil seine Natur hiezu die nächste Bestimmung gibt . Charakter , Individualität , Neigung , Richtung , Örtlichkeit , Umgebungen und Gewohnheiten bilden zusammen ein Ganzes , in welchem jeder Mensch wie in einem Elemente , in einer Atmosphäre schwimmt , worin es ihm allein bequem und behaglich ist . Und so finden wir die Menschen , über deren Veränderlichkeit so viele Klage geführt wird , nach vielen Jahren zu unserm Erstaunen unverändert und nach äußern und innern unendlichen Anregungen unveränderlich . So bewegte sich auch in dem täglichen Zusammenleben unserer Freunde fast alles wieder in dem alten Gleise . Noch immer äußerte Ottilie stillschweigend durch manche Gefälligkeit ihr zuvorkommendes Wesen , und so jedes nach seiner Art. Auf diese Weise zeigte sich der häusliche Zirkel als ein Scheinbild des vorigen Lebens , und der Wahn , als ob noch alles beim alten sei , war verzeihlich . Die herbstlichen Tage , an Länge jenen Frühlingstagen gleich , riefen die Gesellschaft um eben die Stunde aus dem Freien ins Haus zurück . Der Schmuck an Früchten und Blumen , der dieser Zeit eigen ist , ließ glauben , als wenn es der Herbst jenes ersten Frühlings wäre ; die Zwischenzeit war ins Vergessen gefallen . Denn nun blühten die Blumen , dergleichen man in jenen ersten Tagen auch gesäet hatte ; nun reiften Früchte an den Bäumen , die man damals blühen gesehen . Der Major ging ab und zu ; auch Mittler ließ sich öfter sehen . Die Abendsitzungen waren meistens regelmäßig . Eduard las gewöhnlich , lebhafter , gefühlvoller , besser , ja sogar heiterer , wenn man will , als jemals . Es war , als wenn er , so gut durch Fröhlichkeit als durch Gefühl , Ottiliens Erstarren wieder beleben , ihr Schweigen wieder auflösen wollte . Er setzte sich wie vormals , daß sie ihm ins Buch sehen konnte , ja er ward unruhig , zerstreut , wenn sie nicht hineinsah , wenn er nicht gewiß war , daß sie seinen Worten mit ihren Augen folgte . Jedes unerfreuliche , unbequeme Gefühl der mittleren Zeit war ausgelöscht . Keines trug mehr dem andern etwas nach ; jede Art von Bitterkeit war verschwunden . Der Major begleitete mit der Violine das Klavierspiel Charlottens , so wie Eduards Flöte mit Ottiliens Behandlung des Saiteninstruments wieder wie vormals zusammentraf . So rückte man dem Geburtstage Eduards näher , dessen Feier man vor einem Jahre nicht erreicht hatte . Er sollte ohne Festlichkeit in stillem , freundlichem Behagen diesmal gefeiert werden . So war man , halb stillschweigend halb ausdrücklich , miteinander übereingekommen . Doch je näher diese Epoche heranrückte , vermehrte sich das Feierliche in Ottiliens Wesen , das man bisher mehr empfunden als bemerkt hatte . Sie schien im Garten oft die Blumen zu mustern ; sie hatte dem Gärtner angedeutet , die Sommergewächse aller Art zu schonen , und sich besonders bei den Astern aufgehalten , die gerade dieses Jahr in unmäßiger Menge blühten . Achtzehntes Kapitel Das Bedeutendste jedoch , was die Freunde mit stiller Aufmerksamkeit beobachteten , war , daß Ottilie den Koffer zum erstenmal ausgepackt und daraus verschiedenes gewählt und abgeschnitten hatte , was zu einem einzigen , aber ganzen und vollen Anzug hinreichte . Als sie das übrige mit Beihülfe Nannys wieder einpacken wollte , konnte sie kaum damit zustande kommen ; der Raum war übervoll , obgleich schon ein Teil herausgenommen war . Das junge habgierige Mädchen konnte sich nicht satt sehen , besonders da sie auch für alle kleineren Stücke des Anzugs gesorgt fand . Schuhe , Strümpfe , Strumpfbänder mit Devisen , Handschuhe und so manches andere war noch übrig . Sie bat Ottilien , ihr nur etwas davon zu schenken . Diese verweigerte es , zog aber sogleich die Schublade einer Kommode heraus und ließ das Kind wählen , das hastig und ungeschickt zugriff und mit der Beute gleich davonlief , um den übrigen Hausgenossen ihr Glück zu verkünden und vorzuzeigen . Zuletzt gelang es Ottilien , alles sorgfältig wieder einzuschichten ; sie öffnete hierauf ein verborgenes Fach , das im Deckel angebracht war . Dort hatte sie kleine Zettelchen und Briefe Eduards , mancherlei aufgetrocknete Blumenerinnerungen früherer Spaziergänge , eine Locke ihres Geliebten und was sonst noch verborgen . Noch eins fügte sie hinzu - es war das Porträt ihres Vaters- und verschloß das Ganze , worauf sie den zarten Schlüssel an dem goldnen Kettchen wieder um den Hals an ihre Brust hing . Mancherlei Hoffnungen waren indes in dem Herzen der Freunde rege geworden . Charlotte war überzeugt , Ottilie werde auf jenen Tag wieder zu sprechen anfangen ; denn sie hatte bisher eine heimliche Geschäftigkeit bewiesen , eine Art von heiterer Selbstzufriedenheit , ein Lächeln , wie es demjenigen auf dem Gesichte schwebt , der Geliebten etwas Gutes und Erfreuliches verbirgt . Niemand wußte , daß Ottilie gar manche Stunde in großer Schwachheit hinbrachte , aus der sie sich nur für die Zeiten , wo sie erschien , durch Geisteskraft emporhielt . Mittler hatte sich diese Zeit öfters sehen lassen und war länger geblieben als sonst gewöhnlich . Der hartnäckige Mann wußte nur zu wohl , daß es einen gewissen Moment gibt , wo allein das Eisen zu schmieden ist . Ottiliens Schweigen sowie ihre Weigerung legte er zu seinen Gunsten