Strafe gut machen soll . Galerius müßte nicht seyn , wie er ist , wenn er dies Gefühl des Unrechts nicht mit gewaltiger Hand ergreifen und zu seinem Besten nützen sollte . Ich weiß zuverlässig , daß er die Ueberlegenheit , die ihm dies Gefühl und die sinkenden Kräfte des alternden Augustus geben , mißbraucht , um diesen zu manchem Schritte zu zwingen , oder zu überreden - wer entscheidet das ? - der eine langerprobte Klugheit Lügen zu strafen droht . Man spricht sogar hier und da , aber nur höchst geheim davon , daß Diocletian freiwillig die Regierung niederlegen , den mailändischen Augustus zu demselben Schritte bereden , und sich dann in die Einsamkeit nach Salona , wo er sich in Geheim und lange schon einen lieblichen Aufenthalt zubereiten läßt , begeben wird . Dann würden Galerius und mein Vater Augustus werden , und wer würde den Rang der Cäsarn einnehmen ? Mir hier keinen Nebenbuhler , keine Creatur des düstern Galerius vorkommen zu lassen , soll meine Sorge seyn . Ich habe fürstliches Blut und fürstlichen Sinn von meinem Vater geerbt , und deine Unterweisungen haben mich gelehrt , das , wozu mich Natur und Geschick beriefen , mit festem Gemüth zu erkennen , und zu ergreifen . Marcius Alpinus ist von Galerius entfernt , und Präfect in Nicäa geworden , er , dieser gewandte Höfling , der Günstling des Cäsars , ein kriechender Schmeichler , ein erklärter Feind der Christen , und darum seinem Gebieter bis jetzt scheinbar unentbehrlich . Aber wer wäre dem Galerius unentbehrlich ! Genug , er ist entfernt , und spielt in Nicäa die Rolle des Philosophen , der , des Hofes und der Welt satt , nur sich allein leben will . Ich habe ihn von jeher verachtet . Seit er aber bei jeder Gelegenheit , und erst neulich bei Agathokles Beförderung zum Tribun , diesem mit heimlicher Bosheit entgegen war - ob aus eignem Widerwillen , oder weil der Sclave auch die Neigungen seines Herrn kriechend theilt , und mich in meinem Freunde haßt , weiß ich nicht - seitdem habe ich ihn die Gesinnung , die mir sein Betragen einflößte , deutlich merken lassen , und seinen Einfluß verachtet . Jetzt in seiner Verbannung hat er , uneingedenk alles Vorgefallenen , mir seine guten Dienste anbieten lassen . Die verächtliche Seele ! Er weiß viel , sein Einfluß war bedeutend - - was ich zu thun habe , werde ich sehen . Es ist nichts so gering , so verwerflich , das nicht , an seinen rechten Platz gestellt , zweckmäßig gebraucht werden könnte , und meine Zukunft , folglich auch meine Maaßregeln liegen noch in tiefem Dunkel . Daß ich nichts Unwürdiges thun werde , weißt du . Aber was Nothwehr und drängende Verhältnisse fordern , kann nicht mit dem Maaßstabe ruhiger Fassung gemessen werden , und die Moral des Menschen und des Staats nicht dieselbe seyn . Gegen den , der sich Alles erlaubt , muß die Vernunft selbst alle Mittel ohne Unterschied ergreifen heißen , sonst sind unsre Waffen nicht gleich , und die gute Sache unterliegt ängstlichen Rücksichten . Doch , bei Gott ! Eneus , bei dem , der für ' s Wohl der Menschheit sein Leben gab , nur die Nothwehr wird mich solche Mittel ergreifen machen ! Auf den Höhen der Politik kehren wir wieder in den Stand der Natur zurück , wo nur das Recht des Listigern oder Stärkern gilt . Galerius haßt mich , er haßt die Christen , er will sie verfolgen . Es wird ein harter , ein gewaltiger Kampf entstehen ; aber ich hoffe , der Himmel und Cato werden dann auf einer Seite stehen1 . An meinen theuren Vater habe ich vor zwei Tagen geschrieben , und mich umständlicher über meine Lage erklärt . Er ist wohl so gut , dir zu erzählen , was zweimal zu schreiben mir weder meine Neigung , noch meine Zeit erlaubt . Leb ' wohl ! Fußnoten 1 Die Stelle , auf welche sich diese Anspielung bezieht , ist aus dem Lucan : Magno se judice quisque tuetur . Victrix causa Diis placuit , sed victa Catoni . 59. Agathokles an Phocion . Nikomedien , im December 302 . Es werden beinahe zwei Monate vergangen seyn , seit du keinen Brief mehr von mir erhalten hast , und da jetzt meine Zeit wieder freier ist , hast du wohl gegründetes Recht , Nachricht von mir zu fordern . Ich bin mit dem Cäsar , Constantin und Tiridates seit einigen Tagen hier . Der Kaiser hat mich zum Tribun unter den Jovianern ernannt . Bis in dem Quartiere der Leibwache Platz für mich gemacht wird , wohne ich bei meinem Vater , der Mich mit besonderer Güte behandelt , seit mein Verhältniß zu Constantin , und glückliche Umstände mir eine bedeutendere Existenz verschafft haben . Uebrigens ist mein Leben wie vorhin . Ein trüber Gedanke verläßt mich nie , und vergebens suche ich ernstlich , mich in dem Umgange einer liebenswürdigen Freundin zu zerstreuen , deren Vorzüge vermögend wären , vielleicht in jedem andern Herzen frühere Eindrücke zu verlöschen . Bei mir ist ihr Zauber verloren . Ich achte ihre Verdienste , ich erkenne die seltne Macht ihrer Reize , ich fühle mich erheitert , so lange ich um sie bin ; aber die Leere meiner Brust auszufüllen , vermag sie nicht . So von der Wirklichkeit abgestoßen , und unfähig , in irdischen Gütern Glück zu suchen und zu finden , ergreift der Geist desto heftiger die Ideen , die sich ihm darbieten . Und so höre nun , Phocion , was eigentlich mich abhielt , dir schon längst zu schreiben . Glaube nicht , daß es Mangel an Erinnerung oder minderes Verlangen war , dir alle meine Gedanken mitzutheilen ; es war Unschlüssigkeit , Furcht , möchte ich beinahe sagen . Es ist eine peinliche Lage , wenn verschiedene Schicksale zwei Freunde zu sehr verschiedenen Arten der Ausbildung und