» O du höllischer Teufel droben ! « rief der ergrimmte Roquairol ; aber Alban wurde weich über die eiserne Jungfrau der Sterbensstunde , die so nahe an ihm die scharfen Arme zusammengeschlagen hatte . Sie faßten sich wärmer und gingen still und bange einem leisen Getöne und einem Grabhügel entgegen . Sie setzten sich auf ihn , gegenüber einem mit der quälenden Katakombe einen rechten Winkel bildenden Gang , den grünes Moos auslaubte und dessen Länge die zerbröckelten Funken von faulem Holze bezeichneten . Er verlor sich in eine offne Pforte und Aussicht ins - Elysium , von welchem nur die weißen Gipfel einiger Silberpappeln zu erkennen waren , und in der Ferne sah man das Frühlingsrot der Mitternacht am Himmel blühen , und zwei Sterne blitzten darüber . Doch wurde die Pforte vergittert und bewacht durch ein Skelett mit einer Äolsharfe in der Hand , das auf ihr die dünnen Molltöne zu greifen schien , mit denen jetzt der Zugwind in die Höhle floß . » Erzähle hier « ( sagte Karl an der schönen Stelle und neugieriger durch den Mörderwurf von Albans Degen ) » das Heutige aus ! « Albano berichtete ihm redlich das Wort der Schwesterstimme : » Linda de Romeiro geb ' ich dir . « Er dachte im Geräusche seines Innern nicht an die Anekdote , daß ja Karl für eben diese als Knabe sterben wollen . » Die Romeiro ? « ( fuhr dieser auf ) » Sei still ! - O diese ? - Spielender Scharfrichter , du Schicksal ! Warum sie und heute ? Ach Albano , für diese ging ich früh dem Tode entgegen , « ( fuhr er weinend fort und sank ihm an die Brust ) » und darauf ist mein Herz so schlecht geworden , weil ich sie verloren habe - Nimm sie nur hin , denn du bist ein reiner Geist - die herrliche Gestalt , die dir auf dem Meere erschien , so sieht sie aus , oder jetzt noch schöner . - - Ach Albano ! « - Dieser edle Mensch erschrak über die Verwickelung und über das Schicksal und sagte : » Nein , nein , du lieber Karl , du denkst über alles ganz falsch . « Plötzlich war es , als tönten alle Gestirne und ein melodisches Geisterchor dränge unsichtbar durch die Pforte herein ; Albano war betroffen . » Nichts , laß es ! « ( sagte Karl ) » Es ist das Skelett nicht ; der fromme Vater geht im Flötentale und zieht jetzt seine Flöten , weil er betet - - Aber wie sagst du , ich dächte über alles falsch ? « - - » Wie ? « wiederholte Albano und konnte im zauberischen Kreise dieser Nachklänge , die den Sonntagsmorgen allmächtig wiederbrachten , nicht denken und reden . Wehten denn nicht die Silberpappeln an den Sternen hin und her , und Rosenwolken lagerten sich um den Himmel , und das ganze Elysium zog offen vorüber mit den Lauten , die es durchschwebet , mit den Tränen , die es benetzet hatten , und mit den Träumen , die kein Herz vergisset , und mit der heiligen Gestalt , die ewig in seinem bleibt ? - Die Hand ihres Bruders hielt er jetzt so fest ; der Liebe und der Freundschaft , diesen zwei Brennpunkten in der Ellipse der Lebensbahn , war er so nahe ; - ungestüm umfassete er den Bruder mit den Worten : » Bei Gott , sag ' ich dir , die , so du genannt , geht mich nichts an - und sie wird es nie . « » Aber , Albano , du kennst sie ja nicht ? « sagte Karl , viel zu hart fortfragend ; denn der edle Jüngling neben ihm war zu blöde und zu fest ' dem Verwandten der Geliebten - einem Fremden viel leichter - das Heiligtum seiner Wünsche aufzuschließen . » O martere du mich nicht ! « ( antwortete er empfindlich ; aber er setzte sanfter hinzu ) » glaube mir doch das erstemal , mein guter Bruder ! « - Karl gab ebenso selten nach wie er und sagte , obwohl den Fragton verschluckend und recht liebend , doch dieses : » Bei meiner Seligkeit , ich tu ' es ; und mit Freude - ein Herz muß herrlichgeliebt und göttlich-glücklich sein , das ein solches entbehren kann . « Ach weiß denn das Albano ? - Nur schweigend lehnt ' er sich mit der Feuerwange voll Rosen an Lianens Bruder , verschämt das Erforschen scheuend ; bloß als die schwindenden Rufe des Flötentals sich wie Seufzer in seiner Brust versammelten und ihn zu oft erinnerten , wie der Sonntagsmorgen schloß , wie Liane wich und wie er ihr mit nassen dunkeln Blicken vom Altare nachsah : so brach sein Auge , obwohl nicht sein Herz , und er weinte heftig , aber schweigend an seinem ersten Freunde . Dann kehrten sie mit stummen Seelen nach Hause und schaueten sinnend den langen schwindenden Wegen der Zukunft nach ; und als sie schieden , fühlten sie wohl , daß sie sich recht von Herzen liebten , nämlich recht schmerzlich . - Am Morgen darauf lag der fromme Vater an einer Erschütterung darnieder , die mehr selig als traurig war ; denn er sagte , er habe in der Nacht seinen Freund , den verstorbenen Fürsten , weißgekleidet im Tartarus gehen sehen . - Ende des ersten Bandes Zweiter Band Zehnte Jobelperiode Roquairols advocatus diaboli - der Feiertag der Freundschaft 53. Zykel Nicht nach den Kinderjahren , sondern nach der Jünglingszeit würden wir uns am sehnsüchtigsten umkehren , wenn wir aus dieser so unschuldig wie aus jenen herkämen . Sie ist unser Lebensfesttag , wo alle Gassen voll Klang und Putz sind und um alle Häuser goldne Tapeten hängen , und wo Dasein , Kunst und Tugend uns noch als sanfte Göttinnen mit Liebkosungen locken , die uns im Alter als strenge Götter mit