ging nach Rom - ... « Ambrosi hatte sich niedergelassen , legte sein Haupt auf den Tisch und faltete die Hände ... Auch Bonaventura ' s Schweigen war ein Gebet ... Nach einer feierlichen Stille sagte er : Und ich , ich mußte dir das letzte Wiedersehen deines Vorläufers und Apostels rauben - ! Den Blick - der Bewunderung - ! ... Er ist jetzt unter uns ! sprach Ambrosi mit verklärtem Blick gen Himmel ... Und wie bald - einigt uns alle - das große Gottesherz - ! ... Eine lange Pause trat ein ... Dann mahnte Ambrosi selbst , daß der Freund fortfuhr ... Dieser las : » Als mein treuer Schüler nach Rom zu den strengen Alcantarinern gepilgert war , hätte ich in hoher , göttlicher Freude in meiner Klause leben können , wenn ich mich nicht einige Jahre später hätte zu jenen Briefen hinreißen lassen ... So lebte ich mit Zittern und Zagen unter den Eichen von Castellungo , hoffend und wieder erbangend , erbangend , daß meine Entdeckung nahe war ... Mevissen mußte todt sein - ich hörte nichts von ihm ... So ging noch ein Jahr , noch ein zweites hin ... Da kam plötzlich die Nachricht , daß mein eigener Sohn als Bischof in Robillante erwartet wird - ! ... Ich wußte nichts vom Zusammenhang dieser wunderbaren Wendung , ich sah nur die Wirkung meiner Mahnung an die Eichen von Castellungo ... Dein Denken , dein Fühlen entnahm ich aus dem , was ich allein von dir wußte ... Es war mir verhaßt ; ich hätte fürchten müssen , dich in die traurigsten Conflicte zu verwickeln ... So entfloh ich ... Ich bot alles auf , dir , deiner Mutter , deinem zweiten Vater die volle Freiheit eueres Lebens zu lassen , mir nur den Schein meines Todes ... Ambrosi wurde der treue Vermittler zwischen deiner Liebe und meiner Furcht ... Ich hörte von deiner veränderten Richtung , von deinen Kämpfen , deinen Siegen ... Ist es nicht gut , zu entbehren um einen Gewinn ? ... Sah ich dich nicht , ob hier , ob dort , in meinen Armen , vereint mit dir in jenen großen Opfern , die nie ausbleiben werden , solange die Erde in ihren Bahnen der Dunkelheit und der Sehnsucht zum unsterblichen Lichte rollt - ! ... Ich fürchtete nichts von den Schrecken dieser Welt - nichts von den Schrecken Italiens ... Müssen sich nicht selbst die Drohnisse der Natur in Quellen der Freude verwandeln , wenn sie uns die Gemeinsamkeit des Erdenlooses lehren und das Bild eines großen Zweckes aufstellen , dem aus Tod erst an der ewigen Schöpfungsquelle die Erfüllung wird ! ... Wenn ich dir schildern sollte , wie ich auf meinem Pilgergang nach Loretto , in der Gefangenschaft der Räuber , im Silaswald in jener Waldeinsamkeit , die ich in meinen Jugendträumen so oft gepriesen und ersehnt , hin und her bewegt wurde von einer Welt andringender , mich stets beschäftigender Thatsachen , wie ich namentlich im Hinblick auf dich und deine große Laufbahn von Zweifel , Hoffnung , innigster Vater- ja Freundesliebe bewegt wurde - dann soviel freundliche Genien fand , die mich auch wiederum einen Jüngling wie Ambrosi , entsagungsmuthig , willensstark und willensrein finden ließen - Paolo Vigo - wie ich nun drei schon einem Gottesreiche gewonnen sah , das mit klingenden Harfen näher und näher den Nebeln der Erde kommt - ... « Bis hierher hatten die Freunde gelesen , als die Lampe erlosch und sie sahen , daß der helle Morgen tagte ... Sie hatten das Schwinden der Zeit nicht bemerkt ... Auch das Verglimmen des Feuers im Kamin nicht ... Nun meldeten sich die Rechte der Natur im Gefühl , daß es Winter war ... Draußen läuteten die Morgenglocken ... Sie waren so selig ergriffen von Freundschaft , Liebe und Hoffnung , daß ihnen die Besinnung auf die Welt , sogar der Hinblick auf die in den öden Mauern des Inquisitionspalastes liegende Hülle der edlen , schwärmerischen Seele , die hier zu ihnen sprach , wie ein Traum , eine märchenhafte Jugenderinnerung war ... Den Rest der Blätter wollten sie auf den stilleren Abend lassen und wenige Stunden noch ruhen ... Dann hatten sie die Absicht , zunächst zum General der Dominicaner zu fahren und dem zu danken ... Hierauf wollten sie in den Inquisitionspalast , später nach San-Pietro in Montorio ... Schon hörte man von der Straße her den Lärm des Tages ... Eben wollten die Freunde sich trennen , als sie bemerkten , daß der Diener , welcher die auf dem entlegenen Zimmer Eingeschlossenen nicht ferner hatte stören dürfen und auch inzwischen geruht hatte und sie staunend noch nicht zu Bett gegangen wiederfand , noch eine Eröffnung für sie bereitzuhalten schien ... Er sagte , daß die trübe Nachricht erst nach Mitternacht gekommen wäre und er nicht sofort sie zu melden gewagt hätte ... Es war verhängt , daß sich keine Ruhe auf die leidüberladenen Herzen senken sollte ... Die Feuersbrunst hatte auf Via dei Mercanti stattgefunden ... ... Sie war seit Jahren eine der größten , die in Rom stattgefunden ... Die daselbst in einem alten Palast befindlichen Waarenmagazine waren von den wüthenden Flammen zerstört worden ... Von oben und unten sich begegnend hatten sie die Stiegen unbetretbar gemacht ... Man beklagte Verlust an Menschenleben ... Ambrosi und Bonaventura fragten nach Gräfin Sarzana ... Der Diener berichtete ihren Tod ... Ein Franciscanerbruder , erzählte er und die sich mehrende Dienerschaft ergänzte seinen Bericht , hätte retten wollen ... Muthig stürzte sich der Mönch in die Flammen , zumal als man zu sehen glaubte , daß eine Dame , die oben einen Ausgang aus der Zerstörung suchte , einem Räuber ein Kästchen entriß , das sie mit Verzweiflung und hülferufend vor ihm zu wahren suchte ... Auf einer mit Eisenblech beschlagenen Leiter erreichte der Mönch den Balcon , der schon mit brennendem , zur Rettung bestimmtem Geräth überhäuft war , kletterte in ein vom wirbelnden