Staatsmänner ... Meist sind die Züge der Abgebildeten leidend - man sieht es , der Geschiedene hatte noch auf diese milde weiche Luft , auf diesen heitern Sonnenschein seine Hoffnung gesetzt und sie betrog ihn - ... Dürftige Holzkreuze mahnen an manchen armen jungen Maler , der in Italien sein Ideal gesucht und in einem römischen Spital in einer einzigen Fiebernacht es finden sollte ... Jetzt halten die beiden Damen in Trauer - hohe , schlanke , edle Gestalten , gefolgt vom Diener und geführt vom voranspringenden Knaben - vor einem Denkstein , auf welchem der Name zu lesen steht : » Graf Hugo von Salem-Camphausen . « Sie nehmen dem Diener ihre Rosen und Lorberkränze ab , die dieser aus dem Wagen mitgebracht , und legen sie auf das Grab , das erst kürzlich seine Vollendung erhalten hatte ... Graf Hugo , nicht in die Dienste seiner Armee zurückgetreten , hatte auf Schloß Salem seiner Gattin gelebt und dem Sohn , den sie ihm gebar ... Benno Thiebold Bonaventura Graf von Dorste-Salem-Camphausen wurde lutherisch getauft ... Graf Hugo starb bei allem Glück an einem Siechthum des Herzens - es hatte seit Jahren der Kämpfe zu viel bestanden ... In Rom hatte er Genesung gehofft und heute vor einem Jahr erlosch sein Auge ... Das da ist sein lieber Sohn - er wird erzogen von zwei Müttern statt einer - ... Von Paula und von Armgart ... Letztere ist nun auch schon von grauen und nicht ( wie bei ihrem auf Castellungo noch mit dem Vater lebenden streitbar rührsamen Mütterchen ) verfrühten Locken ... Das heutige Opfer der Freundschaft und Dankbarkeit konnte nicht lange währen ; denn die bangen weiblichen Herzen entdeckten bald , daß sie zu allein waren in so wildem Kriegerjubel - ... Es war eine Stunde Allerseelen ... Sie gedachten voll Innigkeit aller Todtenhügel , die sich ihnen in der Welt schon erhoben ... In der Ferne das noch immer von Armgart mit Rosen und Vergißmeinnicht umfriedigte Grab des Onkels Dechanten - Benno ' s - der Tante Benigna , des Onkel Levinus - des Präsidenten von Wittekind - ... - ... Auch in der Nähe gab es trauervolle Erinnerungen ... Nicht weit von hier , auf dem Kirchhof der Laterangemeinde , lag ein Hügel , der die Herzogin von Amarillas bedeckte , von welcher man sagte , daß sie ein Jahr vor ihrem Ende nachts wie ein verstörter Geist in ihren Zimmern umirrte und die Ruhe suchte , die ihr nur noch der Tod geben konnte ... Am Vatican befand sich Lucindens Grab ... Im Inquisitionspalast ein Hügel , der Bonaventura ' s Vater deckte .... Bruder Hubertus ' Asche ruhte auf San-Pietro in Montorio ... Terschka ' s Ruhestätte kannte man nicht ... Die Frauen suchten und forschten auch nicht nach ihr - ebenso wenig , wie nach den Umständen , unter denen Lucinde , Terschka und Hubertus aus dem Leben gingen ... Es gab darüber grauenvolle Sagen - Armgart und Paula glaubten ihnen nicht ; nicht mehr um der Religion willen , sondern deshalb , weil ein weibliches Herz die Schleier böser Dinge ungern gelüstet sieht ... Wo ist der Widerhall zu finden , die ganze Grabesrede , die jedem dieser Menschen gebührte ! ... Nur in Gott ruhen sie ; nachfühlen und von ihnen träumen mag der Dichter ... Paula und Armgart waren gerechter als andere - was man von Lucinden sprach , erschöpfte selbst ihrem Urtheil nicht die volle Wahrheit ... Oder sollte Lucinde wirklich den Tod gefunden haben , überrascht bei einem Briefe , den sie gerade an Bonaventura schrieb - ? ... Vor einem offenen Kästchen , in welchem Documente lagen , die - mit den Schicksalen der Familien Wittekind und Asselyn zusammenhingen , mit Benno ' s Ursprung , wie man glaubte , mit seines Vaters betrügerischer zweiter Ehe , mit dem scheinbaren Tod des weiland Regierungsraths von Asselyn - ! Was ließ sich nicht alles an unheimlichen Stellen im Leid dieser Familien auffinden - ! ... Oder sollte es wahr sein , daß Fefelotti , das Al-Gesú und Olympia im Bunde jenes Kästchen bei Gelegenheit einer Feuersbrunst ebenso wollten verloren gehen lassen , wie die verhängnißvolle falsche Urkunde , die Hammaker geschrieben , einst bei jenem Brande zu Westerhof gefunden wurde - ? ... War es wirklich Terschka , der diesen Raub hatte auf sich nehmen wollen - - müssen - ihn schon lange versuchte - ? ... Hatte Terschka ' s Ohr im Inquisitionspalast , in welchen nur die Verschlagenheit des ehemaligen Anwohners der Porta Cavallagieri sich einzuschleichen wußte , die Beziehungen belauschen sollen , die zwischen Bonaventura , und dem deutschen Einsiedler aus dem Silaswald obwalteten - ? ... Und hatte die Feuersbrunst zu früh begonnen und der Mönch mit dem Todtenkopf , der alte Freund aus ihrer Jugendzeit , der zwischen Westerhof und Himmelpfort so oft im wogenden Kornfeld traulich mit ihnen plauderte und scherzend ihnen Cyanenkränze wand , seinen seit Jahren gesuchten zweiten Schützling in dem Augenblick wiedergefunden , wo ihn zugleich auch über diesen der Himmel zum Richter machte - freilich mit dem Einsatz seines eignen Endes - ? ... Wandte sich alledem ein grübelndes Forschen und Staunen zu , so ließen die beiden Frauen andere die geheimen Fäden offen und klar darlegen ; sie selbst verglichen das Meiste , was im Schoose Gottes ruht , dem stillwaltenden Naturgeheimniß , das oft ein einfaches Summen schwärmender Käfer im heißen Sommerbrand tiefer auszudrücken scheint , als Bibliotheken voll Menschenweisheit - ... Mochten sie nicht glauben , daß ein Falter , der von Blume zu Blume fliegt , vom All mehr schon erfahren hat , als wir - ? ... So war es ihnen , wenn man von Lucinde sprach ... Eine Stunde verging ... Die düstern Vorstellungen schwanden im Hinblick auf die Enthüllungen des Conclave ... Bonaventura , der muthige Bekämpfer der jetzt überall aus Italien vertriebenen und nur noch in Spanien und Deutschland nistenden Jesuiten , Bonaventura , der noch immer in Coni