Stadt schaffen ließ , hat sich ein Hügel erhoben , in welchem Unkraut wuchert auf angeflogener Erde , die , in die Ritzen eingedrungen , den Mörtel dieser zu einem Ganzen vereinigten Scherben bildet ... Wie mancher schöne Henkelkrug liegt da in Trümmern - ! ... Wessen Hand mag ihn einst an die dürstende Lippe gesetzt haben - ! ... Noch sind die Götter des friedlichen Hauses nicht ganz von diesen Gefäßen gewichen , die ihnen einst geweiht waren ... Der Monte Testaccio ist ausgehöhlt und verbreitet süßen Kelterduft aus zahllosen Weinkellern ... Hier hatte vielleicht schon Cajus Cestius seine Weinvorräthe ... Ueber diese Trümmer gibt es Treppen , Estraden , Lauben von Akazien- und Holunderbüschen , wo die , die einen Guten im Kühlen zu schätzen wissen , in Hemdärmeln sitzen und das schöne » Aller Weisheit sich entschlagen « üben , das in Rom von jeher beim Becher geliebt wurde ... Auch heute fehlen , wie nicht die Nachtigall und die Rosen unter den Gräbern , so auch die Trinker nicht ... Massenhaft durchforschen sie die heiteren Katakomben des Testaccio ... Wilde und sanfte Gestalten gemischt - Priester und Mönche sogar - in Waffen , die meisten mit rother Blouse - die Büchsen sind in Haufen zusammengestellt ... Der nahe Kirchhof stört da Niemanden - hat doch der Tod seit Jahren in Italien furchtbare Ernten gehalten ... Throne brachen zusammen ... Völker kämpften gegen Völker ... Die letzte Entscheidung über Italiens Wiedergeburt ist nahe herbeigekommen ... Die Waffenruhe trat ein durch den Tod des Stellvertreters Christi ... Ihrer mehre sind sich in kurzer Frist gefolgt ... Einige Greise sanken in stürmischer Zeit dahin , wie schon sonst ein Stephan II. nur drei Tage auf jenem Stuhl saß , auf welchem man , nach Innocenz ' III. Wort , » zwar weniger , als Gott , aber mehr , als ein Mensch ist « - Bonifaz VII. ermordete ihn . Auch dieser wich in einem Jahre schon vor Donus II. Auch Clemens II. Freiherr von Horneburg , ein Deutscher , blieb in jener Schwebe zwischen Himmel und Erde nur ein Jahr ; Gregor VIII. nur wenige Wochen ... So herab bis zu Pius VIII. , der gleichfalls nur wenig über ein Jahr die Himmelsschlüssel trug ... Seitdem kamen andere und schon hatte Frankreich in Avignon , Oesterreich in Salzburg einen oder den andern wählen und krönen lassen ... Das neuntägige Trauergeläut unterbrach den Kanonendonner in der Campagna und Roms Dictator , bestürmt von seinen Kriegern , bestürmt vom freisinnigen Theil Europas , daß Er am wenigsten noch in Rom eine Papstwahl dulden möchte , erhob dennoch sein Schwert und sprach : Der letzte der Reihe ! ... Doch hört sein Wort ! Ist es ein Prätendent auf die weltliche Herrschaft Roms , wie sie alle waren , so senden wir ihn zu den beiden Heersäulen draußen , deren Bajonnete ihn halten mögen , den Schatten ohne Macht und Würde ... Ist es aber ein Nachfolger Petri im Geiste Petri , ein Friedensfürst und Apostel , so soll die Welt seine segnende Hand nicht entbehren ... Dann wird unser Schild ihn tragen ... Unser ihm zujubelnder Beifall feiert eine Erlösungsstunde der Menschheit ... Drei Tage dauerte nun schon das Conclave von nur noch dreißig Cardinälen ... Immer noch eine ansehnliche Zahl von Anwesenden unter den meist unvollständigen Siebzig - in solcher Zeit - ! ... Offen und ehrlich hatte der Dictator in die Welt gerufen , daß jeder , der den Purpur trüge , unbekümmert an die Thore Roms pochen dürfe ; Rom würde ihm öffnen und ihn schützen ... So ruhten denn nun seit zwölf Tagen die Waffen und an das Schreckensvolle , an brennende Dächer , stürzende Thürme , an die Verheerungen der Seuchen , hatte sich die bedrängte Stadt schon wieder so gewöhnt , daß zwölf Ruhe- und Trauertage Festtage schienen ... An die Thore , die mit haushohen Barrikaden befestigt waren , hinter die Schanzkörbe der Mauern wagten sich die Frauen , die Kinder , die Greise ... Bang und erwartungsvoll umstanden sie die Batterieen , die mit brennenden Lunten den Monte Cavallo umgaben , wo die Cardinäle eingemauert und den Heiligen Geist erwartend saßen ... Der Dictator hatte wieder sein Roß bestiegen und sprengte mit seinem Stab vom Fuß des Testaccio dem Thor der Bocca della Veritâ zu und zur Stadt zurück ... Er blickte sorglos ... Durch nichts verrieth er , daß die Welt in diesem Augenblick einer Mine glich , die ein einziger Funke in die Luft sprengen und ihn vor allem selbst vernichten konnte ... Lächelnd grüßte er zwei ihm wohlbekannte Damen in Trauer , welche die allgemeine Erlösung vom Schrecken dieser Tage benutzten , um den Sonnenschein , die Nachtigall , die Rosen und die Gräber zu besuchen ... Von bebenden Hoffnungen , schmerzlichen Erinnerungen bewegt , suchten sie Erholung auf dem Friedhof ... Ein blühender Knabe von sieben bis acht Jahren saß munter und ruhig vor ihnen ... Die Reiter bogen aus und ließen den offenen Wagen hindurch ... Mitten durch die Zelte und Gruppen der singenden oder sich im Kriegsspiel übenden Krieger hindurchfahrend , steigen die Frauen , der Knabe und ein Diener am Thor des Friedhofs der Protestanten aus ... Sie tragen Kränze in den Händen ... Der kleine grüne Fleck dieses Todtenackers war in den letzten Stürmen sichtlich verschont geblieben ... Manche der Ahornbäume , die seine Alleen bildeten , lagen zwar niedergesägt ; ebenso Sträucher mit verwelkten Schneeballen oder Jasmindolden ; die Gräber waren verschont geblieben ... Der stille Geisterhauch , der doppelt geheimnißvoll über diese in der Fremde Gestorbenen hinweht , schien ruhige Grüße der Sehnsucht nach dem Vaterlande hinüber oder von dorther zurückzutragen ... Aeltern , Geschwister , Kinder der hier Ruhenden weilen in der Ferne ... Manchem jenseits der Alpen Weinenden ruht hier sein ganzes Glück - unter einem - wie oft ! - nur einfachen grünen Hügel ... Doch prangen auch auf marmornem Monument die Bildnisse berühmter Künstler , Gelehrten , hochgefeierter