Luft vom Donner eines Kanonenschusses ... Die Krieger ringsum griffen zu den Waffen ... Auch auf dem Monte Testaccio wurde es lebendig ... Der Schuß kam von der inneren Stadt ... Bald fielen , während die Kanonenschüsse sich wiederholten , Glocken ein ... Immer mehr und mehr der ehernen Zungen begannen auf allen Thürmen zu läuten ... Ueber die ganze Stadt wehte ein einziger klingender Luftstrom ... Die Wahl ist vollzogen ! rief Armgart und brach auf ... Der Knabe wurde gerufen ... Sicher war es jetzt kaum zum Hindurchkommen , wenn man auf den Monte Cavallo zurückfahren wollte ... Paula mußte schon geführt werden ... Sie schwankte in zitternder Erwartung ... Der Donner der Kanonen , das Läuten der Glocken währte fort ... Pfeilgeschwind schoß der Wagen durch die Vorstädte ... Im Innern der Stadt mußt ' es langsamer gehen ... Haben wir das versäumt ! klagte Armgart und zugleich erwartungsvoll forschend , so oft der Wagen im Gewühl der Truppen , der Bivouaks , der Volksmassen halten mußte ... Sie fragte , was man wisse ... Man hörte nur Trommeln , Commandowörter , Drohungen sogar - ... Zu den Waffen ! schrie das Volk und von Trastevere stürmten die Menschen in wilder Wuth über die Brücken ... Was mag es geben ! fragten sich die Frauen , voll Bangen über eine unerwartete Wendung ... Daß zur bestimmten Stunde aus dem kleinen Schornstein nicht Rauch gekommen war , galt bis jetzt für das einzige Zeichen , daß Jemand das richtige Zweidrittel der Stimmen für die Wahl erhalten hatte ... Wer es war ? wußte noch niemand ... War es Fefelotti - dann Tod und Verderben - ! ... Dem Monte Cavallo zu , wo nur denen Platz gelassen wurde , die beweisen konnten , daß sie dort wohnten , hieß es : Fefelotti ist es nicht ... Aber auch Ambrosi war es nicht ... Man hatte gehört , daß von den drei weißen Gewändern , die für den neugewählten Papst bereitgehalten werden müssen , nicht dasjenige geholt worden war , das zu einer kleinen Gestalt paßte ... Anfangs hieß es : Man holte das mittlere ... Endlich , schon an dem von Truppen umlagerten vermauerten Palast , lärmten die Rufe wie bei den Vorbereitungen zu einem Bühnenspiel durcheinander : La roba grande ! ... Halb ohnmächtig über die Schlußfolgerungen , die sich aus diesem üblichen Vorspiel eines überlebten Vorgangs ziehen ließen , kam Paula am Thor des Palazzo Ruspigliosi an ... Armgart sprang aus dem Wagen - eilte durch die Säle , riß eines der von den Dienern und deren Freunden und Angehörigen nicht belagerten Fenster auf und blickte in den schon vom Abendlicht beleuchteten menschenübersäeten Platz ... Hoch und herrlich bäumten sich über dem Gewühl von Menschen , Rossen , Kanonen , Waffen aller Art , wehenden Fahnen die Kolosse der Dioskuren , die Phidias und Praxiteles geschaffen ... Jeder der ehernen Rossebändiger hatte in der einen freien Hand die dreifarbige Fahne ... Armgart rief nach Paula ... Diese schwankte näher - krampfhaft ihren Sohn umfassend ... Ueber dem Portal des päpstlichen Palastes am großen Fenster wurde es lebendig ... Eine Mauer , vor wenig Tagen erst aufgeführt , rissen in wilder Hast Arbeiter im Schurzfell , nieder ... Stein auf Stein fiel ... Die Balconthür wird frei ... Ein lieblichster Abendsonnenstrahl fällt auf die bunten Gewänder der Männer , die jetzt auf dem Balcon erscheinen ... Cardinal Ambrosi tritt hervor , jubelnd vom Volk bewillkommt ... Er trägt eine Rolle in der Hand ... Trotz des Purpurstrahls der Sonne und seiner Gewänder erschien er vor Aufregung hocherröthet ... Das Jauchzen , das Rufen der Menge , die ihn gleichsam für eine getäuschte Hoffnung schadlos hielt - er konnte nicht der Gewählte sein - hörte endlich auf ... Todtenstille trat ein , unterbrochen vom Krachen der Kanonen auf der Engelsburg , vom Läuten der Glocken ... Ambrosi , wie Johannes der Täufer den Ruhm seines Freundes Jesus verkündete , rief mit lauter Stimme : Annuncio vobis gaudium maximum ! ... Habemus Papam eminentissimum Cardinalem Archiepiscopum Cuneensem Dominum Bonaventuram d ' Asselyno ... Trommeln wirbelten , Trompeten schmetterten - Fahnen flatterten ... Von seinem Roß herab salutirte der Dictator mit seinem im Sonnenstrahl blinkenden Schwert dem neuen Bischof Roms , einem Deutschen ... Wohlgefällig und neugierig murmelnd ging es durch die Reihen ... Der Name war bekannt und in seinem Ruf bewährt ... Es war eine Wahl , die zugleich ein Symbol der Universalität und Unparteilichkeit der Kirche erscheinen durfte ... In italienischer Sprache fuhr Ambrosi fort : Der erste Papst , der nicht heilig gesprochen wurde , hieß Liberius I .... Der neue Bischof von Rom nennt sich in Demuth Liberius II .... Die Spannung mehrte sich ... Ambrosi fuhr fort : Liberius II. nimmt die Wahl unter der von den Cardinälen zugestandenen Bedingung an , daß seine erste That als gekrönter Bischof von Rom die Berufung eines allgemeinen Concils ist ... Der Dictator schwang sein Schwert ... Ein Sturm der freudigsten Unterbrechung folgte ... Die Krieger riefen wie mit ehernen Zungen : Evviva ! ... Ambrosi fuhr fort : Auf daß sich jedes katholische Herz auf die seit dreihundert Jahren ruhende Frage der Kirche und Lehre , auf eine Kirchenverbesserung nach dem Wort Gottes , Christi und der Apostel vorbereite , gibt das versammelte Conclave der zweiten Bedingung des neuen Herrschers der Kirche die Zustimmung : In allen Sprachen der Christenheit ist das Lesen der Bibel gestattet ! Von allen Kanzeln der katholischen Christenheit sollen die Völker ausdrücklich sieben Wochen lang und in jeder Abendstunde dazu aufgefordert und angeleitet werden - ! ... Der Dictator nahm seinen Reiterhut mit der wallenden Feder vom greisen Haupte ... Geisterhaft lag ein heiliges Schweigen über dem Menschenmeer ... Endlich schloß Ambrosi : Und daß das Concil in heiliger Stille , fern vom Geräusch der Waffen und weltlichen Störungen gehalten werde , so ist dafür ein stilles Alpenthal Italiens bestimmt in der Erzdiöcese des Gewählten ... Zwischen Coni und Robillante im