uns den Gegner zu zeigen . Unser Kampf gilt nicht Ihrem Vaterlande ; er wird drüben auf fremdem Boden gekämpft . « » Und wenn die Ihrigen siegen auf diesem Boden ? « fragte Waldemar langsam und scharf . » Wer kommt dann zunächst an die Reihe ? « Die junge Gräfin schwieg . » Wir wollen das lieber nicht erörtern . « sagte Nordeck bitter . » Es mag ja eine innere , eine Naturnotwendigkeit sein , die Ihren Vater und Leo in den Streit getrieben hat , aber die gleiche Notwendigkeit treibt mich zum Widerstand . Mein Bruder hat es freilich leichter als ich . Ihm haben Geburt und Familientradition von jeher nur einen Weg gezeigt , und er ist ihn gegangen , ohne Wahl , ohne Zwiespalt – mir ist beides nicht erspart geblieben . Ich vermag es nun einmal nicht , zwischen zwei feindlichen Parteien hin und her zu schwanken und beiden oder keiner anzugehören ; ich muß einer Sache Freund oder Feind sein . Was mich die Wahl gekostet hat , danach fragt niemand . Gleichviel , ich habe gewählt , und wo ich einmal stehe , da bleibe ich stehen . Leo wirft sich mit glühender Begeisterung in den Kampf für seine höchsten Ideale , getragen von der Liebe und Bewunderung der Seinigen ; er weiß , daß sie täglich für sein Leben zittern , und für ihn ist die Gefahr nur ein Reiz mehr bei dem Kampfe – ich stehe allein auf meinem Posten , der mir vielleicht den Tod durch Meuchelmord und sicher den Haß einträgt , den Haß von ganz Wilicza , von Mutter und Bruder und auch von Ihnen . Die Rollen sind doch wohl ungleich verteilt zwischen uns Brüdern . Aber ich bin ja nie durch Liebe und Zuneigung verwöhnt worden . Ich werde das auch jetzt ertragen . Also hassen Sie mich immerhin , Wanda ! Vielleicht ist es das beste für uns beide . « Er hatte inzwischen die bezeichnete Richtung eingeschlagen und hielt jetzt kurz vor dem Eingang des Dorfes , das wie ausgestorben dalag . Sich von seinem Sitze schwingend , wollte er der jungen Gräfin die Hand zum Aussteigen bieten , aber sie lehnte schweigend ab und verließ allein den Schlitten . Ueber ihre festgeschlossenen Lippen kam auch nicht ein einziges Wort des Abschiedes . Sie neigte nur stumm das Haupt zum Gruße . Waldemar war zurückgetreten . In seinem Antlitz erschien wieder der Zug finstern Schmerzes , und seine Hand , welche die Zügel hielt , ballte sich krampfhaft – die Abweisung verletzte ihn augenscheinlich aufs tiefste . » Ich werde das Gefährt morgen zurücksenden , « sagte er kalt und fremd , » mit meinem Danke – wenn Sie ihn nicht etwa auch ablehnen , wie eben diesen leichten Dienst . « Wanda schien mit sich zu kämpfen ; sie hob bereits den Fuß zum Gehen , zögerte aber noch einen Augenblick . » Herr Nordeck . « » Sie befehlen , Gräfin Morynska ? « » Ich – Sie müssen mir versprechen , die Gefahr nicht wieder so herauszufordern , wie Sie es heute thun wollten . Sie haben recht – der Haß von ganz Wilicza gilt jetzt Ihnen ; machen Sie es ihm nicht so leicht , Sie zu treffen – ich bitte Sie darum . « Eine flammende Röte schlug in dem Gesichte Waldemars bei diesen Worten auf . Er warf einen Blick auf das ihrige , nur einen einzigen , aber alle Bitterkeit schwand davor . » Ich werde vorsichtiger sein , « entgegnete er leise . » So leben Sie wohl ! « Sie wandte sich um und schlug den Weg nach dem Dorfe ein . Nordeck blickte ihr nach , bis sie hinter einem der nächsten Gehöfte verschwand , dann schwang er sich wieder in den Schlitten und jagte in der Richtung nach Wilicza hin , die ihn bald wieder in den Wald führte . Er hatte die Waffe aus der Brusttasche genommen und neben sich gelegt , und während er mit gewohnter Sicherheit die Zügel führte , spähte sein Auge scharf zwischen den Bäumen umher . Der trotzige unbeugsame Mann , der keine Furcht kannte , war auf einmal so besonnen und vorsichtig geworden – er hatte es ja versprochen , und er wußte , daß es ein Wesen gab , das jetzt auch für sein Leben zitterte . Rakowicz , der Wohnsitz des Grafen Morynski , konnte sich in keiner Weise mit Wilicza messen . Ganz abgesehen davon , daß die Herrschaft fast um das Zehnfache größer war und allein drei oder vier Pachtgüter von dem Umfange der Morynskischen Besitzung einschloß , fehlten dieser letzteren auch die Waldungen und das prachtvolle Schloß mit seiner Parkumgebung . Rakowicz lag nur eine Stunde von L. entfernt in offener Gegend und unterschied sich wenig oder gar nicht von den übrigen kleineren Edelsitzen der Provinz . Seit der Abreise ihres Vaters lebte Gräfin Wanda allein auf dem Gute . So selbstverständlich unter andern Umständen ihre Uebersiedelung nach Wilicza gewesen wäre , so natürlich erschien es jetzt , daß die Tochter des Grafen Morynski das Schloß mied , dessen Herr eine solche Stellung zu den Ihrigen einnahm , wie Nordeck es that . Schon das Bleiben der Fürstin gab Anlaß genug zur Verwunderung . Diese kam , wie schon erwähnt , sehr oft nach Rakowicz , um ihre Nichte zu sehen , und war auch jetzt auf einige Tage Gast derselben . Das Zusammentreffen Wandas mit Waldemar blieb ihr vorläufig noch verschwiegen , da sie erst am Abend nach der Rückkehr von jener Fahrt angekommen war . Am zweiten Tage nach ihrer Ankunft , in den Vormittagsstunden , saßen die beiden Damen in dem Zimmer der jungen Gräfin . Sie hatten soeben Nachrichten von den Ihrigen empfangen und hielten die Briefe geöffnet in der Hand , aber diese schienen wenig Erfreuliches zu bringen , denn Wanda sah sehr ernst aus , und die Miene der Fürstin war finster und